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Vor Gericht: Richter glauben dem Opfer / Mann war am Stadthäger Bahnhof über Frau hergefallen

Dreieinhalb Jahre Gefängnis für Vergewaltiger

Stadthagen (ly). Mit einem Schuldspruch ist der Prozess um eine Vergewaltigung am Stadthäger Bahnhof zu Ende gegangen. Dreieinhalb Jahre Haft hat die 1. Große Jugendkammer am Landgericht verhängt.

veröffentlicht am 03.05.2008 um 00:00 Uhr

ZurÜberzeugung der Kammer steht fest, dass der angeklagte Stadthäger (24) vor fast fünf Jahren in einer abgelegenen Ecke am Stellwerk über eine Frau hergefallen ist, die er kurz zuvor im Beisein von Bekannten in der S-Bahn aus Hannover kennengelernt hatte. Mit Ohrfeigen war das Opfer, seit der Kindheit bereits mehrfach sexuell missbraucht und vergewaltigt, gefügig gemacht worden. Die Tat bestritt der vorbestrafte Mann bis zuletzt, das Urteil hörte er ohne äußere Regung. Aussage stand gegen Aussage, die Richter glaubten dem Opfer. "Warum sollte sich eine 37 Jahre alte Frau nach durchzechter Nacht einem 19-Jährigen, der ihr unbekannt ist, am helllichten Morgen auf der harten Rasenfläche eines öffentlichen Geländes, das vor Blicken nicht geschützt ist, hingeben wollen?'' fragte die Vorsitzende Richterin Birgit Brüninghaus eher rhetorisch. Zudem hatte das Opfer an jenem Sonntag gesundheitliche Probleme. Falls der Geschlechtsverkehr wirklich freiwillig geschehen sei, wie der Angeklagte beteuert, hätten beide die Möglichkeit gehabt, zur nahen Wohnung eines Freundes zu gehen. Leicht gemacht habe es sich die Kammer jedoch nicht mit der Entscheidung, so Brüninghaus. Der Grund liege darin, dass die Frau an einer Borderline-Störung ihrer Persönlichkeit leide. Verteidiger Hans-Dieter Liebelt hatte daraus Unglaubwürdigkeit abgeleitet. Borderline-Persönlichkeiten, so die Richterin, neigten dazu, ein Geschehen mit der Zeit immer schlimmer zu schildern. In diesem Fall war es jedoch genau umgekehrt. Die Frau habe"keineüberschießenden Belastungsten- denzen" gezeigt, hieß es. Zudem hätten weitere Zeugenaussagen und Indizien gegen den Täter gesprochen. So hatte der Stadthäger behauptet, er habe die Frau liebevoll umarmt. Nach Beobachtungen eines Fahrdienstleiters hat es sich dabei jedoch um einen anderen Manngehandelt. Zu Lasten des Angeklagten wertete die Kammer unter anderem, dass das Opfer noch immer unter den Folgen der Tat leidet. Die heute 41-Jährige, die damals im Stadthäger Frauenhaus wohnte, ist zwischenzeitlich in eine andere Stadt umgezogen und soll glücklich verheiratet sein. Dem Vergewaltiger billigte das Gericht eine "alkoholbedingte Enthemmung" zu. Außerdem liege die Tat schon Jahre zurück. Noch ist das Urteil, in das eine vorausgegangene Strafe einbezogen wurde, nicht rechtskräftig. Der Angeklagte hat die Möglichkeit, Revision einzulegen. Bis zur endgültigen Entscheidung, die erfahrungsgemäß etwa ein halbes Jahr auf sich warten lässt, bleibt der 24-Jährige voraussichtlich auf freiem Fuß.



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