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Pianistische Bravour und bittersüße Poesie machen die Veranstaltung des Kulturvereins zum Erfolg

Ein Abend wie geschaffen für die Liebe

Bückeburg. Na, dat was een Wunnertüüt: Mal'n beten truurig, mal Brummers in' Buuk - Traute Römisch het wat to vertellen. "In Liebe hoch und platt" hieß das Programm der Hamelnerin, das im Joël-Le-Theule-Saal von den Zuhörern des Kulturvereins gefeiert wurde.

veröffentlicht am 29.01.2008 um 00:00 Uhr

Kongeniales Bühnenpaar: Der Pianist Andy Mokrus und die Aktrice

Autor:

Dietlind Beinßen

Zu den vom Pianisten Andy Mokrus mit einer Menge Gespür vertonten und offerierten Klavierklängen zwischen Swing, Rag, Rock, Kunstlied, Arie, Klezmer, Beethoven - und mannigfachen anderen Stilen - führte Traute Römisch ihre in Buxtehuder Platt gehaltenen Partien auf. Diese tänzelten zwischen prickelndem Verliebtsein mit Brummern im Bauch und traurigem Sehnen, sie spiegelten somit vielerlei Gedanken und Lebenssituationen wider. Als Oberbegriff für den rundum anregenden Abend mag "Chanson" herhalten, doch einer Chansonnette gleicht die Aktrice weniger: Sie singt nicht, sondern rezitiert mehr, und das auf solch besondere Art, wie es eben nur gute Schauspieler vollbringen. Die Römisch ist eine imposante Frau, und das Timbre ihrer melodischen Stimme schien wie geschaffen für unter die Haut gehende oder das Publikum beim Lachmuskel packende Geschichten, etwa von der Tick-Tack-Oma, die ihrer Enkelin Blumen und tiefe Zuneigung schenkt, dem Schwebezustand beim Schaukeln, Tagen, an denen die Farbe rausläuft und man sich so durchs Leben schleicht, der Angst, die aus dem Fenster geworfen gehört, der Wundertüte, dem Goldfisch im Glas und einem fröhlich stimmenden Sommerlied zum offiziellen Abschied, dem allerdings - nach mehr als zwei Stunden - ein stürmisch erklatschter Extrabeitrag folgte. Als Begleiter des mit Herz und Charme verabreichten, gefühlstief gedrechselten Geschehens konnte es keinen besseren geben als Andy Mokrus. Zwar blieben die beredten, bisweilen sogar eckigen Texte und die rhythmisch-runde Musik auf den ersten Blick unverbunden - und doch gehörten sie ganz eng zusammen und bildeten eine wunderbare Synthese. Dass er Traute Römischs Beiträge obendrein beredt einzustimmen wusste, bewies der clevere Tastenritter beim feurigen "Tango obskuro" und einem nicht minder rasanten Countrystück. Pianistische Bravour und bittersüße Poesie machten die Veranstaltung im voll besetzten Saal zum Erfolg.

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