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Bewegender Abschied von Superintendent Dr. Peter Neumann in der St.-Nikolai-Kirche

"Du stellst meine Füße auf weiten Raum!"

Rinteln. Ein beeindruckendes Bild bot schon der Einzug der Geistlichen aus derÖkumene, der Kirchenvorstände, Ehrenamtlichen und Mitarbeiter zu den Klängen des "Marche Triomphale" von Sigfrid Karg-Ehlert in das wohlgefüllte Kirchenschiff von Sankt Nikolai, und angesichts der Vielzahl illustrer Gäste mochte Harald Scheibe für den Kirchenvorstand nur eine Person beim Abschiedsgottesdienst für Superintendent Dr. Peter Neumann gesondert hervorheben: die 88-jährige Erna Hollstein, also die Mutter des zu Verabschiedenden.

veröffentlicht am 03.07.2006 um 00:00 Uhr

Gemeinde und Geistliche derÖkumene nahmen regen Anteil am Abschi

Autor:

Ulrich Reineking

Gemeinsam sprach die Gemeinde dann den Psalm 31 als Gebet - jenen Psalm, auf dessen Worte "Du stellst meine Füße auf weiten Raum" sich Dr. Neumann in seiner letzten Predigt als Superintendent und Pastor von Sankt Nikolai ausdrücklich bezog: Er habe diesen weiten Raum in seinem Amte wie im privaten Leben immer wieder spüren dürfen - und habe sich diese Worte auch für seinen Grabspruch auserkoren - "obwohl ich auch den engen Raum der Angst und der Trauer kennen gelernt habe". Neumann erinnerte daran, dass er in seiner Zeit als Superintendent angesichts der notwendigen Veränderungen in der Kirche und im Kirchenkreis immer wieder Entscheidungen zu tragen hatte, durch die andere gekränkt oder gar verletzt wurden. Dennoch habe er das Amt, das ihm vor nunmehr 13 Jahren angetragen wurde, gern ausgeübt und als das weite Feld begriffen, in dem er seinen Auftrag klar erkennen konnte. Landessuperintendent Arend de Vries dankte Neumann im Anschluss nicht nur für die geleistete Arbeit als Superintendent, sondern auch für die insgesamt 30 Jahre, die dieser seiner Kirche seit der Ordination zum Pastor an der Johanniskirche in Stade gedient hatte. Er erinnerte daran, dass Neumann auch über viele Jahre als Lehrbeauftragter der Theologischen Fakultät an der Universität in Hamburg wissenschaftlich gearbeitet habe und gab der Hoffnung Ausdruck, dass man das künftig einzusetzende Kürzel "i.R." auch "nach einer gewissen Auszeit" mit den Begriffen "in Reich- und Rufweite" auslegen könne. Eine sehr bedingte Entpflichtung des frischgebackenen Pensionärs, so schien es jedenfalls, die de Vries da gemeinsam mit Dr. Heike Köhler und Christiane Krüger-Feuerhake vornahm! Für die Nachbar-Landeskirche Schaumburg-Lippe würdigte Landesbischof Jürgen Johannesdotter die gute Zusammenarbeit mit Neumann, den er schon aus gemeinsamen Zeiten in Stade kennt. Gern mache er davon Gebrauch, dem 65-jährigen Neu-Ruheständler mit dem 65. Psalm, dem Danklied für geistlichen undleiblichen Segen, die angemessenen Verse auf den weiteren Lebensweg zu geben: "Wäre er schon mit 64 in den Ruhestand gegeben, wäre das der Psalm 64 geworden, wo die Rede von den Feinden und Verleumdern ist." Als besondere Frucht der Ära Neumann würdigte er die reiche musikalische Ausprägung der Gottesdienste an Sankt Nikolai. Für den Landkreis Schaumburg hob Kreisrätin Eva Burdorf die gute und stets verlässliche Zusammenarbeit mit Dr. Neumann hervor, dessen Sinn für Humor auch in schwierigen Situationen stets den Weg zu Lösungen gebahnt habe - wohl auch ein Grund, warum sie ihm eine Neuerscheinung zu Wilhelm Busch überreichte, verbunden mit Rotwein "als eine von jenen Gaben, die sich für alte Knaben besonders empfehlen". Als Bürgermeister Rintelns gab Karl-Heinz Buchholz seiner Freude darüber Ausdruck, dass sich Dr. Neumann und seine Familie entschlossen haben, ihren Ruhesitz in Rinteln zu nehmen: "In einer Zeit, wo die Menschen sich fragen, was unsere Welt und unsere Gesellschaft im Innersten zusammenhält, hat er esverstanden, die Antworten des Christentums glaubwürdig anzubieten." Durch das Haus der Religionen, die aktive Mitarbeit in der Kultur-AG von Pro Rinteln und durch die Förderung der Kirchenmusik an Sankt Nikolai habe sich Dr. Neumann für das Leben in Rinteln verdient gemacht. Er hoffe auf Fortsetzung dieser Aktivität im Ruhestand, wünsche ihm aber zugleich mehr Zeit zur Pflege von Hobbys und Familienleben. Für den Kirchenkreistag erinnerte Monika Requadt-Klatt nach Würdigung seiner Verdienste den scheidenden Superintendenten angesichts des Einstiegs in den Ruhestand an die Zeilen von Hermann Hesse: "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben." Und dankte der Familie für ihre stete Bereitschaft, "ihn uns zu überlassen". Vor den Dankesworten von Dr. Neumann für die 13 Jahre des Zusammenwirkens in guten und schweren Zeiten, für Grußansprachen und die wundervolle musikalische Ausgestaltung des Gottesdienstes durch den Chor unter Leitung von Wolfgang Westphal und seinen Kindern Kristina und Matthias formulierte die hinduistische Religionswissenschaftlerin Dr. Kabita Rump für das von Neumann initiierte Haus der Religionen. "Ðr. Peter Neumann gehört zu den wenigen Menschen, die den Dialog der Religionen nicht nur beschwören, sondern ihn aktiv führen und sich mit ihrer ganzen Kraft dafür einsetzen."

Dialog der Religionen - hier herzlich demonstriert zwischen Dr.
  • Dialog der Religionen - hier herzlich demonstriert zwischen Dr. Neumann und Dr. Kabita Rump.
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