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Oberkirchenrat: Sachproblem mit Person verquickt / Landesbischof: Ich habe die geistliche Aufsicht

Dr. Führer entschuldigt sich bei Käßmann

Bückeburg (tw). Dr. Werner Führer, Theologischer Oberkirchenrat der Schaumburg-Lippischen Landeskirche, hat sich gestern in einem "persönlichen Schreiben" bei Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann dafür entschuldigt, ihr durch die "Weitergabe von Gerüchten" im Zusammenhang mit ihrer bevorstehenden Scheidung (wir berichteten) geschadet zu haben. Doch das ist noch nicht alles: Landesbischof Jürgen Johannesdotter begrüßt die Entschuldigung des Obernkirchenrats - distanziert sich aber gleichzeitig von den Äußerungen Führers und stellt klar, dass er, der Bischof, die geistliche Aufsicht über die Landeskirche habe.

veröffentlicht am 26.05.2007 um 00:00 Uhr

Im Gebet vereint: Bei der Amtseinführung von Jürgen Johannesdott

Das geht aus jeweils einer getrennten "Erklärung" Führers sowie Johannesdotters hervor, welche die Redaktion gestern in Form von zwei Pressemitteilungen der Schaumburg-Lippischen Landeskirche erreichten. Kurz und knapp heißt es seitens des Obernkirchenrats: "Über die Auslegung des Pfarrerdienstrechtes und seine konkrete Anwendung sollte es eine Auseinandersetzung unter Theologen und Juristen geben. Diese Auseinandersetzung darf aber in der Öffentlichkeit nicht unter Bezugnahme auf konkrete Personen geführtwerden. Ich habe den Fehler gemacht, das Sachproblem mit der Person der Hannoverschen Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann zu verquicken und ihr durch die Weitergabe - jedoch nicht Erfindung - von Gerüchten zu schaden. Ich bedauere diesen Fehler aufrichtig und habe mich bei Landesbischöfin Käßmann entschuldigt." Der Landesbischof seinerseits nimmt zu der Berufung Führers auf anonyme Informationsquellen im Blick auf die Vorgehensweise der verfassungsgemäßen Organe der Ev.-Luth. Landeskirche Hannovers in einer fünf Punkte umfassenden Erklärung Stellung: "1. Ich distanziere mich ausdrücklich von den Äußerungen Dr. Führers zur Vorgehensweise der Ev.-Luth. Landeskirche Hannovers und ihrer verfassungsgemäßen Organe. Sollte der falsche Eindruck entstanden sein, es handele sich bei den Äußerungen des Oberkirchenrates um eine amtliche Stellungnahme der Ev.-Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe, so erkläre ich, dass dieses nicht der Fall ist. 2. Die Organe der Landeskirche Schaumburg-Lippe sind die Synode, der Landeskirchenrat, das Landeskirchenamt und der Landesbischof. Nur sie können sich mit Stellungnahmen der Landeskirche an die Öffentlichkeit wenden und bedienen sich dazu der Pressestelle. 3. Die Vorschriften des Pfarrerdienstrechtes setzt jede Landeskirche in eigener Verantwortung um. Zu dieser Umsetzung von Vorschriften bedarf es keiner Belehrung von außen. Ich bedauere, dass dieser im Verhältnis zwischen Landeskirchen übliche Umgang in diesem Fall verletzt worden ist. 4. Unbeschadet der Geschäftsverteilung im Landeskirchenamt führt der Landesbischof die geistliche Aufsicht über die Landeskirche. 5. Ich begrüße, dass Dr. Führer eine persönliche Entschuldigung gegenüber Landesbischöfin Käßmann abgegeben hat." Mit den Erklärungen sowohl des Theologischen Obernkirchenrats als auch den Landesbischofs dürfte eine Kontroverse beigelegt sein, die in der vergangenen Woche auch landesweit hohe Wellen geschlagen hatte. Führer hatte damals behauptet, die hannoversche Landeskirche habe die bis dahin übliche Regelversetzung bei geschiedenen Amtsträgern "etwa zu dem Zeitpunkt abgesetzt, als die Ehe von Bischöfin Käßmann zu kriseln begann (2001/02)" und den Rücktritt der Landesbischöfin gefordert.



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