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"Jetzt reicht's": In NDR-Streitsendung zum Bahnübergang lassen die Hohnhorster Dampf ab

Ein Dorf und die grenzenlose Wut auf die Bahn

Hohnhorst (tes). Dieöffentliche Aufzeichnung der NDR 1-Niedersachsen-Sendung "Jetzt reicht's" hat die Emotionen hochkochen lassen. Doch die Bahn blieb hart: "Halbschranken kommen 2009", sagte Jonas Buchholz, Leiter der Produktionsdurchführung bei der DB-Netz. Dieser hatte sich in die Höhle des Löwen gewagt und wurde nicht geschont. Politiker, ADAC-Sprecher, Bürger, Unfallopfer und deren Angehörige sind der Aufforderung von Moderator Carsten Thiele gefolgt, eine Stunde lang zu "argumentieren, diskutieren und zu streiten" .

veröffentlicht am 27.02.2009 um 14:57 Uhr

"Wir brauchen Halbschranken": Diana Bocküberreicht 1500 Untersch

Zu Beginn informierte NDR-Redakteur Hans-Jürgen Otte die Hörer an den Radios: "Der Bahnübergang sieht aus wie hundert andere." Und doch werde dieser längst als Symbol für den sorglosen Umgang der Bahn mit der Sicherheit gesehen, denn der Tod von zwei Kindern und deren Eltern im Juni war nicht der erste Unfall auf dieser Strecke. "Das Maß ist voll", griff Otte die Stimmung der Bürger auf, von denen mehr als 120 im Gasthaus Wille erschienen waren. Schon 2004 seien Halbschranken versprochen worden, so der NDR-Redakteur weiter. Deren Bau wurde jedoch aufgrund der Diskussion zum trassennahen Ausbau immer wieder verschoben. "Die Menschen wollen keine Verschiebung der Verantwortung mehr, sondern Taten sehen", eröffnete Moderator Thiele die Diskussionsrunde. "Eine Halbschranke muss unbedingt her, weil man das Warnblinklicht bei Sonne nicht sieht", meldete sich eine Frau im vollbesetzten Saal. Zudem sei die Strecke nicht einsehbar, ergänzte Ilona Brink, "man muss bis an die Schienen heranfahren, und der Zug ist hier 80 km/h schnell." Die Bahn sieht keinen dringenden Handlungsbedarf: Die letzte Verschiebung begründete DB-NetzLeiter Buchholz damit, dass der Ausbau der Kreisstraße parallel erfolgen soll - im Jahr 2009. "Wir lassen uns nicht mehr vertrösten", hielt die stellvertretende Bürgermeisterin Bärbel Koch dagegen, "nach unseren Informationen geht beides unabhängig voneinander." Zudem liege eine klare Zusage der Bahn vor, sagte Koch und präsentierte entsprechende Unterlagen. Bewegt habe sich jedoch bisher nichts, kritisierte die Politikerin: "Wir fühlen uns verklappst." "Die Gemeinde steht Gewehr bei Fuß", bestätigte Rudolf Früke. Halbschranken erst im Jahr 2009 - der Vorsitzende des Hohnhorster Bauausschusses bezeichnete diese Aussage des Bahnvertreters als erschreckend: "2700 Kraftfahrzeuge passieren täglich diesen Bahnübergang. 2004 hieß es noch, die Halbschranken kommen in zwei Jahren."Buchholz sah darin keinen Widerspruch: "Die DB-Projektbau hat 2006 mit der Planung angefangen, die Realisierung war für 2008/2009 vorgesehen." Auch Kreisbaudezernent Karl- Erich Smalian gab grünes Licht: "Die Bahn kann morgen schon Schranken setzen. Was wir tun können, haben wir seit 2004 getan.Das Genehmigungsverfahren läuft." Willi Rohrßen als Vertreter der Bürger in der Gesprächsrunde berichtete von der gedrückten Stimmung im Ort und äußerte Unverständnis: "Ausreden von der Bahn und gleichzeitig eine Zusage von Smalian: Da kann doch was nicht stimmen mit der Kommunikation." Seinem Wunsch nach einer Zwischenlösung erteilte der Vertreter der Bahn eine Absage. Experten würden die Wirkung eines Stopp-Schildes anzweifeln. Selbst der Versuch des Moderators, mit einem zusätzlichen Warnlicht in Richtung des Kindergartens einen kleinen Kompromiss zu finden, blieb ohne Zusage. Einzig die "Sichtbarkeit des Blinklichtes" könne nochmal angesehen werden, versprach Buchholz. Nach dem letzten Unfall sei er als einer der ersten angerufen worden, zeigte sich Buchholz als Familienvater betroffen, betonte jedoch: "Ob eine Schranke hilft, weitere Unfälle zu verhindern, weiß ich nicht." Eine Einschätzung, die mit erbosten "Doch"-Rufen aus dem Publikum quittiert wurde. Unterstützung kam von Roman Mölling, Leiter Kommunikation beim ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt: "Eigentlich müsste sogar eine Vollschranke her. In Hohnhorst scheint das Tageslicht das größte Problem zu sein. Hier muss jetzt schnell etwas passieren. Ich hätte die Schranke schon beim Bau des Kindergartens installiert." Buchholz zeigte sich offen für weitere Lösungen, um das Rotlicht sichtbarer zu machen. Grundsätzlich sei der Bahnübergang in Ordnung, "bei einer Verkehrsschau im letzten Jahr wurden nur Kleinigkeiten moniert, wie die Fahrbahnmarkierung". Diese ist mittlerweile erneuert worden - einen Tag vor der Sendung. Ein Souvenir aus Hohnhorst nahm Buchholz mit: Diana Bock überreichte, moderiert von Thiele, über 1500 Unterschriften mit der Forderung nach Halbschranken. "Und zwar sofort."

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