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Vor Gericht: Freiheitsstrafe, Geldbuße, Fahrverbot in Deutschland / Beinahe-Katastrophe auf der A 2

Drei Promille: Schlangenlinien mit 40-Tonner

Auetal/Bückeburg (ly). In Schlangenlinien ist ein polnischer Lastwagenfahrer im Auetalüber die Autobahn 2 gebrettert und hat einen Unfall verursacht. Kein Wunder, denn der 47-Jährige hatte fast drei Promille Alkohol im Blut. Unterwegs war er mit einem 40-Tonner.

veröffentlicht am 05.10.2007 um 00:00 Uhr

Seit seiner Festnahme hatte der Pole reichlich Zeit zum Ausnüchtern und Nachdenken. Bis zum Prozess vor dem Bückeburger Amtsgericht musste in Untersuchungshaft, getrennt von Frau und Tochter. "Gelegenheit zum Probesitzen", wie Richter Armin Böhm es nannte. Verurteilt hat Böhm den Angeklagten zu fünf Monaten Freiheitsstrafe mit Bewährung. Hinzu kommen 200 Euro Geldstrafe, in diesem Fall fast ein halbes Monatseinkommen. Am schlimmsten aber dürfte den 47-Jährigen treffen, dass seine polnische Fahrerlaubnis entzogen wird und er zwei Jahre nicht auf deutschen Straßen fahren darf. "Das bedeutet, dass ich arbeitslos werde", klagte der Kraftfahrer über eigene Dummheit. Wenigstens verließ er das Justizgebäude als freier Mann. Der Schuldspruch lautet auf Straßenverkehrsgefährdung durch Trunkenheit sowie unerlaubtes Entfernen vom Unfallort. In seiner Urteilsbegründung war Richter Böhm mehr als deutlich geworden. "Ich bin entsetzt, dass ein Berufskraftfahrer sechs bis sieben halbe Liter Bier trinkt, um anschließend mit einem 40-Tonner über die volle Autobahn zu fahren", sagte Böhm. "An Leichtsinn ist das kaum zu überbieten." Eine Stunde vor dem Unfall hatte der Pole sich nach eigenen Angaben auf einem Parkplatz betrunken. Trotzdem setzte er die Fahrt fort, zum Teil im Schlangenlinien. In einer ohnehin engen Baustelle wäre es im dichten Feierabendverkehr beinahe zur Katastrophe gekommen. Der Sattelschlepper inklusive Auflieger streifte ein mit drei Männern besetztes Auto an der rechten Seite und drückte den Wagen links gegen die Leitplanke. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Dennoch sieht Richter Böhm "nur noch einen minimalen Schritt, bis jemand getötet auf der Strecke bleibt". Das, so der Vorsitzende, hätte auch ganz anders enden können. "Mit den üblichen Trunkenheitsfahrten, zum Beispiel auf Nebenstraßen, ist dies nicht zu vergleichen", meinte Staatsanwalt Günter Wilkening. "Ich hätte diesen Menschen viel mehr Schaden zufügen können", zeigt der Angeklagte mittlerweile Einsicht. Das war nicht immer so. Nach der Berührung hatte der Pole seinen Unfallgegnern Zeichen gegeben und mehrfach so getan, als wolle er abfahren, was jedoch eine glatte Täuschung war. Im letzten Moment nahm er schließlich die Abfahrt Bad Eilsen und hielt auf der Bundesstraße vor einer Tankstelle. Nach dem Eintreffen der Polizei ergab ein Atemtest 3,07 Promille, die spätere Blutprobe 2,74. Im Führerhaus des Lkw lagen noch sieben Bierflaschen - alle leer.



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