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Wo ist all das Geld geblieben? Letztes Kapitel nach Mercedes-Autohaus-Pleite

Dramatische Bilanz:Über 6 Millionen Schulden - bei null Euro Vermögen

Rinteln (wm). Am 17. April findet beim Amtsgericht Bückeburg ein öffentlicher Erörterungstermin im Insolvenzverfahren des ehemaligen Mercedes-Haus-Chefs im Landkreis Schaumburg, Peter K. aus Rinteln, statt, der gemäß der neuen Gesetzeslage einen Antrag auf Restschuldbefreiung gestellt hat. Die Insolvenzforderungen betragen 6,2 Millionen Euro.

veröffentlicht am 04.04.2007 um 00:00 Uhr

Dagegen stehen null Euro Vermögen, wie Insolvenzverwalter Stephan Höltershinken aus Minden bekannt gab - "da gibt es nichts zu verteilen". Zu den Gläubigern gehören unter anderem auch mehrere Banken. Es war die wohl spektakulärste Firmenpleite der letzten Jahre im Schaumburger Land. Nicht nur, was die Höhe der Summe betraf, sondern auch die Umstände haben für Aufsehen gesorgt. Der Konkurs des Mercedes-Autohauses GmbH, zu der Autohäuser in Rinteln, Bückeburg und Stadthagen gehörten, und der Auto Leasing GmbH ist längst abgewickelt. Das Inventar des Autohauses in Rinteln im Emerten ist in einem öffentlichen Termin versteigert worden. Die Immobilie in Bückeburg hat die Grundstücksverwaltungsgesellschaft Mercedes-Benz AG erworben, um den Standort zu sichern. 1998 hat Peter K. den Gang zum Konkursrichter angetreten. Warum ein Unternehmen, das jahrelang erfolgreich mit Stuttgarten Edel-Karossen gehandelt hat, derart in finanzielle Schieflage geraten konnte, ist letztlich nie geklärt worden. K. könnte außerdem in die Firmengeschichte des Weltkonzerns eingehen, nämlich als erster Mercedes-Händler, dem es gelungen ist, das eigentlich wasserdichte Bestell- wie Verrechnungssystem für Neuwagen von Daimler-Chrysler auszuhebeln. Der Konkurs machte im Jahr 2000 nochmals Schlagzeilen, nachdem Konkursverwalter Dr. Gerd Gerschon und Rechtsanwalt Dr. Lutz Sonnemann in Hannover aufgedeckt hatten, dass K. und seine Ehefrau zwei miteinander verzahnte landwirtschaftliche Betriebe in Polen ihr Eigen nannten und von Strohmännern führen ließen. Vermögenswerte konnten nicht sichergestellt werden - auch nicht von Staats wegen. Selbst Spezialisten für Wirtschaftsstrafsachen hatten damit keinen Erfolg. Für Dr. Sonnemann kein Wunder, denn man habe einfach zu lange gezögert, in Polen um Amtshilfe nachzusuchen. Er hält es inzwischen aber nicht mehr für ausgeschlossen, dass sich Peter K. in Polen verspekuliert hat oder von Geschäftspartnern über den Tisch gezogen worden ist, es also tatsächlichkeine Koffer mit schwarzem Geld mehr gibt, wie lange Zeit spekuliert worden ist. Jetzt, nach neun Jahren, soll der Schlussstrich gezogen werden - möglich durch die neue Gesetzgebung. Peter K. hat Privatinsolvenz angemeldet. Für K. die Chance, in sechs Jahren von 6,2 Millionen Euro Verbindlichkeiten los zu kommen. Eine Anwaltskanzlei hatte zwar noch versucht, per Versagensantrag das Verfahren zu stoppen, nach seinen Informationen ohne Erfolg. Dem wäre, so Dr. Sonnemann, nur stattgegeben worden, wenn man dem ehemaligen Unternehmer gewichtige Straftaten hätte nachweisen können, was aber offensichtlich nicht der Fall sei. Die rechtlichen Möglichkeiten seien damit ausgeschöpft, die Akten über einen Millionen-Konkurs geschlossen.

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