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Vor Gericht: 15 Monate Haft / Mehrfach Kennzeichen gestohlen, angeschraubt, Sprit geklaut

Ein eigenes Auto, aber kein Geld zum Fahren

Bückeburg (ly). Auto ja, Geld nein: In dieser Situation ist ein Bückeburger auf eine Idee gekommen, die ihn jetzt ins Gefängnis gebracht hat. Der klamme 27-Jährige montierte einfach die Kennzeichen anderer Fahrzeuge ab, um die geklauten Nummernschilder an seinen nicht angemeldeten Wagen zu schrauben. So sollte ihm niemand auf die Schliche kommen.

veröffentlicht am 17.01.2007 um 00:00 Uhr

Am nächsten Tag tankte er dann scheinbar unerkannt voll und gab Gas, ohne die Rechnung zu bezahlen. Nur am Rande: Einen Führerschein hatte der Mann ebenfalls nicht. Warum er dennoch ein Auto besaß, bleibt sein Geheimnis. Für Sprit, Steuern und Versicherung fehlte jedenfalls offenbar das Geld. Den Wagen hat die Justiz zwischenzeitlich eingezogen. Auch sonst hätte der Fahrer keine Gelegenheit, sich erneut hinters Steuer zu setzen. Das Amtsgericht hat den 27-Jährigen jetzt zu 15 Monaten Haft verurteilt. Im Schuldspruch kommen Diebstahl, Betrug, Urkundenfälschung und Fahren ohne Fahrerlaubnis gemischt vor, unterm Strich sieben Taten. Alle Delikte sind eher im Bereich der Kleinkriminalität angesiedelt und hätten einen Ersttäter wohl kaum ins Gefängnis gebracht. Doch der bereits inhaftierte Angeklagte ist knasterfahren und wiederholt vorbestraft, bevorzugt wegen Diebstahls. Obendrein stand er unter Bewährung. Eingang ins Register hat er auch als wüster Schläger gefunden. "Ich habe einfach nicht die Hoffnung, dass der Angeklagte keine weiteren Straftaten begeht", sagte Richter Armin Böhm. Die 15 Monate Haft brauche der 27-Jährige "zum Nachdenken, wie er sein weiteres Leben führen will". Am besten nicht so: Im Oktober vorvergangenen Jahres hatte er zweimal in Bückeburg sowie ein drittes Mal in einem Parkhaus am Stadthäger Bahnhof Kennzeichen geklaut und an sein Auto geschraubt. In zwei Fällen fuhr der Mann jeweils am nächstes Tag zur Tankstelle und fasste Sprit, zusammen für knapp 90 Euro. Ein vierter Kennzeichen-Diebstahl spielt in Minden, und auf dem Achumer Weg in Bückeburg war der 27-Jährige nachweislich einmal ohne Fahrerlaubnis unterwegs. "Dumm gelaufen", meinte der Angeklagte vor Gericht in einem Anflug von Einsicht. "Ich bin nicht stolz auf meine Vergangenheit", fügte er hinzu. Erstens besteht dazu auch kein Grund, zweitens wäre fast noch eine weitere Strafe wegen Körperverletzung hinzugekommen. Zusammen mit zwei Komplizen soll der 27-Jährige nämlich vor einem Jahr einen Mann, der nachts zu Fuß in Bückeburg unterwegs war, angegriffen und niedergeschlagen haben. Das Opfer wurde noch getreten, als es bereits wehrlos am Boden lag, und erlitt unter anderem einen Kreuzbandriss im Knie. Diesen Fall hat das Gericht jedoch während der Verhandlung eingestellt, weil eine zusätzliche Verurteilung kaum weiter ins Gewicht gefallen wäre. Gegen das Urteil sind noch Rechtsmittel möglich.



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