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Stadt tritt vom Vertrag mit der Erlebniswelt Renaissance zurück / Bisher nur 40 000 Euro an die EWR gezahlt

E-Guider mangelhaft - mehrere Bustouren abgesagt

Rinteln (wm). Die Stadt Rinteln möchte ihre rund 40 000 Euro für nicht funktionierende E-Guider von der Erlebniswelt Renaissance (EWR) zurückhaben.

veröffentlicht am 04.01.2008 um 00:00 Uhr

Der Verwaltungsausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung den Kooperationsvertrag zwischen der EWR Projektentwicklung GmbH und der Stadt Rinteln gekündigt. Gert Armin Neuhäuser (WGS) äußerte in der letzten Ratssitzung Zweifel, ob die Stadt das Geld wiedersehen wird. Und das aus zwei Gründen: Zum einen habe die Stadt Rinteln der EWR zur Rückzahlung keine Frist gesetzt, schwerwiegender ist nach Meinung von Neuhäuser allerdings, dass ein Rücktritt nach Paragraph 20 des Vertrages 2005 hätte erfolgen müssen. Denn den Termin Juli 2005 hatte die EWR für die vollständige Umsetzung ihres Standortkonzeptes selber gesetzt. Der Schaden für die Stadt Rinteln hält sich trotzdem in Grenzen, denn die Stadt hatte sich bereits im letzten Jahr bei ihrem EWR-Engagement deutlich zurückgehalten, so beispielsweise statt die geforderten laufenden Kosten zu übernehmen, nur zugesagt, die EWR erhalte einen Anteil der Bruttoerlöse aus der Nutzung der E-Guider. Die sind aber so gut wie nicht angefallen, da die E-Guider, die im Touristbüro ausgeliehen werden, im vergangenen Jahr kaum nachgefragt wurden. Die EWR hatte im Juli 2004 zugesagt, 30 funktionsfähige, per GPS gesteuerte Stadtführer, die so genannten E-Guider, bis spätestens Juli 2005 zu liefern. Die Stadt Rinteln hatte sich in einem Kooperationsvertrag im Gegenzug verpflichtet, 82 500 Euro zu zahlen. Doch schon der erste Termin platzte - wegen technischer Probleme waren die elektronischen Stadtführer nicht einsatzbereit. Bei einer Besichtigungsrunde im Oktober 2006 mit Dr. Holger Rabe von der EWR stellten Rintelner Ratsherren dann fest, dass zwar die Info-Stelen aufgestellt worden waren, die Navigation aber nach wie vor ihre Tücken hatte. Nach dieser Begehung einigten sich die beteiligten Ratsherren (darunter auch von der WGS), Verwaltung und EWR auf die Zahlung eines Teilbetrages in Höhe von 40 000 Euro, vorbehaltlich eines Beschlusses des Verwaltungsausschusses. Der gab im Dezember dann seine Zustimmung. In der Folgezeit bastelte die EWR zwar weiter am System herum, aber marktfähig ist der elektronische Stadtrundgang bis heute nicht. So haben Testläufe ergeben, dass ein ortsfremder Tourist beispielsweise auf dem E-Guider nicht zweifelsfrei seinen Standort den Szenen der laufenden Geschichte zuordnen kann. Weiteres Problem: Wer zu schnell durch die Gassen läuft, verpasst Querverweise auf die Stadtgeschichte. Diese Mängel abzustellen, sei derzeit "aus personellen wie finanziellen Gründen" nicht möglich, so das Fazit eines weiteren Gespräches der Verwaltung mit EWR-Vertretern im November vorigen Jahres. Der Verwaltungsausschuss hat jetzt die Konsequenzen gezogen und ist vom Kooperationsvertrag zurücktreten. In dem Schreiben an die EWR heißt es unter anderem: "Ein wesentliches Motiv für den Vertragsabschluss war die Aussicht, von einem effektiven Dachmarketing für das gesamte EWR-Netzwerk profitieren zu können. Insbesondere die Hoffung, durch das Hamelner Hochzeitshaus als ,Zugpferd' neue touristische Zielgruppen für die Stadt Rinteln erschließen zu können, hat sich nicht erfüllt." Vielmehr habe man bereits angenommene Bustouren wegen der mangelnden Funktionsfähigkeit der E-Guider wieder absagen müssen.

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