weather-image
"Die edle Kunst des Reitens" - Hofreitschule zeigtÜbungen des Buchs in höchster Vollendung

Ein altes Lehrbuch feiert Wiederauferstehung

Bückeburg. Eine kleine Bewegung mit dem Zügel, ein leises Schnalzen - das ist alles, was Hofreitmeister Wolfgang Krischke an Kommandos gibt. Langsam tastet sich das Pferd in die Höhe und bleibt für einige Sekunden still wie ein Statue, ein Standbild verhaltener Kraft.

veröffentlicht am 21.11.2006 um 00:00 Uhr

"Die edle Kunst des Reitens. Erklärungen für eine vernunftgemäss

Autor:

Michael Grundmeier

Übungen wie diese sind es, die die Zuschauer der "Ouvertüre d'Andrade" ein ums andere Mal in Erstaunen versetzen - Applaus brandet durch die dicht besetzten Reihen im Reithaus. Während draußen die Soldaten des Infanterieregiments "Graf-Wilhelm" Wache halten, lassen in der Arena Wolfgang, Christin und Diana Krischke ihre Pferde tanzen. Als der Hofreitmeister mit einem seiner Pferde zur Kapriole ansetzt, halten die Besucher den Atem an. Der Schwarze bäumt sich mit den Hufen nach vorne, dann schlägt er nach hinten aus und schwebt auf einmal mit allen Vieren in der Luft. EineÜbung wie aus dem Lehrbuch - fast hat man das Gefühl als würden die Szenen, die auf den alten Stichen im Reithaus abgebildet sind, lebendig werden. Tatsächlich sind es gerade diese naturalistischen Zeitzeugnisse, ohne die die Pferde-Ausbildung an der 2004 eröffneten Fürstlichen Hofreitschule gar nicht möglich wäre. "Es ist viel vergessen worden, deshalb brauchen wir alte Lehrbücher, um uns daran zu orientieren und die Bilder darin zu lesen", erklärt Hofreitmeister Wolfgang Krischke. Mit de Andrades "Die edle Kunst des Reitens. Erklärungen für eine vernunftgemässe Praxis" wurde deshalb jetzt ein Standardwerk des verfeinerten und militärischen Barockreitens im Georg Olms Verlag wiederaufgelegt und am Sonntag in Bückeburg mit einer Gala gebührend gefeiert. Das 1790 erschienene Buch war lange Zeit nur wenigen zugänglich -die realistischen, detailreichen Bildtafeln sind aber immer wieder reproduziert und weitergereicht worden: "Etliche Stiche hängen bei uns schon lange im Reithaus und wir sind eigentlich immer danach geritten, auch wenn wir das Buch bisher nicht hatten", erzählt der Pferdelehrer. Dass die neue Ausgabe ausgerechnet in Bückeburg präsentiert wird, hat vor allem historische Gründe: Das Fürstenhaus ist ab Mitte des 18. Jahrhunderts eng mit Portugal verbunden. Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippes militärische Hilfe im Befreiungskrieg gegen Spanien ist in Portugal unvergessen. Erwähnt wird er deshalb auch in der "Bibel der portugiesischen Reittradition", wie Verleger Dr. Georg Olms das Buch in seiner kurzen Ansprache feiert. So erzählt der Autor in einer Passage beispielsweise, wie der Graf portugiesische Granden bei der Jagd begleitet. Dass die Portugiesen sich an den Fürst aus Schaumburg-Lippe immer noch erinnern, beweist auch ein Souvenir, dass die Krischkes von einer Portugal-Reise mitgebracht haben. Wolfgang Krischke: "Wir waren vor kurzem dort und haben von der ,Conte de Lippe' erfahren; einer Muschel, die der Graf Wilhelm so gerne gegessen und gut bezahlt hat, dass sie bis heute diesen Namen trägt."

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare