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Rat hat keine Alternativen zum Neukauf erarbeitet / Politiker sollen ihren eigenen Verstand benutzen

Edeka-Kontroverse: Winkelhake wundert sich ...

Bad Eilsen (tw). Nachdem ein (Zweit-)Gutachten von Professor Günter Groß zu den Auswirkungen eines Edeka-Neukaufs auf das Kleinklima im Umfeld der Schaumburg-Klinik vorliegt, das dem von Professor Christoph Gutenbrunner widerspricht (wir berichteten), hat sich jetzt Friedrich Winkelhake zu Wort gemeldet. Der Chef des Heimat- und Kulturvereins Eilsen in einem Brief an die Landes-Zeitung: "Jeder kann sich nun aussuchen, welches Ergebnis er gerne sehen möchte." Denn: Zwei angesehene Professoren kämen bei ihren wissenschaftlichen Studien zu ganz und gar gegensätzlichen Ergebnissen.

veröffentlicht am 22.02.2008 um 00:00 Uhr

F. Winkelhake

"Warum also", fragt Winkelhake, "können die Bürger und deren Vertreter im Gemeinderat nicht auch besten Gewissens unterschiedliche Meinungen gegeneinander ausdiskutieren?" Als im Jahre 2000 Bad Eilsens Ratsmitglieder gegen den geplanten Edeka-Markt im Nachbarort Heeßen klagten, hätte die IHK darauf aufmerksam gemacht, dass mit einem solchen Bau Risiken für die Funktion des städtebaulich integrierten Einzelhandels verbunden sind. Das Gericht habe schließlich in seiner Urteilsbegründung festgestellt, dass ein Kaufkraftabfluss von 10 bis 30 Prozent für die Geschäfte in Bad Eilsen möglich sei. Dieser Abfluss löse einen Verdrängungswettbewerb aus und verändere den Charakter Bad Eilsens grundlegend. Winkelhake: "Wenn nun der Markt - noch größer als damals in Heeßen geplant - in Bad Eilsen selbst gebaut wird, gibt es dann etwa keinen unzumutbaren Verdrängungswettbewerb und keine Auswirkung auf die Veränderung des Charakters der Gemeinde?" Ratsherr Hans-Jürgen Winkelhake (SPD) stelle die Bewegung von Fahrzeugen auf dem Parkplatz eines neuen Edeka-Marktes - mit täglich hunderten An- und Abfahrten - den höchstens zehn Fahrzeugen auf dem geplanten Caravanplatz an der Aue gegenüber. "Die aber werden natürlich nicht dauernd hin- und herfahren und vor allem nur in der Saison da sein", so der Vereinschef. Da dürfe man sich denn auch eine andere Meinung bilden, als die Professoren ... "Ich wundere michüberhaupt", so der Chef des Heimatvereins weiter, "dass unsere Ratsmitglieder sich auf derartig unterschiedliche Gutachten berufen und nicht mit dem eigenen Verstand und mit der eigenen Alltagserfahrung zu einer persönlichen Meinung kommen." Das zusätzliche Verkehrsaufkommen für einen Edeka-Markt der geplanten Größe lasse sich leicht berechnen. "Um den Neukauf marktwirtschaftlich führen zu können, müssten sich natürlich auch Kunden aus den Nachbargemeinden Buchholz, Heeßen, Ahnsen, Röhrkasten und möglichst weiteren Orten in Bad Eilsen einfinden. Ganz sicher wird es also ein starkes Verkehrsaufkommen und nicht nur unwesentlich mehr Emissionen dort geben", meint Winkelhake. Alle wüssten, dass Bad Eilsen bei den Emissionsmessungen schon immer an der Grenze der zulässigen Belastbarkeit gelegen habe. Hunderte von zusätzlichen Fahrzeugen, so Winkelhake ironisch, würden diese sicher Grenze nicht gefährden, denn es gebe laut Professor Groß ja nach Abriss der mehrstöckigen Gebäude eine neue Durchlüftungssituation. "Die ,Dreckluft' "wird ja dann ,effektiv abtransportiert'. Wohin bloß? Bei welcher Windrichtung und Windstärke?" Der Chef des Heimatvereins weiß nicht, ob er dazu lachen oder weinen soll. "Hauptsache, die Befürworter des Neukauf haben nun ein gutes Gewissen!" Alle Bürger Bad Eilsens möchten - da ist Winkelhake sicher - das Gelände östlich der Arensburger Straße saniert haben. Er fragt sich allerdings, warum es bisher von den 13 Ratsmitgliedern keine alternativen Entwicklungspläne zum Edekamarkt gibt. Winkelhake: "Meine jahrelangen Versuche in der Fraktion, endlich für Bad Eilsen einen Zukunftsplan zu erstellen, in dem auch die Beseitigung dieses ,Schandfleckes' eingeplant worden wäre, scheiterten." Es gibt, so Winkelhake abschließend, aber "sicherlich mehrere Möglichkeiten, diese Flächen schonend und ohne Beeinträchtigung der Luftqualität zu verplanen".



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