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Stellungnahme Beckenbauers zum Schallschutz moniert / Planer Zerner: Unvollständig und unlogisch

Edeka: Politik verlangt "echtes" Gutachten

Bad Eilsen (tw). Überrascht, in Teilen sogar verärgert, hat das Gros der Politiker im Bad Eilser Bauausschuss das jüngste Schreiben von Schallschutz-"Papst" Professor Dr. Klaus Beckenbauer zum geplanten Edeka-Markt (wir berichteten) zur Kenntnis genommen: Weil es sich nach Auffassung der Bürgervertreter unter Vorsitz von Dr. Willi Dreves (CDU) sowohl bei der ersten als auch bei der zweiten Analyse lediglich um eine "Stellungnahme", nicht aber - wie angenommen - um ein Gutachten handeln soll, wollen die Politiker jetzt ein "echtes" Gutachten in Auftrag geben.

veröffentlicht am 06.10.2006 um 00:00 Uhr

Unter Einbeziehung dieser Schallschutz-Untersuchung soll Landschaftplaner Thomas Zerner (I-LEX, Bückeburg) das Verfahren zwecks Änderung des B-Planes weiter voran treiben. Der entsprechende Empfehlungsbeschluss fiel am Mittwoch im Haus des Gastes einstimmig aus. Bei der Sitzung, die unter großer Anteilnahme von Eilser Bürgern stattfand, hatte Zerner die Politiker zuvor auf den aktuellen Planungsstand gebracht. Und dabei nicht verhehlt, dass die von Beckenbauer im Umfeld des geplanten Marktes errechneten Schalltabellen für ihn "weder nachvollziehbar, noch logisch" seien. So könnten Einkaufswagen, die mit den vom Schallschützer vorgeschlagenen SoftDrive-Rollen versehen werden, den Lärmpegel allenfalls um 0,1 Dezibel (db) auf 56 db reduzieren - was für das benachbarte Wohngebiet immer noch zu viel sei. Komme hinzu: "Die Stellungnahme", so der Planer, "berücksichtigt weder den Lärm, der vom bereits vorhandenen Verkehr ausgeht, noch denjenigen, der durch Kunden und Lieferanten des Marktes neu hinzukommen würde". Gerade aber diese "Gesamtbetrachtung" sei für das Finden einer Entscheidung zwingend nötig. Ob der Verwaltungsausschuss dem Vorschlag von Hans-Jürgen Winkelhake (SPD) folgt und Beckenbauer mit dem Erstellen des "echten" Schallschutz-Gutachten beauftragt, ist nach der Sitzung vom Mittwoch zumindest fraglich. Zerner zufolge kommen dafür neben Beckenbauer nicht nur der TÜV, sondern wenigstens drei weitere Experten allein im Großraum Hannover in Frage. Allerdings: Edeka will das Heft des Handelns nicht aus der Hand geben. Andreas Stegemann, Geschäftsführer Immobilien-Service, gestern gegenüber dieser Zeitung: "Wir selbst werden sowohl das PGT-Verkehrsgutachten als auch die ,Stellungnahme' Beckenbauers überarbeiten lassen. In das Verkehsgutachten wird die Situation nach Verlegen der Markt-Zufahrt, in die - dann ausformulierte - ,Stellungnahme' auch der Ist- und Neuverkehr mit einbezogen." Die Kosten dafür übernehme der Konzern. Dann, ist Stegemann zuversichtlich, werde das Papier den Ansprüchen des Rates an ein Gutachten genügen. Beide Überarbeitungen sollen bereits Ende der kommenden Woche vorliegen. Wie Stegemann auf Anfrage bestätigt, hat sich Edeka das Vorkaufsrecht für das Markt-Areal bis Ende 2007 verlängern lassen. Übrigens: "Beleidigt", dass der Bauausschuss das Gros seiner vier Bedenken in Sachen Edeka "nicht ernst genommen" habe, hat Friedrich Winkelhake nach 42 Jahren seine Mitarbeit im Gremium aufgekündigt. Der Chef des Heimat- und Kulturvereins mahnend an die Politiker: "Viele der kleinen Geschäfte, die wir im Ort haben, werden eingehen. Denn alles das, was sie im Sortiment haben, wird Edeka auch anbieten."

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