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In Exten geht eineÄra zu Ende: Die Tornows geben ihr Gasthaus in neue Hände

Ein Abschied, der schwer fällt: "Ich denk' immer, wir haben Ruhetag!"

Exten (cok). Das war wirklich ein rauschendes Abschiedsfest, als die beliebten Wirtsleute Edith und Dieter Tornow zum letzten Mal hinter dem Tresen ihres Extener Gasthauses "Zur Post" standen. Hektoliterweise wurde Freibier ausgeschenkt, unglaubliche Mengen an Gulaschsuppe wurden verzehrt, und Tränen, ja, die sind auch geflossen, reichlich.

veröffentlicht am 06.03.2008 um 00:00 Uhr

Dabei können zumindest Edith und Dieter Tornow im Grunde froh sein, dass sie in den Ruhestand gehen. "Seit ich 14 Jahre alt bin, habe ich eigentlich nur geschuftet", sagt die Wirtsfrau. "Mit 20 war ich ja schon in der Kneipe, immer erst nachts ins Bett und morgens früh aufstehen, und am Wochenende, da kriegte man die Leute ja nicht raus!" Ach ja, das sagt sie so. Auch, dass nun endlich mal der Garten dran ist. Und doch: "Es ist hart, aufzuhören!" Und ihr Mann kann dazu nur nicken. Auch er ist einer, der "immer da ist, wo die Arbeit ist". Seine Eltern eröffneten einst den Ratskeller in Rinteln, wo er als Koch arbeitete, später auch in anderen Gasthäusern aushalf, dann als Bierfahrer sein Geld verdiente und schließlich zugriff, als er in Exten zunächst den "Krug" und dann sechs Jahre später die "Post" pachtete. "Ihr schafft das nie!", hieß es da. Vier andere Kneipen gab es damals in Exten, alle von Einheimischen geführt. Höchstens ein Jahr gab man den Zugezogenen. "Ja, und dann waren wir von allen die Einzigen, die überlebten!" Woran es lag, dass das Gasthaus "Zur Post" ein solcher Anziehungspunkt wurde, dass nicht nur Extener und Rintelner sich dort regelmäßig trafen, die Kegelclubs und Vereinstreffen dort stattfanden, sondern auch so viele Holländer vom Doktorsee und der Feriensiedlung sie sich zur Stammkneipe erkoren? An den berühmten Schnitzeln vielleicht und an den köstlichen Kohlrouladen? An der Gemütlichkeit der Kneipe, die voller Fotos vom SC Rinteln hängt, auch aus Zeiten, als Dieter Tornow dort noch im Tor stand? Es lag wohl in erster Linie am so freundlichen und warmherzigen Gemüt der Wirtsleute, deren Familien aus Ost- und Westpreußen stammen, an ihrer gelassenen Art zuzuhören, Scherze zu machen, dem einen oder anderen auch mal ins Gewissen zu reden und unendlich geduldig zu sein mit den Wochenend-Nachtschwärmern, die den Weg nach Hause nicht finden wollten. So beliebt waren sie, dass sie es sich als Erste der Dorfkneipen straflos erlauben konnten, einen wöchentlichen Ruhetag einzulegen. Nun haben sie die "Post" in die Hände von Heike Reddehase und Nicole Hellmig übergeben, gute Hände sicherlich, denn beide arbeiteten schon vorher für die Tornows und passten wunderbar zur Stimmung des Gasthauses. Auch wenn jetzt dies und das umgebaut wird und die Küche, in der sich die Stammgäste auf der Suche nach leckeren Essensresten gerne herumtrieben, ein neues Gesicht bekommt - der Tornowsche Geist wird sich wohl in den Gasträumen halten können. Edith und Dieter Tornow aber haben nun Zeit für den Garten und das Aquarium, für Reisen, die endlich mal etwas länger dauern dürfen, und vor allem für ihre Enkelkinder, die es genießen, dass die freundlichen Großeltern nun mit ihnen in einem Haus wohnen und extra einen ganz großen Tisch gekauft haben, an dem alle zusammen essen können. Ungewohnt ist es trotzdem, nicht mehr so rund um die Uhr für Gasthausgäste bereit zu stehen. "Ich denk' immer, wir haben Ruhetag", meint Dieter Tornow. Wohlverdiente Ruhetage.



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