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Swen Böhm ist Küchenchef in US-Fünf-Sterne Hotel - und kocht für Bob Dylan und Nicole Kidman

"Ein Beruf ist es eigentlich nicht, eher Passion"

Stadthagen (sk). Eigentlich wollte Swen Böhm (33) in diesem Jahr beim historischen Stadthäger Schützenfest Rottmeister im "Eichenrott" sein. Aber daraus wird aus beruflichen Gründen nichts. Böhm arbeitet tausende Kilometer entfernt von Stadthagen: Der Stadthäger ist Küchenchef im noblen Fünf-Sterne-Hotel "Orchards" in Williamstownin Massachusetts an der amerikanischen Ostküste. Dort hat er schon für Anthony Hopkins gekocht, für Nicole Kidman, für Bob Dylan.

veröffentlicht am 18.04.2006 um 00:00 Uhr

Swen Böhm wurde mit "Spießschlag" in die "Chaine des Rotisseurs"

Swen Böhm ist in Stadthagen geboren und hier zur Schule gegangen. Bereits als Kind stand der Junge gern hinter dem Herd. Böhm folgte seiner Neigung und wurde Koch, lernte beim "Dicken Heinrich" in Lüdersfeld. Beim Bund brachte er das Casino in Achum kulinarisch auf Vordermann, kochte später im "AltenForsthaus" in Bückeburg und verließ dann Schaumburg. Im "Nassauer Hof" in Wiesbaden wurde Böhm stellvertretender Küchenchef, erhielt ein Stipendium für einen Meisterkurs. 1995 arbeitete Böhm im berühmten "Chesery" in Gstaad. Der erste Kontakt mit Amerika hieß Florida. Aus einer Urlaubsreise ergab sich der heutige Arbeitsplatz im Nordosten der USA. Im April 2003 trat Böhm in Williamstown seinen Dienst an. Der 33-Jährige ist Küchenchef im "Orchards", einem kleinen, aber feinen Hotel, Mitglied von "The Leading Small Hotels of the World". In der Hochsaison "dirigiert" Böhm 25 bis 30 Mitarbeiter in Küche und Service. 16 bis 18 Stunden zählt Böhms Arbeitstag. Dazu sagt der Stadthäger: "Ein Beruf ist es eigentlich nicht." Es sei eher Passion, eine Lebensaufgabe. Ohne selbst gewollten Einsatz scheitere man unter der Belastung, so Böhm, der oft mit fröhlichem Lachen zu sehen ist, immer aufmerksam wirkt, vital, zupackend. Böhm passt in das Land, das Leistung fordert und Leistung belohnt und andererseits einen entspannten Lebensstil pflegt. "Der Traum vom Tellerwäscher zum Millionär ist noch nicht gestorben", so Böhm. In seiner Freizeit geht Böhm, ein Fan des "American Football", gern angeln, steht im Sommer oft bis zur Brust im Wasser in Flüssen und Seen der Mountains. Die Landschaft im Nordosten der USA sei atemberaubend, vor allem im farbenprächtigen Indian Summer. Bei Böhms Beruf stellt sich die Frage nach dem kulinarischen Geschmack der Amerikaner. In der feinen Küche sieht Böhm da keinen großen Unterschied zu Europa. Hamburger und Steaks werden auf seiner Speisekarte weder aufgeführt noch erwartet. Aus der Heimat mitgebracht hat Böhm die Spätzle. "Diese Nudeln aus Deutschland" waren bald begehrt. Der gebürtige Schaumburger kocht fein, phantasievoll - Beispiele seiner Kreationen sind auf Böhms Homepage "www.cookingaslifestyle.com" zu sehen. Als Küchenchef steht Böhm nicht mehr jeden Tag am Herd. Rund 20-mal im Jahr ist er auf Reisen in Boston oder New York, nimmt an Seminaren teil oder ist in Sachen Promotion unterwegs. "Aber trotzdem wird mich keiner aus der Küche rauskriegen", versichert der Koch aus Leidenschaft im Gespräch mit unserer Zeitung bei einem Deutschland-Urlaub. Vielleicht steht Böhm beruflich bald am eigenen Herd. Der Schaumburger, privat liiert mit einer 25-jährigen Amerikanerin aus der Werbebranche, plant mit Partnern die Selbstständigkeit. Zum Schluss: Rottmeister in "good old Stadthagen" ist Swen Böhm 2006 nicht geworden, aber 2004 Mitglied in der elitären "Chaine des Rotisseurs", einer in Frankreich gegründeten Bruderschaft mit jahrhundertealter Tradition. Der Vereinigung gehören Menschen an, die sich um exzellentes Essen verdient machen. Die "Chaine des Rotisseurs" umfasst derzeit in 120 Ländern der Welt mehr als 80 000 Persönlichkeiten aus den verschiedensten Berufen.

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