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Naderah Ibrahim und ihre beiden Söhne zählen zu den wenigen Christen in der Prince Rupert School

„Ein eigenes Zimmer wäre schön“

Rinteln. Für Naderah Ibrahim und ihre beiden erwachsenen Söhne Nuel und Yousif Lawando hat das bevorstehende Weihnachtsfest zwei Seiten. Einerseits sind sie froh, in Deutschland und damit in Sicherheit zu sein. Andererseits sind sie dazu gezwungen, die Weihnachtstage in der Notunterkunft in der Prince Rupert School zu verbringen, anstatt im trauten Zuhause. Sie sind Christen, die aus ihrer Heimatstadt Mossul im Nordirak vor dem sogenannten Islamischen Staat (IS) geflohen sind.

veröffentlicht am 23.12.2015 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.12.2015 um 11:57 Uhr

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Bevor die Terrororganisation im Sommer 2014 die Stadt Mossul eroberte, lebte die kleine Familie in Frieden – „Seite an Seite mit Kurden, Muslimen, Jesiden und anderen Christen“, erzählt Nuel Lawando im Gespräch mit unserer Zeitung. Er und sein Bruder hätten als Sachbearbeiter in der Verwaltung des Rathauses gearbeitet. Dann kam der IS. „Die Peschmerga kamen und warnten uns und rieten, die Stadt zu verlassen, da der IS vorhabe, alle Christen zu köpfen“, fährt Lawando fort. Von einem Tag auf den anderen hätten sie alles zurückgelassen. „Wir hatten ein Haus und haben ein ganz normales Leben geführt“, sagt seine Mutter Naderah Ibrahim. Nur etwas Geld hätten sie mitgenommen.

Zuerst seien sie wie die meisten anderen Christen aus Mossil auch in die Stadt Erbil geflohen, in die Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan. Dort hätten sie ein Jahr lang in einer Notunterkunft für Flüchtlinge gelebt.

Als sich abzeichnete, dass sich die Lage vor Ort auf absehbare Zeit nicht bessern würde, ging die Familie nach Jordanien. Schließlich fassten die drei den Entschluss, ihr Glück in Deutschland zu versuchen. „Wir hörten, dass man den Flüchtlingen hier hilft, die Menschenrechte hier eingehalten werden. Außerdem ist es ein christlich geprägtes Land – das ist für uns optimal“, schildert Nuel. Mit dem Flugzeug seien sie nach Österreich gereist, von dort ging es über München bis nach Rinteln.

Hier teilen sie sich mit 14 anderen einen Raum in der Prince Rupert School. Dies falle vor allem der 59-jährigen Mutter schwer. Zumal sie krank sei. Weihnachtsstimmung sei bei ihnen daher noch nicht wirklich aufgekommen. „Weihnachten ist für uns wie für alle anderen Christen auch sehr wichtig“, sagt Naderah Ibrahim. „Aber feiern werden wir es dieses Mal wohl nicht. Wir haben keinen Baum und keine Geschenke. Und wo die Kirche ist, wissen wir auch nicht.“ Ibrahim und ihre beiden Söhne sind Katholiken. Im Irak gehörten sie zur „Syrian Catholic Archdiocese of Mosul“. Nuel legt die Dokumente vor, die das bezeugen sollen.

Gerne hatten sie die Einladung der Johannis-Gemeinde ins Café International (wir berichteten) angenommen. Aber leicht sei es nicht für sie gewesen, ohne sich verständigen zu können. Sie sprechen Arabisch und „Syriani“, die Sprache der Christen in der Region im Nahen Osten. Gerne hätten sie auch einen Draht zur katholischen Gemeinde in Rinteln. Dann würden sie in die Kirche gehen. Wie in Mossul.

Natürlich haben sie auch Wünsche. „Wir hoffen, bald Deutsch zu lernen und uns dann eine Arbeit suchen zu können “, sagt Nuel. Und seine Mutter ergänzt: „Ein eigenes Zimmer für uns drei wäre schön.“pk



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