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Neue Studie verändert Rechtslage für Markt-Projekt / Schallschützer: "Leise" Einkaufswagen reichen aus

Edeka: Bau der "Monstermauer" ist nicht nötig!

Bad Eilsen (tw). In Sachen Bau des Edeka-Marktes auf dem Areal der früheren Schaumburg-Klinik lässt ein neues zwei Seiten starkes Schreiben von Professor Dr. Klaus Beckenbauer (Bielefeld) aufhorchen. Zentrale Aussage des von dem Mindener Konzern beauftragten Schallschutz-Gutachters nunmehr: Wenn auf den Asphalt-Fahrwegen des Parkplatzes "lärmarme Einkaufswagen" zum Einsatz kommen, erübrigt sich das Errichten der 55 Meter langen und - über Parkplatzniveau - 1,8 Meter hohen Lärmschutzwand. Wie berichtet, hatte Andreas Stegemann, Geschäftsführer Edeka-Immobilienservice, Mitte August erklärt, der Bau einer solchen "Monstermauer" käme für den Konzern nicht in Frage. Und ergänzt: "Wird man uns nur diese Möglichkeit lassen, werden wir auf den Bau des Marktes verzichten."

veröffentlicht am 29.09.2006 um 00:00 Uhr

Zur Vorgeschichte: "Für den ,Neukauf' wurden die zu erwartenden Tagesbeurteilungspegel an den nächstgelegenen Wohnhäusern nach der ,Parkplatz-Lärmstudie 2003' ermittelt", erinnert Beckenbauer in seinem jüngsten Schreiben, das der Landes-Zeitung vorliegt. Die Berechnungen hätten gezeigt, dass die Pegel durch Pkw- und Anlieferverkehr an zwei der sechs Immissionsorte geringfügig überschritten würden. Ursache seien die Geräusche der Einkaufswagen auf dem Pkw-Parkplatz. Aber: Nunmehr liegt die fünfte überarbeitete Auflage der ,Parkplatz-Lärmstudie 2006' des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz vor. Nach dieser Studie wird mit Blick auf Parkplätze zwischen "Standardeinkaufswagen" und "lärmarmen Einkaufswagen" unterschieden. Laut Beckenbauer kann der Geräuschpegel dabei "gegenüber den bisherigen Berechnungen mit üblichen Einkaufswagen" um zwei Dezibel (dB) gesenkt werden - wenn die Fahrwege des Parkplatzes asphaltiert werden und besagte Einkaufswagen auf flüsterleisen Rollen laufen. Der Pegel am "ungünstigsten" Immissionsort (Haus Bahnhofstraße 24) liege dann im zweiten Obergeschoss bei nur noch 54 Dezibel. Der Gutachter: "Gegenüber meiner Stellungnahme vom 10. August ergibt sich (also) eine Reduzierung des Beurteilungspegels um 1,7 Dezibel." Fazit des Bielefelder Fachmanns in dem Schreiben: "Der Vergleich des Beurteilungspegels mit dem Immissionsrichtwert von 55 Dezibel für ein Wohngebiet zeigt, dass dieser beim Einsatz von lärmarmen Einkaufswagen in Verbindung mit asphaltierten Fahrwegen des Parkplatzes auch ohne Errichtung der vorgeschlagenen Lärmschutzwand eingehalten wird." Stegemann gestern hocherfreut: "Die Zeit hat für uns gearbeitet. Damit haben wir eine wesentliche Hürde genommen." Ein Ändern des B-Plans von Allgemeines Wohn- in Mischgebiet sei "nicht mehr nötig". Das Projekt Neukauf könne für sich betrachtet werden. Der Geschäftsführer: "Natürlich werden wir die Wege auf dem Parkplatz asphaltieren und die ,Flüsterrollen' beschaffen." Übrigens: Als Lieferant für besagte "lärmarme Einkaufswagen", auf welche die Ergebnisse der Parkplatz-Lärmstudie abgestimmt seien, führt Beckenbauer namentlich die "Wanzl Metallwarenfabrik" mit Sitz in Leipheim an. Besagte Firma baut Einkaufswagen mit so genannten SoftDrive-Rollen, für die Wanzl international ein Patent angemeldet hat. Die Firma verspricht unter dem Motto "Die leise Revolution" im Internet: "Wanzl Rollen mit der innovativen SoftDrive-Technik senken den Geräuschpegel in den Märkten erheblich." Ein Einkaufswagen mit Standardrollen sei so laut wie vier Einkaufswagen mit SoftDrive-Rollen zusammen. Daher sei die Technologie "ideal für Märkte in Wohngebieten". Die Innovation der Firma: Ein Elastomer-Element, das Unebenheiten des Bodens wegfedert, Schwingungen dämpft und nur noch stark vermindert an das Fahrgestell weiterleitet. Der Geräuschpegel soll noch weit unter dem von Rundfunk- und Fernsehgeräten liegen, die mit Zimmerlautstärke (65 Dezibel) betrieben werden. Am Mittwoch, 4. Oktober, 17 Uhr, befasst sich der Bauausschuss im Haus des Gastes bei eineröffentlichen Sitzung mit dem Thema.

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