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Skandal weitet sich deutlich aus

Dioxin auch im Fleisch von Schweinen

Hannover / Berlin / Springe. Der Dioxin-Skandal weitet sich weiter aus: Er hat nach Eiern und Geflügel nun auch das Schweinefleisch erreicht. Auf einem Hof in Niedersachsen wurde bei einer Probeschlachtung ein um die Hälfte erhöhter Dioxin-Grenzwert festgestellt. Widersprüchliche Angaben gab es dazu, ob Dioxin-Schweinefleisch von dem Hof im Landkreis Verden in den Handel gekommen sein könnte. Das Landwirtschaftsministerium schloss das kategorisch aus, der Verdener Kreisveterinär Peter Rojem ist sich da nicht so sicher.

veröffentlicht am 11.01.2011 um 19:56 Uhr
aktualisiert am 11.01.2011 um 22:13 Uhr

Autor:

Georg Ismar, Vera Jansen,Andrej Sokolow undMarkus Richter

Auf dem Hof sollen 140 Tiere getötet werden. Insgesamt stehen dort 536 Tiere im Stall. Bei einem zweiten Schweinemäster sei ein Tier entdeckt worden, dessen Belastung im Grenzbereich liege. Dort werden weitere Proben genommen. Neun weitere Betriebe wurden gesperrt, auf den zehn Höfen stehen insgesamt rund 8000 Schweine.

Auch von der Eier-Front kam gestern die nächste alarmierende Nachricht: In mehreren Supermärkten der Region Hannover gelangten Eier eines vorsorglich gesperrten Hofes in den Handel. Ein Verbraucher hatte sich mit einer entsprechenden Eierpackung an die Behörden gewandt. Auch in Springe waren Dioxin-Eier verkauft worden. Mehrere Behörden haben nach dem Bekanntwerden des Falls in Springe Ermittlungen eingeleitet. Sie prüfen, wie die dioxinverdächtigen Eier in den Handel gelangen konnten – schließlich war der Betrieb im Kreis Cloppenburg bereits gesperrt worden. Beamte des Kriminaldienstes der Polizei untersuchten zusammen mit einem Lebensmittelkontrolleur der Region Hannover das Geschäft, in dem die möglicherweise verseuchte Ware verkauft wurde.

In den vergangenen Tagen waren bislang nur in Proben von Eiern und Legehennenfleisch erhöhte Dioxin-Werte gemessen worden. Proben bei Hähnchen, Putenfleisch und Kuhmilch wiesen zunächst keine Überschreitungen von Grenzwerten auf.

Das Dioxin soll in einer Firma im niedersächsischen Bösel ins Futterfett gekommen sein. Das Unternehmen arbeitet als Spedition für Fette. Die Futterfettproduktion wurde dort wohl illegal betrieben. Die Firma ist ein Partnerunternehmen von Harles und Jentzsch in Schleswig-Holstein, das die dioxinbelasteten Futterfette vertrieben hatte und nun im Fokus der Ermittlungen steht. Erstaunlicherweise trug Harles und Jentzsch das QS-Gütesiegel, mit dem Lebensmittel wie Fleisch, Wurst, Obst und Gemüse gekennzeichnet werden. Das Unternehmen, das dieses Siegel vergibt, gehört Verbänden der Ernährungswirtschaft.

Bund und Länder wollen wegen des Dioxin-Alarms nun eine bundesweite Warnplattform für Lebensmittel einrichten. Da Lebensmittelkontrolle Ländersache ist, informieren die Bundesländer bisher meist nur über verdächtige Produkte in ihrer Region. Die neue Internetseite mit Informationen aller bundesweit zuständigen Behörden soll in den nächsten Wochen starten.



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