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20-jährige Tankstellen-Angestellte berichtet über den Überfall in Lindhorst

„Ein bisschen Angst ist jetzt immer da“

Lindhorst. Es ist Montagabend, 21.30 Uhr. Die 20-jährige Perihan Su ist gerade bei der Remission, schreibt auf, wie viele Zeitungen sie an diesem Tag in der Lindhorster HEM-Tankstelle verkauft hat. Sie bemerkt nicht, wie ein vermummter Mann den Kassen-Container der Tankstelle betritt.

veröffentlicht am 06.06.2013 um 18:51 Uhr

Autor:

Oliver Nowak

Als die Schülerin aufschaut, sieht sie nur einen Mann mit einer Sturmhaube und einen Revolver, der auf sie zielt. „Ich dachte zuerst, dass soll wohl ein schlechter Scherz sein“, erzählt sie den SN. Doch es ist bitterer Ernst. Der Vermummte schreit nur „Kasse auf!“ Doch Su steht regungslos vor ihm: „Ich war völlig perplex.“ Der Mann wiederholt seine Forderung und drückt mit dem Lauf der Waffe Sus Hand Richtung Kasse. „Ich hatte Todesangst“, sagt Su und holt tief Luft, um ihre Tränen zu unterdrücken. Als Sie die Kasse geöffnet hatte, schiebt sie der Unbekannte zur Seite und greift in die Kasse. „Es ging alles rasend schnell. Er stürmte sofort hinaus, als er seine Beute hatte, und verschwand Richtung Wohngebiet, dann brach ich innerlich zusammen“, sagt die Schülerin schluckend. Kaum sei der Täter aus dem Container geeilt, seien neue Kunden gekommen. Sie habe ihnen nur zugerufen, dass sie gerade überfallen worden sei. Die Kunden hätten daraufhin versucht, den Flüchtigen zu verfolgen – erfolglos. „Ich hab mich dann im Container eingeschlossen“, berichtet Su. Als wieder neue Kunden kamen, habe sie vor lauter Aufregung die Tür von innen nicht mehr öffnen können, „ich war nur noch am Heulen“. Die Kunden riefen sofort Polizei und Rettungskräfte an, sie schlossen der jungen Frau von außen auf, nachdem sie ihnen den Schlüssel hinausgereicht hatte.

Schlafen konnte die angehende Abiturientin in dieser Nacht nur sehr schlecht. „Ich bin zu meinem besten Freund gefahren, weil ich nicht alleine sein wollte. Man hört immer wieder von solchen Überfällen. Dass ich einmal selbst Opfer eines Überfalls werden könnte, habe ich nicht geglaubt.“

Su hat nach dem Überfall einen Tag Pause gemacht, am nächsten stand sie schon wieder hinter der Theke. „Es bringt mir nichts, alleine und ängstlich zu Hause zu sitzen.“ Zudem brauche sie auch das Geld. Ihr Chef habe ihr wohlwollend angeboten, eine Pause einzulegen. Aber sie arbeitet zu gerne hinter der Tankstellentheke. „Der Kontakt mit den Kunden macht mir einfach Spaß“, erzählt sie.

Die Schicht, auf der sie überfallen wurde, habe sie eigentlich für eine Kollegin übernommen. „Ein bisschen Angst ist jetzt immer da“, sagt sie, vorerst. Sie rechnet es den Kunden hoch an, die sie nach ihrem Befinden fragen, „aber es ist sehr unbehaglich, wenn ich nach dem Überfall gefragt werde, ich möchte mich daran nicht immer erinnern müssen“. Dafür bittet sie auch um Verständnis. Su hofft, dass der Täter bald gefasst wird. „Die sollen ihn unbedingt kriegen, das war so schrecklich für mich.“



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