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Weihnachtshilfe: Nach einer Serie schwerster Krankheiten hat Familie T. Haus und Geschäft verloren

"Eigentlich haben wir noch großes Glück..."

Landkreis (kcg). Fünf Jahre ist es her, dass sich das Leben für die Familie von Horst und Melanie K. komplett verändert hat. Gemeinsam mit ihren Kindern lebte das Ehepaar in ihrem Haus in der Region Hannover und leitete erfolgreich einen Friseursalon, als nicht nur Melanies Mutter an Lungenkrebs erkrankte, sondern auch Sohn Mirko bei einem Autounfall schwer verunglückte.

veröffentlicht am 22.11.2008 um 00:00 Uhr

Horst, Lena und Melanie K. haben im Schaumburger Land ein neues

Der Haushalt verwandelte sich in ein Krankenlager, denn für das Paar war es selbstverständlich, Mutter und Sohn zu Hause zu pflegen. Trotz des familiären Rückhalts war diese Zeit eine harte Belastungsprobe für Horst und Melanie. "Ich habe nur noch funktioniert, hatte keine Minute mehr für mich," erinnert sich die Frau, die sich zudem um ihre kleineAdoptivtochter Lena und die Buchhaltung für den Salon kümmern musste. Kurz nach dem Tod der Mutter traf die Familie ein weiterer Schicksalsschlag: Horst T. erlitt einen Schlaganfall und war von einem Tag auf den anderen arbeitsunfähig. Zu allem Überfluss kündigte eine Mitarbeiterin, und machte ganz in der Nähe einen eigenen Salon auf. So fehlte es nicht nur an Personal, auch die Kunden wurden weniger. Die Insolvenz war unausweichlich. Ohne Rücklagen - die Lebensversicherung hatte das Paar in die Therapie des Sohnes investiert - musste Familie T. Haus und Geschäft verkaufen. Ein neues Zuhause hat die Familie vor zwei Jahren im nördlichen Landkreis Schaumburg gefunden. Doch das alte Bauernhaus war in einem sehr schlechten Zustand. "Wir hatten nur sechs Wochen Zeit, um das Haus einigermaßen bewohnbar zu machen", sagt T., die im Landkreis einen Teilzeitjob angenommen hatte. Die Hoffnung auf einen Neuanfang im Schaumburger Land wurden jedoch durch einen Unfall Melanies zunichtegemacht. Vom Telefonklingeln aufgeschreckt, stürzte die Frau beim Renovieren von einem Dachbalken. Acht Wochen Krankenhausaufenthalt folgten, in denen sie weder ihre neue Arbeitsstelle antreten noch die notwendigen Sanierungen zu Ende bringen konnte. Schließlich erlitt Horst T. auch noch einen Herzinfarkt. "Das war sehr schlimm", sagt T., betont aber im gleichen Atemzug: "Aber eigentlich haben wir auch großes Glück." Sohn Mirko gehe es von Tag zu Tag besser, und auch Horst mache große Fortschritte. "Außerdem haben wir hier ein neues Zuhause gefunden, in dem wir uns sehr wohlfühlen", freut sich T. Die Nachbarschaft habe sie mit offenen Armen empfangen und tatkräftig unterstützt. Doch die Sorge um die finanzielle Zukunft ihrer Familie trübt ihre Zuversicht. Seit der Insolvenz lebt das Paar von Hartz VI, trotz vieler Bewerbungen konnte T. nur als 1,50-Euro-Kraft Arbeit finden. "Es gibt Leute, denen es noch schlechter geht als uns", macht sich die 56-Jährige Mut. Dennoch leidet sie darunter, ihrer Tochter nicht mehr als das Existenzminimum bieten zu können. "Lena geht so gerne ins Museum. Manchmal leisten wir uns so einen Ausflug und essen dann die ganze Woche nur noch Nudeln. Aber wenigstens hat der Kopf etwas zu essen bekommen." Und auch für die weitere Renovierung des Hauses fehlt das Geld. "Es wäre so toll, wenn ich das Bad endlich fliesen könnte", sagt T. und erzählt, wie gerne sie 15 Quadratmeter weiße Fliesen kaufen würde. Doch am meisten träume sie von einer Wochenendreise mit Tochter und ihrem 65-jährigen Mann. "Dann könnten wir endlich alle Krankheiten vergessen und uns einfach mal erholen." Für das Paar wäre es der erste Urlaub seit 18 Jahren, für die zehnjährige Lena der erste überhaupt.



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