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Vor Gericht: Angehende Polizistin liefert falsche Beschreibung / Gefährliche Situation auf der Autobahn 2

Drängelei bleibt ungesühnt: Nummer passt nicht zum Auto

Auetal/Bückeburg (ly). Aussagen von Polizisten vor Gericht sind in der Regel so gut wie kugelsicher. Ausnahmen können bei Ordnungshütern passieren, die noch in der Ausbildung stecken. Eine Anwärterin aus Norddeutschland hat als Zeugin vor dem Bückeburger Amtsgericht eine Aussage mit einem großen Widerspruch geliefert. Richter Armin Böhm blieb daraufhin nichts anderes übrig, als einen mutmaßlichen Verkehrsrambo aus Hannover, der wiederholt vorbestraft ist, vom Vorwurf der Nötigung freizusprechen.

veröffentlicht am 25.09.2007 um 00:00 Uhr

Ein Fall von wüster Drängelei auf der Autobahn 2 im Auetal bleibt damit wohl für immer ungeklärt. Das Opfer: die angehende Polizeimeisterin. Zur Entlastung der jungen Frau sollte erwähnt werden, dass diese an jenem 21. Dezember vergangenen Jahres privat unterwegs war. Es war ein Tag, den sie so schnell nicht vergessen wird. Vom nahen Fest der Liebe war auf der Autobahn überhaupt nichts zu spüren. Gegen 14 Uhr war die Norddeutsche bei Rehren auf die linke von drei Spuren gewechselt, um im zähfließenden Verkehr zu überholen. Plötzlich hatte sie "das Gefühl, als würde ich angeschoben". So dicht war ein Hintermann aufgefahren, "im Rückspiegel konnte ich weder die Scheinwerfer noch das vordere Kennzeichen sehen". Etwa 30 Sekunden ging das so, "vor Angst habe ich mich am Lenkrad festgekrallt". Bei Geschwindigkeiten bis zu Tempo 160 sollen die zwei Autos zum Teil nur eine Fahrzeuglänge Abstand gehabt haben. Die Frau hätte bloß den Fuß vom Gas nehmen müssen, so heißt es in der Anklageschrift, schon wäre es zu einem Auffahrunfall gekommen. Irgendwann kam eine Lücke, und sie konnte auf die mittlere Spur einscheren - Gefahr gebannt. Die Limousine aus dem Rückspiegel entfernte sich in Richtung Horizont. Das Opfer machte sich Notizen und erstattete Anzeige - vorbildlich. Die Beschreibung des Tatfahrzeugs vor Gericht ließ dann jedoch arg zu wünschen übrig. Als Zeugin konnte die Ordnungshüterin Automarke, Farbe und Kennzeichen nennen. Auch die Charakterisierung des Fahrers ("Südländer, etwa 25 bis 30 Jahre alt, robuste Statur, volles Haar") passte haargenau zu dem Mann auf der Anklagebank. Nur bei der Form des Wagens haperte es. Die Zeugin beharrte darauf, es sei "ganz klar ein Kombi" gewesen, der Angeklagte hatte jedoch nachweislich eine Stufenheck-Limousine. "Das abgelesene Kennzeichen passt mit Sicherheit nicht zu dem beschriebenen Auto", stellte Richter Böhm fest. "Diesen Widerspruch können wir nicht aufklären." Schade eigentlich. "Die Vorstrafen des Angeklagten wegen Gefährdung des Straßenverkehrs", so meinte Staatsanwalt Dieter Liese, "würden nämlich gut zu einem solchen Verhalten passen."

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