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Erst Schaumburger Zeitung, dann Radio, inzwischen Ressortleiter: Georg Mascolo hat eine steile Karriere hinter sich

Ehemaliger SZ-Volontär als "Spiegel"-Chef im Gespräch

Rinteln /Berlin (wm). Es war eine Meldung, die gestern Vormittag zuerst die Internetportale aller großen Zeitungen veröffentlich haben: Georg Mascolo, 42, Chef des Hauptstadtbüros des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", und Mathias Müller von Blumencron, Chef von "Spiegel Online", sollen künftig gemeinsam das Hamburger Nachrichtenmagazin als Nachfolger von Stefan Aust leiten. Ein "Spiegel"-Sprecher wollte nicht bestätigen, dass bereits eine endgültige Entscheidung gefallen ist. Allerdings seien die beiden Namen im Gespräch.

veröffentlicht am 18.01.2008 um 00:00 Uhr

Georg Mascolo

Georg Mascolos steile Karriere hat bei der Schaumburger Zeitung in Rinteln begonnen, wo sich schnell herausstellte, dass er ein ungewöhnliches Talent besitzt, nämlich hartnäckig ist und, wenn es sein muss, auf ungewöhnlichen Wegen Geschichten nachgeht. Heute gilt Mascolo in Medienkreisen als Paraderechercheur und steht für die investigative Tradition des "Spiegel". Wie es dazu kommen konnte, dass ausgerechnet auf einem Abstellgleis auf dem Bahnhof in Obernkirchen tagelang mehrere Waggons mit dem gefährlichen Seveso-Gift geparkt worden sind, das war der erste Skandal, den Mascolo für die Schaumburger Zeitung aufgeklärt hat. Dass Mascolo den heimischen SPD-Landtagsabgeordneten Heiner Bartling persönlich kannte - mit dem er heute noch befreundet ist - war 1988 sein journalistischer Einstieg in die Spielbankenaffäre. Mascolo verfolgte die Spur des Strohmanns, über den sich die CDU an Casinos beteiligen wollte, bis in die USA - der Mann sagte dann später vor dem Untersuchungsausschuss des Landtages aus, in dem wiederum der heimische SPD-Landtagsabgeordnete als Obmann für die seine Fraktion saß. Mascolo musste sich künftig nicht mehr um neue Aufgaben bemühen, er wurde abgeworben, erst von Radio FFN, dann von "Spiegel TV". Sein untrügliches Gespür, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und die richtigen Leute zu kennen, führte ihn mit seinem TV-Team am 9. November 1989 zur Bornholmer Straße, zum ersten DDR-Schlagbaum, der sich öffnete, was das Ende der DDR einläutete - Mascolo und sein Team waren die einzigen Journalisten vor Ort. Legendär die Meldung des Kommandanten damals: "Wir fluten jetzt." Mascolo knüpfte Kontakte in höchste Militärkreise und nach Moskau, berichtete über den Zusammenbruch der Sowjetunion, lernte dabei seine Frau kennen, die für den "Stern" tätig war. 1991 wechselte Mascolo von "Spiegel TV" zum "Spiegel",übernahm das Deutschland-Ressort und ging danach als "Spiegel"-Korrespondent in die USA, nach Washington D.C. Im Sommer vorigen Jahres kehrte er nach Berlin zurück und leitet seitdem mit Dirk Kurbjuweit das Hauptstadtbüro des "Spiegel". In einem von "Welt Online" veröffentlichten Interview bekannte Stefan Aust: "Mein Freundeskreis rekrutiert sich im wesentlichen aus Menschen, mit denen ich zusammengearbeitet habe oder es noch tue. Georg Mascolo ist einer von ihnen." Auch ein weiterer ehemaliger SZ-Volontär hat übrigens in der Medienwelt eine steile Karriere gemacht: Christian Kirsch ist Redakteur beim "Heute-Journal" des ZDF.

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