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Telekom-Manager gestern Abend im Rathaus: Es muss sich wirtschaftlich rechnen

DSL-Anschlüsse: Stadt Rinteln soll sich an den Ausbaukosten beteiligen

Rinteln (wm). Nicht alle Haushalte und Firmen im Raum Rinteln haben einen DSL-Anschluss - und werden in absehbarer Zeit auch keinen erhalten, wenn sich die Stadt Rinteln nicht finanziell an den Netzausbaukosten beteiligt. Denn dort, wo derzeit kein DSL zu empfangen ist, würde es sich auch wirtschaftlich nicht rechnen, ein weiterer Ausbau des DSL-Netzes im Bereich Rinteln sei in diesem Jahr nicht geplant. Das war die nüchterne Aussage von Jürgen Schneider-Akkurt, dem zuständigen Leiter für den DSL-Ausbau der Deutschen Telekom in der Region Nord, bei der Bürgerversammlung gestern Abend im Rintelner Rathaus. Hier hatten rund 80 Einwohner aus den Ortsteilen ihren Wunsch nach einem DSL-Anschluss unterstrichen.

veröffentlicht am 26.03.2008 um 00:00 Uhr

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Schneider-Akkurt nannte Zahlen: Im Bereich des Ortsnetzes Extertal-Bremke, also in Friedrichswald, Goldbeck und Wennenkamp, gibt es derzeit für 56 Prozent aller Haushalte kein DSL, in Kohlenstädt haben 70 Prozent, in Deckbergen-Schaumburg 60 Prozent und in Ahe 32 Prozent keinen DSL-Anschluss. Auch abseits gelegene Häuser in Todenmann wie in Möllenbeck sind ohne DSL-Option. In Rinteln wiederum haben nur vier Prozent der Haushalte keine DSL-Anschlussmöglichkeit. Oft sind es innerhalb eines Ortes nur 100 Meter, die entscheiden, welche Datenmengen noch ankommen. Warum, erläuterte Schneider-Akkurt so: Das Signal werde von einem Glasfaserkabel über die bereits verlegten Kupferdoppeladern der Telefonanschlüsse an die Haushalte weitergeleitet und mit der Entfernung immer schwächer. So würden aus 16 Megabite schnell 384 oder 320 Kilobite, "bis gar nichts mehr ankommt". Auch alternative Lösungen funktionieren nur begrenzt, zeigte die anschließende Diskussion. So schilderten Christian Beier und andere Bürger aus Deckbergen, dass im Ort auch über Mobilfunk kein Internetempfang möglich ist, weil die UMTS-Antenne zu weit weg und ungünstig liegt. Machbar wäre in solchen Haushalten ein DSL-Empfang über einen Astra-Satelliten, doch das hat einen Schönheitsfehler: extrem hohe Kosten. So sieht Schneider-Akkurt als Lösung für die Rintelner Ortsteile nur eine Beteiligung der Stadt an den Netzausbaukosten im Rahmen eines Kooperationsvertrages. Die Telekom würde anhand der zu erwartenden Anschlüsse (Rechenwert pro Anschluss: um die 600 Euro) und der für den Ausbau entstehenden Kosten errechnen, wie hoch die Finanzierungslücke ist, die die Gemeinde schließen müsste - beispielsweise die Kosten der Tiefbauarbeiten übernehmen. Die Kosten für einen Kilometer Kabel im freien Feld betragen rund 15 000 Euro plus 15 000 Euro für Abzweigungen - und davon würden meist fünf bis sechs gebraucht. Hakte Ursula Helmhold, Ratsdame der Grünen, nach: Würde sich diese Kalkulation auch vom Verwaltungsausschuss des Rates nachvollziehen lassen? Schneider-Akkurt: "Jederzeit, wir legen die Zahlen offen." Volker Hartmann aus Schaumburg formulierte wie andere Bürger seinen speziellen Ärger bei diesem Thema: Bei Gesprächen mit Telekom-Mitarbeitern sei man bisher immer hingehalten worden, eine klare Auskunft sei nicht zu erhalten gewesen. Peter Skoruppa hatte in Deckbergen 195 Unterschriften von Bürgern gesammelt, die einen DSL-Anschluss wünschen. Frage an Schneider-Akkurt: Reicht diese Zahl? Der Telekom-Manager versprach, es nachrechnen zu lassen, und erläuterte im Gegenzug die Probleme der Telekom: Breitband sei ein "freier Markt", ein "Haifischbecken", und hier habe die Telekom (anders als beim Telefon) keineswegs mehr die Verpflichtung einer flächendeckenden Grundversorgung. Um den Bürgern entgegen zu kommen, habe man ja gerade das Kooperations-Modell entwickelt.



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