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Günstige Parkgebühren sollen Kunden locken / Innenstadthandel geschockt / Auch GWS unzufrieden

ECE verschafft sich harten Wettbewerbsvorteil

Hameln (ni). Parkgebühren sind ein starkes Argument im Wettbewerb - und ECE ist entschlossen, in Hameln damit zu punkten. In der komfortablen Situation, 500 Parkplätze auf dem Dach des Centers ihr eigen nennen zu können, will die Stadt-Galerie mit konkurrenzlos günstigen 60 Cent für die ersten 60 Minuten die Kunden locken. Der innerstädtische Einzelhandel hat das Nachsehen.

veröffentlicht am 17.12.2007 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 24.05.2013 um 14:00 Uhr

Alle Versuche der Stadtwerke, sich mit ECE auf einheitliche Parkgebühren zu verständigen, sind gescheitert. Das Management des Hamburger Center-Giganten wird den ihm von der Stadt Hameln zugesicherten Spielraum nutzen und die Gebühren in den GWS-Parkhäusern unterbieten - um jeweils 20 Cent in der ersten, zweiten und dritten Stunde. Erst für die vierte Stunde will es genau so viel kassieren wie - demnächst - die Stadtwerke: nämlich 3,80 Euro. Dieser Dumpingpreis ist dem Unternehmen so viel wert, dass es dafür sogar bereit ist, auf die Aufnahme in das dynamische Hamelner Parkleitsystem verzichtet. Die Stadtwerke sind mit einer klaren Bedingung in die Verhandlungen mit ECE gegangen: Nur wenn es eine Einigung auf ein gemeinsames Gebührensystem gibt, sollen Hinweise auf die freien oder besetzte Parkplätze auf den beiden Decks der Stadt-Galerie auch auf der digitalen Anzeige des Parkleitsystems erscheinen. "Ich habe fest damit gerechnet, dass dieser Anreiz groß genug ist, sich auf einheitliche Tarife einzulassen", gesteht Mirko Ostendörfer. Der Vorsitzende des Einzelhandelsverbandes ist "geschockt" von der Nachricht, dass ECE dieses Angebot ausgeschlagen hat und knallhart auf die Magnetwirkung billiger Parkplätze setzt. "Damit verschafft sich ECE einen hundertprozentigen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem Handel in der Innenstadt", konstatiert sein Stellvertreter Holger Wellner nüchtern. Die Kunden mit der Möglichkeit zum preiswerten Parken ins Center locken und mit gestaffelten Parkpreisen für einen möglichst flotten Umschlag der Plätze zu sorgen, "das ist die Philosophie von ECE", weiß Wellner. Und befürchtet, dass kaum ein Kunde, der nach einer Stunde Billigparken das Center wieder verlässt, anschließend ein anderes Parkhaus ansteuert, um auch noch in der Innenstadt einzukaufen. "Enttäuscht" von dem Alleingang der Stadt-Galerie ist Wellner noch aus einem anderen Grund: "Ich hätte mir von ECE mehr gemeinschaftliches Handeln im Sinne des Einkaufsstandortes Hameln gewünscht." Und erwarten können nach all den Beteuerungen der diversen ECE- Manager. Bei öffentlichen Auftritten haben sie in der Vergangenheit jedenfalls stets versichert, die Galerie betrachte sich als Teil der Stadt und wolle gemeinsam mit der Kaufmannschaft daran arbeiten, Hameln als Einkaufsstadt attraktiver zu machen. Ganz und gar nicht zufrieden mit dem Ausgang der Verhandlungen ist auch GWS-Geschäftsführerin Susanne Treptow. Was ihre Position schwächte, war unter anderem der zwischen der Stadt und ECE geschlossene "städtebauliche Vertrag". Er räumt dem Unternehmen das Recht ein, dass die Parkgebühren im Center in den ersten vier Stunden um zehn Prozent von den durchschnittlichen Tarifen abweichen dürfen. Treptow hat durchkalkuliert, wo für die Stadtwerke die Schmerzgrenze erreicht ist: Danach wären 80 Cent für die erste Stunde, 1,60 Euro für die zweite, 2,60 für die dritte, 3,80 für die vierte Stunde und eine Tageshöchstgebühr von 6 Euro voraussichtlich so eben noch auskömmlich. Gegenüber den heutigen Tarifen bedeute das neue System einen Einnahmeverlust von rund 120 000 Euro im Jahr - eingerechnet eine um zehn Prozent geringere Auslastung der Parkhäuser. Die, so Treptow, sei zu erwarten angesichts der 500 ECE-Parkplätze in zentraler Lage. ECE-Manager Axel Diewald möchte der Entscheidung seines Hauses - allen Kritikern zum Trotz - gern einen positiven Anstrich geben: "Die Botschaft für die Besucher Hamelns lautet doch, hier kann man billiger parken. Und das ist gut für das Image der gesamten Stadt Hameln." Der Bereichsleiter räumt aber auch ein, dass ECE mit seinem Billigangebot natürlich auch handfeste Eigeninteressen verfolgt: "Je preiswerter das Parken, desto mehr Kunden kommen." Zumindest ins Center.

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