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"Gala der Volksmusik" macht einige hundert Besucher ein bisschen glücklicher

Draußen der Frühling - und im Saal leuchtet die Sonne der Heimat

Rinteln. Am Sonntag begann der Frühling in Rinteln - und dennoch pilgerten hunderte von Menschen bei strahlendem Sonnenschein hinein in den vergleichsweise dunklen Brückentorsaal, um dort noch mehr vom Sonnenschein für's Herz zu erwischen - bei der Gala der Volksmusik, die einmal mehr auf Einladung der "Weserspatzen" in Rintelngastierte.

veröffentlicht am 13.03.2007 um 00:00 Uhr

"La Montanara, wo unsere Heimat ist": zwei der "Spitzbuabn" in i

Autor:

Ulrich Reineking

Viel Trachtenlook im Publikum und noch mehr silbernes Haar - doch auch das frühe Mittelalter war reichlich vertreten, um die Stars der volkstümlichen Hitparaden einmal live zu erleben. Wobei "live" durchweg wörtlich zu nehmen war, wie nicht zuletzt die wenigen kleinen Patzer im über dreistündigen Programm belegten. Im schmucken Kleid mit dem Publikum kokettierend, führt die Schweizer Sängerin Vreni Margreiter durch die Show und toppt ihren Beitrag vor dem Schluss-Finale noch mit dem "Ave Maria der Liebe" und den Worten vorweg : "So a Titel, wo mein verstorbener Mann und Kollege Rudi geschrieben hat, dass er so für uns lebendig bleibt." Doch bleiben wir in der Chronologie der Ereignisse: Die "Weserspatzen" um Chorleiter Wolfgang "Wicki" Wicklein erläutern singend ihren Berufswunsch, allesamt Kapitän bei der Oberweserdampfschiffahrtsgesellschaft zu werden, lassen dann in einem polnischen Kinderlied frühlingsnah den Kuckuck schreien und versichern "op Platt" und auf Englisch "Nobody is perfecht" - ein munteres Lied mit milder Ironie, das JanWillem "als der dickste Fan der Weserspatzen" für sie geschrieben hat. Und als dann später auch noch die "Küken" ihr Spatzen-ABC zwitschern, kennt das Entzücken vor allem der Eltern und Großeltern keine Grenzen mehr. Vergleichsweise derbe Kost liefern anschließend die "Hegl" aus dem Zillertal, die Kumpel also, die mit ihrem Skilehrer-Charisma und dem Hüttenzauber-Lächeln fast schon wie eine Parodie auf das Grenre wirken, zugleich aber mit ihrem instrumentalen Können auch die Skeptiker spätestens beim Hochzeitsmarsch mit Solojodler überzeugen. Anschließend kommt der exotische Osten des Thüringer Vogtlands auf die Bühne - mit den kecken Schwestern Andrea und Manuela von der "Wernesgrüner Musikantenschänke" des MDR-Fernsehens (nächster Sendetermin übrigens am 16. März). Gerade mal zwei Tage vom Frauentag entfernt, fordern sie die Herren beim Schunkeln zum Busentest bei Frau Nachbarin auf und diese wiederum machen die beiden aufmerksam auf die nähebedingte Möglichkeit, mit den Brieftaschen der Männerwelt Kontakt aufzunehmen, werden danach dann aber wieder ganz und gar herzig beim Singen. Mit Pan- und Querflöte und sogar mit Violine entführt Edward Simoni anschließend in jene Gefilde der Volksmusik, in denen er allemal als der Königgilt: immerhin hat er Schmelz und Schmalz gleichermaßen in Perfektion zu bieten. Viel Rinteln-Erfahrung bringt auch Sonja Christin aus Ostfriesland mit auf die Bühne, die sie mit einem herzhaften "Moin Moin" in Beschlag nimmt. Bei ihr müssen die Männer allemal "Rum in den Adern und Nerven wie ein Tau" haben und mit dem neuen Titel von der nächsten CD über einen Marienkäfer, der in die Welt fliegen soll, hin zu den Menschen, die voller Sorgen sind, gewinnt ihr Schaffen fast schon lebensberatende Qualität. Dass sie sich mit "Akropolis Adieu" von Mireille Matthieu verabschiedet, gibt ihr noch einmal Gelegenheit, das Tremolo ihrer glutvollen Stimme richtig forsch ins Zwerchfell zu schicken. Und dann ist da "the one and only" Bata Illic. Erkennt sein Publikum nach wie vor mit verbundenen Augen und Günter-Netzer-Frisur (oder hat Netzer eine Bata-Illic-Mähne?) und als er auch noch mit nach wie vor jugendlicher Stimme bekennt "Ich hab noch Sand in den Schuhen von Hawaii", ist die Schlacht sowieso gewonnen. Witzig sein Intermezzo mit der Rintelnerin Marlies, die mit ihm im Duett auf der Bühne die "Schwarze Madonna" besingt - zwischenzeitlich sogar a capella, als die Technik kurz den Geist aufgibt. Wie er diese Situation mit seiner charmanten Partnerin auf Zeit meistert, beweist schon echtes Profiformat! In der Pause großes Gedränge bei den Verkaufsständen für CDs, Broschüren und Fan-Devotionalien im Foyer - und lange Schlangen auch vor den Tischen, an denen die Stars willig und fleißig ihre Autogramme geben. Von Kaffee, Bier und Kuchen gestärkt, wird das Publikum dann vom Unterhaltungskünstler Fred Raimond aufgeklärt, dass es in Schulklassen mit lauter 13-jährigen mitunter nur eine Jungfrau gibt - "die Lehrerin!" Anschließend macht er uns dann noch als Parodist den Rex Gildo und den Moshammer ("Wieviele vom anderen Ufer sind denn heute hier im Saal - bitte mal melden") und hopst als Roberto Blanco ganz ohne Schuhcreme im Gesicht wie ein Hiphop-Tänzer über die Bühne. Zum Ausklang dann die Südtiroler Spitzbuam - fünf fesche und hormonell etwas überversorgt wirkende Burschen aus Südtirol, wo die Heimat ist und wo damit, glaubt's ma immer am schönsten: Gipfelstürmer der volkstümlichen Hitparaden, die es andeutungsweise auch mal rocken lassen, schon mal Bierkästen als Rhythmusinstrumente einsetzen und sich mit einem verklärten "La Montanara" endgültig in Herz und Gemüt der Zuhörer singen. Und auf geht es zum großen Finale samt Weserspatzen. "Wir sehen uns dann wohl im Dezember wieder", meint meine Nachbarin offensichtlich bestgelaunt in den Applaus hinein. Im Dezember. Wenn die Musikanten wiederkommen. Und die Spatzen. Und dann sogar mit Ireen Sheer. Sie wissen doch: "Ich hab Kopfweh..." Genau die!

Profi durch und durch: Nicht nur Michaelas schwärmten für Bata.
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