weather-image
Rennrutscher: Kleinenbremer wird Sechster

Draufgänger mit Nehmer-Qualitäten

Kleinenbremen (ly). Wer schnell sein will, muss leiden. Die Knochen poliert hat sich Holger Wienzek ganz schön bei der Deutschen Meisterschaft im Rennrutschen. Aber der Kleinenbremer war auch verdammt schnell: Platz 6 unter 81 Startern - ausgezeichnet für einen Newcomer.

veröffentlicht am 19.04.2007 um 00:00 Uhr

Holger Wienzek

Nein, Verletzungen sind nicht die Regel in diesem rasanten Sport, obwohl die Herren bei Tempo 50 in Rückenlage nur Badehose tragen, die Damen Bikini. Doch Wienzek (40) kannte die 158 Meter lange Rutsche in der Ostseetherme Scharbeutz noch nicht, vor allem die fiese Kuppe. Und der amtierende norddeutsche Meister ist nun mal ein Draufgänger. Alles oder nichts. Ein Blutbeutel am Ellenbogen, schmerzhafte Prellungen am Rücken und beiden Hüftgelenken: An seine Blessuren verschwendet Wienzek, ein sportlicher Typ mit Nehmer-Qualitäten, trotzdem keinen Gedanken. Es gibt Wichtigeres. "Den Jens Scherer packe ich mir beim nächsten Mal", hat er sich geschworen. Seriensieger Scherer (Rottweil) gewinnt seit Jahren alles, was zu gewinnen ist im Rennrutschen. Pro Lauf nimmt er der Konkurrenz locker eine halbe Sekunde ab. Das sind Welten. Unterm Strich fehlten Wienzek in Scharbeutz am Ende 3,5 Sekunden auf Scherer. In der Addition seiner vier Läufe kam er auf eine Gesamtzeit von 79,43. "An Jens reicht keiner ran", sagt der Kleinenbremer. Noch nicht. In seine Sportart ist Holger Wienzek so reingerutscht. Eigentlich wollte der Familienvater vor knapp zwei Jahren nur seine beiden Kinder zu einem Wettbewerb begleiten. Doch dann leckte er Blut, machte mit und wurde auf Anhieb Zweiter der Bückeburger Stadtmeisterschaft. Den Titel holte der 40-Jährige sich dann 2006. Als Wienzek kürzlich auch noch in Stadthagen die Norddeutsche Meisterschaft in der Gewichtsklasse über 70 Kilogramm gewann, horchte die Konkurrenz auf. Sein Spitzname ist übrigens "Lichtflitzer". Eine Anspielung darauf, dass Wienzek angeblich mit Lichtgeschwindigkeit durch die Röhre flitzt, was freilich eine leichte Übertreibung sein dürfte, gleichzeitig aber den Respekt der Sportskameraden ausdrückt. Obwohl der Portaner noch nicht lange dabei ist, gilt seine Technik bereits als ausgefeilt: Mit erhobenem Hintern geht's auf beiden Schultern und einer Hacke durch die Röhre. Nur diese drei Punkte des Körpers berühren die Bahn. Das macht zwar etwas labil - aber auch rasend schnell. Am Start hilft es, ein guter Reckturner zu sein. "Es ist faszinierend, an der Technik zu arbeiten und immer schneller zu werden", schwärmt Wienzek ("Fast wie beim Rennrodeln") und nennt ein Beispiel: "Enge Kurven rutscht man am besten nicht im Wasser, sondern lässt sich nach oben raustragen, weil Wasser bremst. Aber jede Röhre ist anders, eine Wissenschaft für sich."



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt