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Burkhard Hennig wirbt für Stroh als Baustoff / Dämmwerte wie Mineralwolle - und umweltfreundlich

"Dieses Haus atmet - man schläft ganz anders"

Obernkirchen (sig). Stroh gibt es noch immer reichlich auf den heimischen Feldern, mehr als in der Landwirtschaft benötigt wird. Aber inzwischen gewinnt eine Verwendung an Bedeutung, die in anderen Teilen der Welt schon länger eine Rolle spielt, bisher aber noch nicht in Deutschland. In vielen alten Fachwerkbauten kam früher neben Holz und Lehm auch Stroh zum Einsatz. Diese Naturprodukte sind im Zuge des Massivhausbaues von vielen stabileren Werkstoffen abgelöst worden. Der 37-jährige Diplom-Ingenieur und Architekt Burkhard Hennig aus Bremen machte bei einem Referat im Stift jetzt überzeugend klar, weshalb das Stroh vor einer Renaissance steht.

veröffentlicht am 05.03.2007 um 00:00 Uhr

Diplom-Ingenieur Burkhard Hennig zeigt, dass Stroh durchaus auch

Vielleicht gibt es bald auch in der Bergstadt das erste Gebäude, bei dem gepresste Strohballen zum Einsatz kommen. Ein Wunder wäre es nicht, denn seit 2004 sind schon etliche Wohnhäuser mit diesem Wärme dämmenden Rohstoff entstanden. Der in Stadthagen geborene Architekt Burkhard Hennig zählte eine Reihe von Vorteilen auf, die mit der Verwendung von Strohballen verbunden sind. Nicht unwichtig sei, so Hennig, zunächst einmal die Tatsache, dass Stroh nicht industriell hergestellt werden müsse und damit umweltfreundlich sei. Der Dämmwert sei selbst bei Feuchtigkeit hoch und damit mit dem der Mineralwolle vergleichbar. Das mit Stroh hergestellte Haus habe ein gutes Raumklima, weil es atme. "Darin schläft man ganz anders", stellte der Bauexperte fest. Das bekannte Fraunhofer-Institut habe eine ganze Reihe von Untersuchungen durchgeführt. Das Ziel sei es, die Tauglichkeit von Strohballen als Baustoff wissenschaftlich zu belegen. Auch die bisher vorgenommenen Brandschutzprüfungen von beidseitig mit drei Zentimeter dickem Lehm verputzten Ballen hätten gute Ergebnisse gebracht. Eine wichtige Voraussetzung sei, so Hennig weiter, dass die Landwirte die Ballen mit modernen Maschinen überaus stark pressen können. Der Verbund wird durch lange Dübel aus gepresstem Holzhergestellt. InÖsterreich gibt es bereits 1500 Häuser, die mit Stroh hergestellt wurden. In den USA, in Kanada und Australien sind sogar zahlreiche mehrgeschossige Bauten auf diese Weise entstanden. Noch nicht ganz so einfach ist es, in Deutschland die Voraussetzungen für eine Baugenehmigung zu erfüllen. Engagiert setzt sich dafür der bundesweit tätige Fachverband Strohhallenbau ein. Für die damit verbundenen wissenschaftlichen Arbeiten hat diese Organisation die Gemeinnützigkeit zuerkannt erhalten. Ziel des Verbandes ist es,überall in Deutschland ohne Patenschutz und Lizenzhindernisse Stroh als Baustoff einsetzen zu können. Zu den bisher bekannten Anwendungen geht es auch darum, eines Tages die Verwendung des Naturmaterials als tragende Wand zu ermöglichen. Hennig ist in diesem Verband tätig und machte mit seinem Vortrag sowie einem vertonten Kurzfilm deutlich, dass der Strohballenbau auch in Deutschland gute Zukunftschancen haben dürfte.



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