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Wenn Kinder fluchen und schimpfen

Du bist so ein … Flitzdideldum!

So eine riesengroße …! Was ist denn das für ein blödes …! Und diese dumme …! Was verkneifen Eltern sich nicht alles, um ja nicht vor den kleinen neugierigen und alles aufschnappenden Kindern zu fluchen. Und die? Beschimpfen uns nach Lust und Laune, sobald es geht. Nicht immer witzig findet der Papa das, wenn er dann zum fünften Mal am Tag als „Blödmann“ tituliert wird.

veröffentlicht am 04.02.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:48 Uhr

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Birte Hansen

Autor

Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite

„Hör mal zu, du kleiner Hosensch…, sieh mal zu, wie du morgen aus dem Kindergarten nach Hause und wie du an Essen kommst!“, möchte er vielleicht zu gern entgegnen. Geholfen wäre damit niemandem. Erziehungsberaterin Sabrina Fenzl hat ein paar Tipps für beschimpfte Eltern und deren Umgang mit den persönlichen Unwörtern des Monats.

Zentral sei die Frage: Warum macht das Kind das? Zunächst finde das Kind neu gelernte Wörter einfach erst einmal interessant und spannend, erklärt Fenzl. Auf dem Spielplatz im Kindergarten hat es vielleicht ein größerer Junge gerufen, was es per se interessant macht. Und es klang vielleicht auch besonders gut. Also – ab damit nach Hause und: ausprobieren. „Einige testen erst einmal die Reaktion der Eltern“, sagt Fenzl. Fällt die heftig aus, fühle sich das Kind ermutigt und denke „Oh cool! Damit lässt sich ja was erreichen.“ Das Wort wird abgespeichert, für die nächste Situation, in der Mama oder Papa reagieren soll. Das Gegenteil passiere, wenn diese Reaktion ausbleibt. „Wenn man nicht reagiert, ist es meistens ganz schnell erledigt“, erzählt Fenzl aus der Praxis. Das Wort ist es dann nicht wert, Platz im Gehirn zu beanspruchen. Achtung: Die Glaubwürdigkeit des elterlichen Ignorierens erhält erhebliche Kratzer, wenn das doch recht niedlich geschimpfte „Assloch“ des kleinen Pimpfs die Eltern zum Lachen bringt …

Der zweite Grund für das Benutzen des Wortes könnte „Wut“ sein. Erwachsene benutzen Sprache, um Wut auszudrücken, kleine Kinder ahmen sie nach. Wer von seinem Sohn aber eben nicht als Blödmann beschimpft werden will, könnte laut Sabrina Fenzl folgendermaßen reagieren: Wichtig sei es, dem Kind zu signalisieren, dass es in jedem Fall in Ordnung ist, die eigene Wut zu zeigen und mit ihm das Verhalten zu reflektieren. Eine Formulierung wie „Du bist gerade ganz schön wütend“ erfüllt diesen Zweck. Im nächsten Schritt kann dem Kind eine Alternative angeboten werden, die den „Blödmann“ ersetzen soll. Etwa „Ich bin sooo sauer!“ oder „Manno!“ oder – was auch immer in der Familie akzeptabel ist. Wer in solchen Momenten den Kopf dafür frei hat, könne seiner Kreativität Raum geben und mit dem Kind zusammen ein Wort basteln, das es sagen oder brüllen darf, wenn es wieder mal wütend ist. „Dummdidelda“ zum Beispiel oder „Pitzepackadu“ – den Wortneuschöpfungen sind keine Grenzen gesetzt, es muss nur für die Familienangehörigen stimmig sein. Natürlich könne in diesem Zusammenhang auch die Rückmeldung an das Kind kommen: „Es verletzt mich, wenn du mich Blödmann nennst!“

Eine dritte Möglichkeit bietet der Eimer. Oder sonst ein Gefäß, in das ein Schimpfwort reingebrüllt werden darf und soll. „Damit wird das Signal gesetzt, dass das Wort nicht gewünscht ist, aber dass es einen Ort gibt, an dem es gesagt werden kann – und da bleibt es drin.“ Irgendwann, nach ungezählten Blödmännern in der Box oder im Eimer, werde das fürs Kind langweilig, so Fenzl.

Für Eltern wichtig zu wissen: Die Wörter, die das Kind anschleppt, sind für das Kind selbst gar nicht gleich negativ belegt. Die Einordnung durch die Eltern ist also hilfreich. Zum einen kann das geschehen, indem die Eltern darüber aufklären, dass das Wort andere verletzt, dass sie selbst nicht wollen, dass dieses Wort im Kreis der Familie benutzt wird und dass das Kind sich damit auch selbst ins Abseits bugsieren kann, wenn es andere beschimpft.

Zum anderen heißt es: Vorbild sein. Beim Autofahren zu fluchen wie die Kesselflicker und zu behaupten, Erwachsene dürften das, sei keine gute Idee, so Fenzl. In solchen Momenten ist es besser, einzugestehen: „Tut mir leid, das sagt man nicht.“



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