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Drohende EWR-Insolvenz: Stadt Rinteln will erst mal Entwicklung abwarten

E-Guider kann man beim Rundgang nicht fragen - die Stadtführer schon

Rinteln (wm). Von der drohenden Insolvenz der Erlebniswelt Renaissance (EWR) sieht sich die Stadt Rinteln - im Vergleich zu anderen Städten - nur am Rande betroffen. Denn bisher hat Rinteln lediglich 40 000 Euro in die E-Guider, die elektronischen Stadtführer, investiert. Ohnehin nur die Hälfe der geforderten Summe, weil das System nach wie vor nicht störungsfrei funktioniert.

veröffentlicht am 12.09.2007 um 00:00 Uhr

Dr. Holger Rabe testete die Geräte in Rinteln höchstpersönlich.

Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz erläuterte gestern auf Anfrage, man werde jetzt erst mal abwarten, wie sich die Situation weiter entwickle. Er gehe davon aus, dass ein Ausstieg aus dem Konzept nicht so einfach zu realisieren sei. Ungeklärt sei beispielsweise, wie die Zuschussgeber, die ihre Zahlungen an Bedingungen geknüpft haben, jetzt entscheiden werden. Ansonsten habe sich die Stadt bei ihrem EWR-Engagement zurückgehalten, so beispielsweise statt die geforderten laufenden Kosten zu übernehmen, nur zugesagt, die EWR erhalte einen Anteil der Bruttoerlöse aus der Nutzung der E-Guider. Da es keine Erlöse gegeben habe, seien auch keine Zahlungen an die EWR erfolgt. Buchholz erinnerte auch an die Vorgeschichte: "Wir sind eingestiegen, nicht weil wir E-Guider haben wollten, sondern als Teil eines touristisches Netzwerkes, das bundesweit beworben werden sollte." "Ich kann nicht gerade behaupten, dass uns die E-Guider aus den Händen gerissen würden", schilderte Agnetha Gläß vom Tourist-Büro der Stadt. Dort sind die "elektronischen Stadtführer" kostenlos erhältlich. Zehn Stück liegen bei Bedarf im Regal - wer sie nutzen will, muss nur seinen Personalausweis als Pfand hinterlegen. Selbstverständlich, berichtete Agnetha Gläß, würden die Besucher nach ihren Eindrücken befragt. Viele fänden die Idee gut, bemängelten aber, dass man so wenig wirklich Konkretes über die Stadtgeschichte erfahre - was auf den E-Guidern vermittelt werde, sei einfach "ein nettes Hörspiel". Ein Problem sei auch, dass individuelle Fragen nicht beantwortet werden. Ganz anders bei den Stadtführungen, vor allem denen in historischen Kostümen. Die sind - selbst bei Regenwetter - immer gut besucht, die Gäste schlichtweg begeistert. Alfred Schneider, der im historischen Kostüm eines Offiziers und Heimkehrers der amerikanischen Revolution wie als Nachtwächter Gäste durch die Stadt führt, kann auch erklären warum: "Mit uns können die Menschen reden, und uns fragen, das ist doch gerade der Charme einer Stadtführung." So gehe er beispielsweise mit seinen Gästen durch die Pommeranzengasse - da wollen die Gäste natürlich wissen, berichtete Schneider, was Pommeranzen sind (ein Baum und dessen Frucht, auch Bitterorange oder saure Orange genannt). E-Guider-Nutzer erzählten auch von Problemen bei der Bedienung: Standorte lassen sich nicht zweifelsfrei einer Geschichte zuordnen, die wiederum weist Lücken auf, und wer zu schnell durch die Gassen läuft, verpasst Querverweise auf die Stadtgeschichte. Vorteil des E-Guiders (wenn er denn funktioniert) gegenüber Stadtführungen: Er ist während der Öffnungszeiten des Touristbüros (im Sommer auch sonntags) jederzeit erhältlich. Alfred Schneider sieht das Konzept grundsätzlich skeptisch: Elektronische Führer funktionierten im überschaubaren Raum eines Museum, nicht bei einer Stadtführung - da seien die Erwartungshaltungen der Gäste zu unterschiedlich. Doch selbst die EWR scheint nicht mehr von diesem Konzeptüberzeugt zu sein. Landrat Rüdiger Butte aus Hameln-Pyrmont hatte bereits im August vorgeschlagen, am Standort Hameln sollten man sich von E-Guidern "als Vermittlungsmedium" verabschieden. Dr. Holger Rabe von der EWR räumt in seiner Stellungnahme dann auch ein, das E-Guider-System sei mit großem Zeitaufwand verbunden.



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