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Vor Gericht: Fehlende Glühlampen in Rückleuchten des Pannenfahrzeugs geben Gutachtern und Richterin Rätsel auf

Drei Tote bei Verkehrsunfall auf der A 2 - Freispruch

Rodenberg/Stadthagen (menz). Drei Menschen sind im Juli vergangenen Jahres auf der Autobahn 2 bei Rodenberg tödlich verunglückt. Die Verantwortung für den Verkehrsunfall wurde einem Berufskraftfahrer zugeschrieben, der einen verunglückten Lieferwagen gerammt hatte. Vor dem Amtsgericht Stadhagen ist der 49-Jährige aus Herne jetzt vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung in drei Fällen freigesprochen worden. Ihm konnte nicht nachgewiesen werden, dass er den Unfall hätte vermeiden können, wenn er nur aufmerksam genug oder langsamer gefahren wäre.

veröffentlicht am 08.06.2007 um 00:00 Uhr

Die entscheidende Frage, ob der Lieferwagen beleuchtet und in der Dunkelheit als Hindernis weithin sichtbar war, konnte in der Gerichtsverhandlung nicht geklärt werden. Kurioserweise fehlten an dem Wagen sämtliche Glühlampen in den Rückleuchten, als der Gutachter das Fahrzeug unter die Lupe nahm. Intensive Nachforschungen brachten keinen Hinweis auf den Verbleib, und es war nicht auszuschließen, dass der Lieferwagen gänzlich ohne rückwärtige Beleuchtung unterwegs gewesen war. Das komplexe Unfallgeschehen setzte damit ein, dass ein Lieferwagen ins Schlingen geriet. In Fahrtrichtung Dortmund streifte der weiße Mercedes "Sprinter" die Mittelplanke, schleuderte und blieb zwischen Standstreifen und rechter Fahrbahn liegen. Einem vorausfahrenden Freund gibt der Fahrer noch Auskunft, dass er samt Begleiter unverletzt sei. Minuten später sind die beiden Männer tot. Der Lastwagen des 47-Jährigen Herners prallt ungebremst in den Lieferwagen, der von der Standspur in die rechte Fahrbahn hineinragt. Anschließend schießt der 40-Tonner mit Anhänger über die Fahrbahn, durchbricht die Mittelleitplanke und steht quer auf der Gegenfahrbahn. Ein weiterer Mann stirbt, weil er keine Chance mehr hatte auszuweichen. Der Unglücksfahrer hat schwer verletzt überlebt, er leidet seither unter posttraumatischem Stress. An das Unglück hat er keine Erinnerung mehr, er weiß nur noch, dass er in Berlin geladen hat. Höchstwahrscheinlich war er zu schnell unterwegs, als es zum Unfall kam, statt der erlaubten 80 soll er mindestens 95 Stundenkilometer gefahren sein. Der Gutachter mutmaßte, dass der automatische Geschwindigkeitsbegrenzer auf der leichten Gefällstrecke durch Auskuppeln ausgetrickst wurde. Der Verteidiger formulierte Einwände dagegen, aber die Geschwindigkeit war ohnehin Nebensache. Vorrangig war die Frage nach der Beleuchtung. Das Fazit des Gutachters war eindeutig. Die Kollision sei unvermeidlich gewesen, wenn der Lieferwagen unbeleuchtet war. Dafür sprach manches; keine Glühbirnen, keine Gewindereste, nichts war zu finden gewesen. Als "extrem ungewöhnlich" stufte Strafricherin Gönna Freifrau von Blomberg das Fehlen der Glühlampen ein, "das ergibt keinen Sinn". Sicher war sie, dass der Angeklagte nach dem Unfall "nicht in der Lage war, die Glühlampen rauszuschrauben". Zumal da das nicht mehr "ohne weiteres" möglich gewesen sei. Nicht überzeugt war die Richterin von den Aussagen zweier Augenzeugen, die Licht gesehen haben wollten. Es entspreche der "natürlichen Erwartungshaltung, dass an Autos Lichter brennen, die nachts über die Autobahn fahren", erläuterte sie aussagepsychologische Erkenntnisse. Mit dem Freispruch ging die Richterin davon aus, dass der Lastwagenfahrer "keine Möglichkeit" hatte, den Lieferwagen "aus ausreichender Entfernung wahrzunehmen".



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