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Kreishandwerkerschaft: "Wer Arbeitnehmer beschäftigt, wird durch Lohnnebenkosten bestraft"

Dilemma: Hohe Rechnung - wenig Gewinn

Landkreis (rc). Da hat der Handwerker seine Arbeit getan, alle sind froh, alles funktioniert wieder. Ein paar Tage später flattert die Rechnung ins Haus und dann ist der Schreck groß: "So viel!", entfährt es so manchem leidgeprüften Hausbesitzer oder -bauer: "Beim nächsten Mal mach' ich es lieber wieder selber."

veröffentlicht am 08.09.2006 um 00:00 Uhr

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Dabei können die Handwerker am wenigsten für die Rechnungsbeträge, die sie für eine Arbeitsstunde ihrer Mitarbeiter in Rechnung stellen müssen, wie der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Schaumburg, Fritz Pape, gegenüber unserer Zeitung erläuterte. Von einem Rechnungsbetrag von 44,40 Euro - der durchschnittliche Preis einer Handwerkerstunde - bleiben letztlich nur 1,08 Euro als Gewinn beim Handwerksmeister hängen. Der Rest geht drauf für gesetzliche, tarifliche und freiwillige Sozialaufwendungen, betriebliche oder kalkulatorische Gemeinkosten sowie natürlich die Mehrwertsteuer, die zum Jahresbeginn noch einmal von 16 Prozent auf 19 Prozent erhöht wird. Knapp ein Viertel der 44,40 Euro, nämlich 12 Euro, wird dem Mitarbeiter als Bruttostundenlohn ausgezahlt. Die Forderung des Handwerks - schon seit langen Jahren, wie Pape sagt: "Die Lohnzusatzkosten müssen runter. Wer Arbeitnehmer beschäftigt, wird durch diese Kosten bestraft." Dabei sei ein nicht unerheblicher Teil der Lohnzusatzkosten durch gesellschaftliche Entwicklungen bedingt, werde aber lediglich auf die Löhne und damit auch auf das Handwerk abgewälzt. Dieser Mechanismus sei zwar von der Politik erkannt worden, so Pape weiter. "Passiert ist aber bisher nichts." Als jüngstes, aktuelles Beispiel nennt er die Veränderungen bei den Lohnnebenkosten. Zwar werde der Beitrag für die Arbeitslosenversicherung um 0,5 Prozent gesenkt. Im gleichen Atemzug aber werden die Beiträge für die Krankenversicherung erhöht: zuletzt erst Mitte des Jahres. Mit weiteren, erheblichen Anhebungen müsse zum Jahresbeginn 2007 gerechnet werden. Unter dem Strich würden damit die Lohnnebenkosten weiter steigen. Es gebe kleine Ansätze, aber: "Die Gesellschaftskosten der Sozialversicherungen müssen endlich steuerlich und damit von allen finanziert werden."

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