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Vor Gericht: Albtraum am Gevattersee

Drei Jahre für Vergewaltigung einer 15-Jährigen

Bückeburg. Als er sein Geständnis ablegt, sitzt er da und weint. Es riecht nach Selbstmitleid. Stunden später, während der Urteilsverkündung, kann der Bielefelder nur noch fassungslos zu Boden starren. Haft? Haft. Dabei tut es ihm doch "wahnsinnig Leid".

veröffentlicht am 29.03.2007 um 00:00 Uhr

Autor:

Stefan Lyrath

Knapp neun Monate nach einem nächtlichen Übergriff am Gevattersee, der juristisch zunächst wie eine vollendete Vergewaltigung ausgesehen hatte, hat das Landgericht den 22-Jährigen gestern zu drei Jahren Haft verurteilt. Der Schuldspruch lautet auf sexuelle Nötigung im besonders schweren Fall in Tateinheit mit Körperverletzung. Ein Mittäter (23), ebenfalls Bielefelder, bekommt zwei Jahre mit Bewährung. Er muss 2000 Euro zahlen und 100 Stunden gemeinnützig arbeiten. Das Opfer ist ein junges Mädchen aus Bückeburg, das ebenso wie die beiden Russlanddeutschen mit Freunden zum Zelten an den Gevattersee gefahren war. In der verhängnisvollen Nacht zum 9. Juli war der 15-Jährigen übel geworden. Gegen Mitternacht nutzten die beiden angetrunkenen Camper diese Situation eiskalt aus. In einem Gebüsch legte sich der jüngere Mann auf das hilflose Opfer, während der andere sie festhielt und ihr gleichzeitig den Mund verschloss, um sie am Schreien zu hindern. Brutal wurde das Mädchen, das eine Reihe von Verletzungen am ganzen Körper erlitt, ins Gesicht geschlagen. Dass der Hauptangeklagte auch in die junge Frau eingedrungen war, ließ sich nicht nachweisen. Als sicher gilt, dass die Täter "großen Schaden an einer noch kindlichen Seele angerichtet haben", so die Vorsitzende Richterin Dr. Birgit Brüninghaus. Über die Interessen des Opfers hätten die Männer sich in jener Nacht "kaltherzig hinweggesetzt". Noch heute leide seine Mandantin außerordentlich schwer unter diesem Vorfall, erklärt Rechtsanwalt Dr. Dieter Wissgott, der die Bückeburgerin vertritt. Was der 15-Jährigen passiert ist, nennt Staatsanwalt Dr. Malte Rabe von Kühlewein "den Albtraum einer jeden Frau": "Ein Unbekannter hat sich genommen, wovon er glaubte, dass es ihm zusteht. Und ein hilfloses Opfer sollte seine Bedürfnisse befriedigen." Dies, so Rabe von Kühlewein, sei "ein schwerwiegendes,abscheuliches Verbrechen" gewesen. Nach der Tat war zunächst ein Unschuldiger eingesperrt worden. Erst nach fast vier Wochen in Untersuchungshaft hatte dann der Bielefelder ein Geständnis abgelegt und den anderen Mann entlastet. Hinter Gittern soll der 22-Jährige übrigens einen Nervenzusammenbruch erlitten haben. Sein Verteidiger hat "in zehn Jahren noch keinen Mandanten erlebt, der so haftempfindlich war". Seit Anfang August ist der Russlanddeutsche auf freiem Fuß, woran sich zunächst nichts ändert, weil weder Flucht- noch Verdunkelungsgefahr bestehe. Angeblich hat die Tat sein Leben "zum Guten" verändert. "Ich bin ein ganz anderer Mensch geworden", versicherte er. "Den Kontakt zu meinen Freunden habe ich abgebrochen."

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