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Chance an der Fischbecker Landstraße – aber im Rathaus melden sich die Bedenkenträger

Doch kein Platz für Wohnmobile?

Hameln. „Wenig ansprechende Lage im Industriegelände mit Ausblick auf Silos.“ Diese Beschreibung in einem Internetforum für den Wohnmobilplatz an der Ruthenstraße dürfte keinen Hamelner überraschen. Wer von „ruhiger Lage“ schreibt, war an einem Wochenende oder Feiertag dort. Viele loben aber immerhin den kurzen Weg zur Weserpromenade, in die Altstadt und zum Weser-Radweg. Der Platz „Hannes Weserblick“ erreicht somit noch „befriedigende“ Bewertungen seiner monatlich rund 100 bis 800 Nutzer. Doch wäre für Hameln nicht viel mehr drin?

veröffentlicht am 18.02.2015 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:04 Uhr

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Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Spätestens seit dem Abzug der britischen Pioniere stellt sich diese Frage. Denn große Flächen direkt am Fluss harren einer sinnvollen Verwendung. Im vorigen Sommer, als die Dewezet im Rahmen der Serie „Vision Weserufer“ den ehemaligen Wasserübungsplatz an der Fischbecker Landstraße als neuen Wohnmobilplatz in die Diskussion brachte, sah die Stadt durchaus noch die Möglichkeit, die Fläche entsprechend herzurichten. Wenn größere Baumaßnahmen dafür nicht nötig sind, sei der Hochwasserschutz kein Hindernis. Inzwischen jedoch melden sich die Bedenkenträger im Rathaus: Für die Einrichtung eines Wohnmobilplatzes sei es rechtlich erforderlich, ein Baugebiet auszuweisen, ist nun zu hören. Das „Upnor“ genannte Areal beiderseits der Weser liege jedoch nicht nur im Überschwemmungsgebiet, sondern auch im „Außenbereich“, also abseits der bestehenden Bebauung. „Somit gestaltet sich eine Nachnutzung nicht so einfach, wie sich das die meisten Interessenten vorstellen“, heißt es nun in einer Stellungnahme der Verwaltung. Solche Vorhaben seien nur zulässig, wenn sie „öffentliche Belange nicht beeinträchtigen“. Konkret sei das der Hochwasserschutz: Im Überschwemmungsgebiet dürfe kein Neubau erlaubt werden, der auch an anderer Stelle untergebracht werden könnte. Auch die Nachnutzung von Gebäuden sei sehr eingeschränkt: Sie dürften weder ergänzt noch ersetzt werden.

Kanubetreiber hat

große Pläne an der Fischbecker Landstraße

Erstaunlich ist nur: Hamelns Nachbarstädte hegen solche Bedenken nicht. In Minden, Rinteln, Bodenwerder, Polle und Holzminden liegen die Wohnmobilplätze – ohne großen baulichen Aufwand – direkt am Weserufer. Offenbar sind solche Angebote, wenn man sie unterbreiten will, auch rechtlich wasserdicht möglich. Und sie kommen flussauf- wie -abwärts ausgesprochen gut an.

Während sich die Stadtverwaltung schon fast davon verabschiedet zu haben scheint, das Upnor-Gelände auf diese Weise touristisch zu erschließen, verfolgt Lothar Ebbecke große Pläne: Der nebenberufliche Kanubetreiber aus Großenwieden hat bei der Grundstücksverwaltung der Bundesrepublik Deutschland, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, sein Interesse bekundet, das gesamte Gelände zu pachten oder zu kaufen. Er will nicht nur seinen Bootsverleih dorthin verlagern, sondern eben auch Stellflächen für Wohnmobile anbieten. Das Gebiet sei ideal – nicht nur wegen der „traumhaften Sicht“ auf Fluss und Berge, sondern auch wegen der guten Erreichbarkeit, der benachbarten Lebensmittelmärkte und der Nähe zur Innenstadt. Vor allem seien große und sehr stabil befestigte Flächen vorhanden, ebenso ein hochwassersicheres Gebäude mit Sanitärtrakt und alle notwendigen Ver- und Entsorgungsanschlüsse. Größere Baumaßnahmen seien nicht erforderlich. „Hier ist es möglich, mit wenig Geld viel für Freizeit und Tourismus zu tun“, ist Ebbecke überzeugt.

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  • „Hannes Weserblick“ heißt der Stellplatz an der Ruthen straße. Statt auf die Weser blicken die Nutzer auf Industrieanlagen. Wal

Im Rathaus geht der Blick in der Wohnmobilfrage nun allerdings eher zum Campingplatz am westlichen Weserufer. Das dortige Angebot zu fördern, zu verbessern und zu erweitern – gerade auch hinsichtlich der Reisemobile – habe für die Stadt Priorität. Konkrete Planungen oder einen Gesprächstermin mit Platzbetreiber Michael Giannakos gibt es jedoch nicht. Der Pressereferent der Stadt spricht von „abstrakten Überlegungen“ und dem Wunsch von Oberbürgermeister Claudio Griese (CDU), dass sich hier etwas bewegt.

Der Draht zwischen Rathaus und Campingplatz war eingefroren, nachdem die HWG, Tochterunternehmen der kommunalen Stadtwerke, an der Ruthenstraße das Konkurrenzangebot geschaffen und die Stadt die Wegweisung allein auf „ihren“ Wohnmobilplatz zugeschnitten hatte. Laut Giannakos beklagt sich jeder zweite Wohnmobilist, der zu ihm kommt, über den Industriecharme der Ruthenstraße. Andererseits hat es in der Vergangenheit auch Beschwerden über die Verhältnisse auf dem „Campingplatz zum Fährhaus“ gegeben. Der Betreiber verweist jetzt auf den neuen Sanitärtrakt und betont, es werde an weiteren Verbesserungen gearbeitet. Er halte 10 bis 15 Stellplätze für Wohnmobile vor; eine Erweiterung des Geländes bei steigendem Bedarf sei denkbar.



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