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Staatsexamen vor 50 Jahren - Rosemarie Döring organisiert Wiedersehen

Ehemalige Maiden treffen sich in Obernkirchen wieder

Obernkirchen (sig). Man muss sich daran erinnern: Vor 50 Jahren wurde Willy Brandt Bürgermeister von Berlin. So lange ist es auch her, dass jener Jahrgang die Obernkirchener Landfrauenschule verließ, der sich jetzt zu einem Jubiläumstreffen in der Bergstadt wiedersah. Erstaunlich, dass sich das Gemeinschaftsgefühl so lange erhalten hat. Die Teilnehmerinnen kamen aus ganz Deutschland, eine sogar aus Zürich.

veröffentlicht am 09.10.2007 um 00:00 Uhr

Vor einem halben Jahrhundert haben sie gemeinsam ihr Staatsexame

Rosemarie Döring aus Heeßen hatte die Vorbereitung und Organisation übernommen. In der Vergangenheit trafen sich die ehemaligen Maiden in Abständen unter anderem in Wolfsburg, Bad Zwischenahn, Andernach, Bad Salzuflen, Spenge und Gütersloh. Aus jenen Orten kamen die jungen Mädchen und Frauen einst nach Obernkirchen, um die vom Reifensteiner Verband geführte Landfrauenschule zu besuchen. Die Organisatorin war am ersten Tag auch Gastgeberin. Sie hatte ihre Klassenkameradinnen und deren mitgereiste Lebenspartner zum Kaffeetrinken eingeladen. Dabei wurden die Briefe jener Frauen vorgelesen, die nicht anreisen konnten. An die Kaffeerunde schlossen sich ein Bummel durch den Kurpark von Bad Eilsen und ein Abendessen im "Heeßer Krug" an. Den zweiten Tag verbrachten die Teilnehmer ausschließlich in Obernkirchen. Die versierte Gästeführerin Wilma Kolbe geleitete die Gruppe durch das Stift. Und Barbara von Abendroth machte es möglich, dass die Gäste auch jenen Teil aufsuchen konnten, der heute die "Geistliche Gemeindeerneuerung" aufnimmt. Sie zeigte ihnen unter anderem die frühere Lehrküche, die heute ein Andachtsraum ist. Nach dem Mittagessen im "Restaurant am Sonnenbrink" wurden die Gäste von der Stadtführerin Renate Ernst durch die Innenstadt und durch das Berg- und Stadtmuseum begleitet, in dem sich zur Erinnerung an jene Zeit auch ein Maidenzimmer befindet. Zur Überraschung der Gruppe erschien Renate Ernst in der Tracht, die einst die Maiden trugen. "Während unserer Ausbildung haben wir nicht viel von der Bergstadt gesehen", erinnerte sich Rosemarie Döring. Und sie ergänzte: "Wir wurden mit allen Aufgaben vertraut gemacht, die eine Frau in einem landwirtschaftlichen Haushalt zu leisten hat - vom Backen und Kochen über Haus- und Gartenarbeit bis zum Ausrichten von Festen." Viel Freizeit gab es nicht; der Tagesablauf war streng reglementiert, auch abends. Zu den besonderen Ereignissen zählte, so Rosemarie Döring, dass sie einmal mit den Knappen tanzen durften. Trotz der umfassenden Ausbildung sind nur wenige Mädchen dieses Jahrgangs später in landwirtschaftlichen Betrieben tätig gewesen, zum Beispiel durch Heirat. Immerhin hatten sie aber alle ein Staatsexamen im "landwirtschaftlichen Hauswerk" bestanden. Einige konnten ein Landwirtschaftsstudium anschließen.

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