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Vor Gericht: Zweieinhalb Jahre Haft nach Inzest / Säugling stirbt nach der Geburt im Sommer 2006

Eigene Tochter vergewaltigt - und Kind gezeugt

Rinteln/Bückeburg (ly). In einem Fall von Inzest hat das Landgericht Bückeburg gestern einen Rintelner (44) zu zweieinhalb Jahren Ha ft verurteilt. Der Mann hatte zugegeben,über Jahre Geschlechtsverkehr mit seiner anfangs noch minderjährigen Tochter gehabt zu haben. Im Sommer 2006 war ein gemeinsames Kind zur Welt gekommen, das jedoch wenige Tage nach der Geburt starb. Die Tochter (22) ist psychisch krank.

veröffentlicht am 13.12.2007 um 00:00 Uhr

Nachgewiesen werden konnten dem Rintelner 17 Fälle von Beischlaf zwischen Verwandten, einmal in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen. "Wahrscheinlich ist dies nur die Spitze des Eisbergs", zitierte Staatsanwalt Wilfried Stahlhut einen Vernehmungsbeamten. Die Ermittlungen hatten nach dem Tod des Säuglings eingesetzt. Vaterund Tochter erleichterten daraufhin ihr Gewissen. Jahre zuvor war ein ähnliches Verfahren eingestellt worden. Rechtspolitisch wird zurzeit diskutiert, ob einvernehmlicher Beischlaf von Verwandtenüberhaupt unter Strafe stehen soll. "Doch so liegt der Fall hier nicht", betonte Dr. Birgit Brüninghaus, Vorsitzende der 1. Großen Strafkammer. Das Opfer sei einsam, traurig und schwach gewesen. Vater und Tochter "waren keine gleichberechtigten, eigenverantwortlich handelnden Partner". Damit nicht genug, so die Richterin weiter, durch das Verhalten ihres Vaters sei die junge Frau zudem ungewollt schwanger geworden. "Die Auswirkungen auf ihre Psyche und Entwicklung sind verheerend", sagte Brüninghaus und fragte eher rhetorisch: "Wie kann man sein instabiles Kind jahrelang zur Befriedigung eigener sexueller Bedürfnisse missbrauchen?" Nach der Trennung von seiner ebenfalls psychisch kranken Frau hatten der Rintelner und seine Tochter zeitweise allein zusammengelebt. Für beide gab es offenbar keine andere Bezugsperson. Als sicher gilt, dass die junge Frau ihren Vater als Halt brauchte und die sexuelle Beziehung aus eigener Kraft nicht beenden konnte. Das geht aus einem psychiatrischen Gutachten hervor. In dieser Expertise wird der heute 22-Jährigen eine schwere seelische Krankheit attestiert, die sie zum Widerstand unfähig mache. Vom Wesen her (nicht von der Intelligenz) sei die Rintelnerin vergleichbar mit einem Kind unter 14 Jahren, abhängig vom Vater. Staatsanwalt Stahlhut geht davon aus, dass der erwachsene Mann diese Abhängigkeit "gnadenlos ausgenutzt" habe, während Verteidiger Gunter Mücke "eine tragische Beziehung" sieht, in der irgendwann "ein Punkt überschritten wurde". Mit ihrem Urteil folgte die Kammer dem Antrag Stahlhuts. Mücke hatte auf Bewährung plädiert. Zu Beginn der sexuellen Beziehung mit ihrem Vater war die junge Frau 17 Jahre alt. Der Tatzeitraum umfasst mehr als drei Jahre und beginnt im September 2002. Als Partnerin will der Rintelner ("es tut mir leid") das Opferübrigens nie gesehen haben. "Sie war meine Tochter", sagt er. "Und sie ist meine Tochter."



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