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"Unfall wäre vermeidbar gewesen"

Drei Tote auf A 2: Nach Freispruch Freiheitsstrafe

Rodenberg/Bückeburg (ly). Knapp 17 Monate nach einem furchtbaren Verkehrsunfall auf der Autobahn 2 bei Rodenberg hat das Bückeburger Landgericht den Verursacher, einen Kraftfahrer aus Herne, wegen fahrlässiger Tötung zu einem Jahr Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt. Drei Menschen haben durch die Schuld des 50-Jährigen ihr Leben verloren. In erster Instanz war der Angeklagte freigesprochen worden.

veröffentlicht am 04.12.2007 um 00:00 Uhr

"Dieser Unfall wäre vermeidbar gewesen'', glaubt Staatsanwalt Markus Schreiber. Ungebremst hatte der Kraftfahrer mit seinem 40-Tonner einen verunglückten Lieferwagen gerammt, der am 8. Juli 2006 gegen vier Uhr auf der Standspur Richtung Dortmund hielt und teilweise in die Fahrbahn ragte. Zwei Insassen, die nebendem "Sprinter" standen, wurden erfasst und getötet. Danach durchbrach der 40-Tonner die mittlere Leitplanke und kam quer auf der Gegenfahrbahn zum Stehen. Dort hatte ein anderer Lastwagenfahrer keine Chance. Er kollidierte mit dem Auflieger und starb ebenfalls an der Unfallstelle. Laut Gutachten hat der Unglücksfahrer den Lieferwagen mit mindestens 95 Stundenkilometern gerammt hat. Erlaubt war für ihn Tempo 80. Ein anderer Lastwagenfahrer, der vor dem 50-Jährigen fuhr, hatte es ohne Probleme geschafft, seine Geschwindigkeit zu drosseln, die Warnblinkanlage einzuschalten und hinter dem Lieferwagen anzuhalten. "Man darf nur so schnell fahren, dass man Hindernissen rechtzeitig ausweichen kann", so Richter Friedrich von Oertzen, Vorsitzender der Berufungskammer, an die Adresse des Angeklagten. Vor einer Gefällestrecke hatte der 50-Jährige sogar noch ausgekuppelt, um durch das Gewicht der Ladung an Tempo zu gewinnen. Der erste Prozess in Stadthagen hatte sich vor allem um die Frage gedreht, ob das Heck des verunglückten Lieferwagens beleuchtet war. Weil der Angeklagte seine Sorgfaltspflicht in erheblichem Maße verletzt habe, so von Oertzen, spielte dies in der Berufung keine entscheidende Rolle. "Wir gehen aberdavon aus, dass der ,Sprinter' beleuchtet war", betonte der Richter. Mehrere Zeugen hätten das ausgesagt. Mysteriös bleibt, dass in den Rückleuchten sämtliche Glühlampen gefehlt hatten, bis heute fehlt davon jede Spur. Obwohl er drei Menschen auf dem Gewissen hat, muss der Kraftfahrer nicht ins Gefängnis. Sicher ist, dass er erstens zu schnell und zweitens unachtsam war. Seine Schuld wiegt jedoch lange nicht so schwer wie bei Vorsatz. Außerdem ist der 50-Jährige nicht einschlägig vorbestraft, er hatte keinen Alkohol getrunken und die Ruhezeiten eingehalten. Verbunden ist das Urteil mit einer Entziehung der Fahrerlaubnis sowie zwölf Monaten Führerscheinsperre. Darüber hinaus muss der Angeklagte 1500 Euro Geldbuße zahlen. Bei dem Unfall war er selbst schwer verletzt worden.



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