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Wie die Jäger der wachsenden Wildschweinpopulation Herr werden wollen

Drückjagden mit Treibern und Hunden statt Ansitzen in der Vollmondnacht

Rinteln (wm). Am Mittwoch nächster Woche, 16. Januar, soll zwischen 9.30 und 13.30 Uhr die Kreisstraße 80 zwischen Krankenhagen und Möllenbeck für den Verkehr gesperrt werden, weil die Staatsforst eine "Treibjagd zur Regulierung des erhöhten Wildschweinbestandes" durchführen will, teilte gestern die Stadtverwaltung mit.

veröffentlicht am 09.01.2008 um 00:00 Uhr

Milde Winter, fette Maisfelder - gute Bedingungen für Wildschwei

Die meisten Jäger die man fragt, bestätigen, dass die Population der Schwarzkittel in den letzten Jahren geradezu explodiert sei und beginne, zu einem Problem zu werden, beispielsweise für Grundeigentümer, denen die Sauen und Keiler den Garten umwühlen wie für Autofahrer, die feststellen müssen, dass rund 80 bis 100 Kilo Wildschwein dicke Beulen am Kotflügel hinterlassen. Ein Gefahrenpunkt ist zurzeit neben der Kreisstraße 80 auch die Landestraße 433 zwischen Strücken und Hohenrode, wo eine Rotte nachts vom Wald auf die Maisfelder wechselt. Dort sei der Tisch noch reichlich gedeckt, erzählte Jagdpächter Gustav Kerker, weil durch zwei Hochwasser und dem Dauerregen im November nur ein Teil der Maiskolben vom Feld habe geerntet werden können. Ein Lastwagenfahrer erlegte kurz vor Weihnachten eine Sau, die im Angergraben verendete und nur durch Zufall von Jägern entdeckt worden ist. Ein paar Tage später stoppte ein zweites Tier einen Ford-Fiesta - Jagdpächter Hartmut Stock bedauerte nur, dass sich aus dem Wildbret kein Braten mehr habe machen lassen. Forstdirektor Christian Weigel vom Forstamt Hessisch Oldendorf sieht noch einen anderen Aspekt: Die große Wildschweinpopulation gefährde auch sich selbst, weil das Risiko, dass eine Schweinepest ausbricht, deutlich angestiegen sei: "Das wäre für uns eine Katastrophe." Warum sich Wildschweine so ungehemmt vermehren, brachte Reinhold Siegmann, stellvertretender Vorsitzender der Jägerschaft, auf eine einfache Formel: Milde Winter, mehr Maisanbau und schlechte Jagdbedingungen. Früher, so Siegmann, seien Schwarzkittel am besten in hellen Winternächten mit Schnee und Vollmond geschossen worden. Schnee gibt es nicht mehr, der Vollmond ist bei den vorherrschenden Wetterlagen meist hinter Wolken versteckt. Und nach "Kyrill" finden die Rotten im Wald optimale Bedingungen, nämlich statt lichter Wälder riesige Dickungen und Bruchholz, wo sie sich tagsüber verstecken können. Die Lösung der Jäger: Statt nächtliches Ansitzen mit Jägerromantik im Winterwald lieber Drückjagden mit Treibern und Hunden am Tage, wie am kommenden Mittwoch in Möllenbeck. Die Strecke an Wildschweinen, die die Staatsforst in den letzten Wochen erlegt hat, ist dann auch beachtlich: Etwa 30 Sauen bei einer Drückjagd im November im Bereich Uchtdorf, 29 Sauen in der vergangenen Woche in den Wäldern bei Hessisch Oldendorf und Goldbeck. In Langenfeld sollen sogar 70 Schweine geschossen worden sein.

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