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Route führt durch die Heimat des Schriftstellers

Durchs Fichtelgebirge wandern mit Jean Paul

Fichtelberg. Es ist ein Naturgenuss wie aus dem Bilderbuch: Die Drosseln zwitschern von den Bäumen. Hoch oben am Himmel ziehen Raubvögel ihre Kreise. Unter den festgeschnürten Wanderschuhen knirscht gleichmäßig, Schritt für Schritt, der Kies. Und das frühlingshafte Grün der Blätter leuchtet beinahe schon mit der Sonne um die Wette. Der Weg, er ist das Ziel. Und er führt dort entlang, wo schon der Schriftsteller Jean Paul um 1800 leidenschaftlich gern gewandert sein soll. Auf seine Spuren haben sich Gunda und Peter Bertram begeben. Nicht nur, weil sie gern in der Natur unterwegs sind. „Sondern auch, weil wir es lieben, Orte anhand ihrer ganz eigenen Geschichte zu erkunden“, sagt die dunkelhaarige Urlauberin. Aus Schleswig-Holstein ist sie angereist. Im Gepäck: Jean Pauls „Flegeljahre“, seine 1804 erschienene, freche Parodie auf den Bildungsroman. „Jede Ferne macht schöner“, schreibt der Schriftsteller darin. Dass er damit damals wie auch heute recht hat, bekräftigt Peter Bertram. „Allein in Deutschland gibt es so viele schöne Ecken zu entdecken“, sagt der Urlauber. „Also fangen wir an.“

veröffentlicht am 12.05.2011 um 16:25 Uhr

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Mit dem Rucksack samt Proviant auf den Schultern geht es los. Rund um den Ochsenkopf und Schneeberg erleben die beiden eine Zeitreise durch die Fichtelgebirgsregion um 1800. Johann Paul Friedrich Richter, der sich später Jean Paul nannte, zählte zu seiner Zeit zu den phantasievollsten Schriftstellern deutscher Sprache. Der im heutigen Oberfranken geborene Dichter soll ein bekennender Liebhaber seiner Heimat gewesen sein – auch das hat er mit den Betrams gemein. Auf dem „Jean-Paul-Weg“ erkunden sie auf leichten und mittelschweren Strecken von Nord nach Süd das Fichtelgebirge. Der Pfad verbindet die Lebensstätten Jean Pauls.

„Auf dem Schneeberg“ etwa heißt das rund 19 Kilometer lange Teilstück zwischen Wunsiedel und Bischofsgrün in der Erlebnisregion Ochsenkopf. Ebenso lang ist die sich anschließende Route „Im Bayreuther Vorhimmel“, die nach Bayreuth führt. Unterwegs informieren Thementafeln über die Jugend Jean Pauls in Joditz, Schwarzenbach und Hof, über sein Alter in Bayreuth und erläutern am Fichtelsee die zeitgenössische Landschaft. So versteht sich der in Etappen oder zusammenhängend begehbare Weg als eine philosophisch-geografische Entdeckungsreise, die in Joditz beginnt und über Hof, Schwarzenbach an der Saale, Wunsiedel – dem Geburtsort des Dichters –, Fichtelberg, Bischofsgrün bis nach Bayreuth führt. Der Weg wird bis 2013 – dann wird der 250. Geburtstag des Dichters gefeiert – bis zum Park Sanspareil im Landkreis Kulmbach fortgeführt und ist dann nahezu 200 Kilometer lang. „Natürlich schaffen wir es in unserem Urlaub nicht, die ganze Strecke abzuwandern“, sagt Gunda Bertram und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Die Sonne steht hoch am Himmel. Die jungen Blätter zittern im leichten Frühlingswind. Und Peter Bertram freut sich auf eine Auszeit. Die Route nämlich nutzt Jean Pauls Leidenschaft für das fränkische Bier: An zahlreichen fränkischen Gasthäusern führt der Weg vorbei. „Zeit für ein Päuschen?“, fragt der Urlauber seine Frau. Sie antwortet mit einem Lächeln.

Weitere Informationen zur Wanderroute und dem literarischen Wanderführer gibt es bei der Tourismus GmbH Ochsenkopf, Gablonzer Straße 11, 95686 Fichtelberg, Tel. 01 80/ 56 56 56 1, im Internet: www.erlebnis-ochsenkopf. de oder www.jeanpaul-oberfranken.de.

„Rechts und links standen die Wiesen, die wallenden Felder und der Sommer“, schreibt Jean Paul in seinem Roman „Flegeljahre“. Auf seinen Spuren lässt sich wunderbar das Fichtelgebirge erkunden. Foto: Erlebnis Ochsenkopf



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