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Auf der Schwäbischen Alb gibt es Deutschlands einziges Ostereimuseum

Ein ei(n)maliges Ausflugsziel

Sonnenbühl. Behutsam zupft Anna Barkefeld den weißen Samt zurecht. Aus einem Stück Stoff wird ein schneebedeckter Berg unter Sternenhimmel. Nach einem kleinen Schaf aus Holzresten greift sie und stellt es an seinen Platz in der winterlichen Krippenszene. „Jetzt stimmt’s“, sagt die dunkelhaarige Dame. Erleichterung und Freude sind auf ihrem Gesicht abzulesen. Wenn Anna Barkefeld die Vitrinen in ihrem kleinen Museum gestaltet, bekommt ihre Fantasie Flügel, dann geht die

veröffentlicht am 02.04.2009 um 17:22 Uhr

Holzei: Museumsleiterin Anna Barkefeld zeigt ein Modell von Günt

Autor:

Susann Förster-Habrich

Leidenschaft mit ihr durch.

In Sonnenbühl auf der Mittleren Schwäbischen Alb, etwa 50 Kilometer von Stuttgart entfernt, betreibt die Kunsthistorikerin das erste deutsche Ostereimuseum. Dass das Osterei weit mehr ist als eine bunt gefärbte, hart gekochte Leckerei, die den Cholesterinspiegel im Frühjahr nach oben treibt, macht die Museumsleiterin ihren Besuchern schnell klar. Das Osterei ist ein Stück Kultur. Und ein Stück Kunst.

Rund 7000 Eier umfasst die Sammlung des skurrilen Museums, davon sind 900 in der Dauerausstellung zu sehen. Platz für künstlerische Fantasie ist auf der kleinsten Schale – von nagelgroßen Finkeneiern über Gänse- und Schwaneneier bis hin zu riesigen Straußeneiern haben Künstler aus aller Welt alles verziert. Sie haben die Schalen mit feinen Werkzeugen durchbrochen, Muster hineingefräst oder mit Stecknadeln durchbohrt, die Oberflächen mit spitzen Bleistiften und feinen Pinseln bemalt, Scherenschnitte oder winzige Papierfitzelchen aufgeklebt. Jedes einzelne Ei hat seine eigene Geschichte, die Anna Barkefeld erzählen möchte.

Bitte Vorsicht beim Stempeln! Papiercollage mit Briefmarken von
  • Bitte Vorsicht beim Stempeln! Papiercollage mit Briefmarken von Roswitha Al Habib Fotos: RSPS

In den Schaukästen des Museums, das 1993 im alten Schulhaus in Sonnenbühl eingerichtet wurde, gestaltet die Kunsthistorikerin Stillleben rund ums Ei. Schrill und bunt, nostalgisch und anrührend, märchenhaft und verträumt. Dass die Symbolik des Eis nicht zwangsläufig an christliche Traditionen gebunden ist, macht die Museumsleiterin schnell klar. In der Ausstellung wie auch in der Natur gleicht kein Ei dem anderen. Wie verschiedene Kulturen mit dem Kunst- und Kultobjekt umgehen, zeigt das Museum in vielen Spielarten. In Ungarn liebt man starke Farben, mit denen man bunte Blumen auf die Eierschalen pinselt – und Paprikaschoten. Ein ruhiges Händchen brauchen die Menschen in der Bucovina, wenn sie winzige Perlen mit Bienenwachs kleben und zierliche Mosaike entstehen lassen. Dass so kunstvoll verzierte Ostereier kaum auf dem Teller landen, versteht sich von selbst.

Service: DDas Ostereimuseum ist bis 1. Juni wochentags außer Montag zwischen 10 bis 17 Uhr geöffnet, an Sonntagen von 11 bis 17 Uhr. Informationen im Museum, Tel. 0 71 28/7 74 oder unter www.sonnenbuehl.de.

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