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Ehrenamtskarte kann jetzt beim Landkreis beantragt werden / "Wir werden zu wenig respektiert"

Echte Anerkennung oder bloß Trostpflaster?

Landkreis (jcp). Schaumburg zeigt seinen ehrenamtlich tätigen Bürgern die Karte. Freiwillig tätige Feuerwehrleute, Sportübungsleiter, Seniorenbetreuer und viele mehr können die niedersachsenweit gültige Ehrenamtskarte ab sofort auch beim Landkreis beantragen. Ehrenamtlich tätige Funktionäre sagen, wie sie die Karte bewerten - und haben reichlich Ergänzungsvorschläge.

veröffentlicht am 26.03.2008 um 00:00 Uhr

Hans-Dieter Nerge

Noch sind in der Ehrenamtskarte hauptsächlich Angebote enthalten, die in kommunaler Hand liegen. In Stadthagen etwa wird das Mausoleum gegen Vorlage der Karte kostenfrei seine Türen öffnen. Private Anbieter, die sich am Projekt "Ehrenamtskarte" beteiligen möchten, können sich beim Landkreis melden. Die Ehrenamtskarte kann beantragen, wer mindestens 18 Jahre alt ist und sich seit mindestens drei Jahren für wenigstens fünf Stunden pro Woche ohne Bezahlung in einer Organisation im Landkreis ehrenamtlich engagiert. Unter hiesigen Ehrenamtsfunktionären gehen die Meinungen über die Karte auseinander. Hans-Dieter Nerge etwa, der Vorsitzende der Versehrten-Sportgemeinschaft Stadthagen, findet zwar "den Ansatz nicht schlecht". Er wünscht sich aber, dass von der Politik mehr getan wird, um das Ehrenamt zu fördern und zu unterstützen. Wer heute ein Ehrenamt ergreife, klagt Nerge, müsse "gleichzeitig Steuerberater, Personalfachmann und Compu ter experte" sein.Ähnlich kritisch sieht das Günter Schneider, Brandabschnittsleiter Nord der Freiwilligen Feuerwehr Schaumburg. Zu den Vergünstigungen bei Museen, Schwimmbädern und anderen Freizeiteinrichtungen sollten auch ermäßigte Fahrkartenpreise für Bus und Bahn gehören. "Viel wichtiger" aber findet Schneider stärkere Bemühungen um die Anerkennung des Ehrenamtes in der Öffentlichkeit. "Auf unseren Versammlungen wird wiederholt angesprochen, dass es immer schwerer wird, für Übungen mit der Feuerwehr von der Arbeit frei zu bekommen. Das Ehrenamt wird zu wenig respektiert. So eine Karte ist nicht mehr als eine nette Geste." "Richtig toll" findet dagegen die Kreisleiterin des Jugendrotkreuzes Schaumburg, Julia Sprenger, die Ehrenamtskarte. Wichtig sei aber, sagt sie, dass auch die Kinder der Ehrenamtlichen etwas davon haben. "Die müssen schließlich die Mama oder den Papa entbehren." Gegen Vorlage der Karte ein Chip für ein Karussell auf dem Krammarkt zum Beispiel, das wäre was, meint Sprenger. Auch Jürgen Bekemeier, Vorsitzender des TSV Eintracht Bückeberge, sieht in der Ehrenamtskarte einen gelungenen Weg, das Engagement ehrenamtlich Tätiger anzuerkennen. "Wir könnten uns freien Eintritt bei Fußballspielen mit der Karte vorstellen. Da müssten nur alle Vereine mitziehen." Der TSV Bückeberge wäre "auf jeden Fall dabei". Jörg Niederland ist stellvertretender Jugendwart bei der Freiwilligen Feuerwehr Bad Eilsen. Er würde es begrüßen, wenn man die Karte nicht nur für sich selber, sondern "gerade als Jugendgruppenleiter" auch für seine Schutzbefohlenen gelten lassen könnte. Die Ehrenamtskarte kann beim Landkreis unter (05721) 70 32 62 angefordert werden. Erste Ablauffrist für die Einsendung des Antrags ist der 30. April, danach jeweils zum Ende eines Quartals.



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