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Weitere Restaurierung kostet mindestens 43 000 Euro / Ohne geht es nicht: Sponsoren werden dringend gesucht

"Dieses Epitaph ist ein kunstgeschichtliches Kleinod"

Obernkirchen (sig). Was gleich an der ersten Säule nahe dem Eingang der Stiftskirche hängt, ist nicht irgendein Zierrat ohne besonderen Belang, sondern als ein gewichtiger Kunstschatz einzustufen. Rolf-Bernd de Groot bezeichnete das Epitaph in seinem Vortrag vor den Mitgliedern des Fördervereins als "eines der ganz wenigen herausragenden architektonischen Beispiele des Manierismus in Norddeutschland".

veröffentlicht am 20.11.2007 um 00:00 Uhr

So präsentiert sich das an den Bildhauer und Bürgermeister Georg

Der Manierismus ist kunstgeschichtlich einzustufen als die Zeitspanne zwischen Renaissance und Barock. Die Zusammenkunft in der "Roten Schule" galt dem Ziel, den Mitgliedern des Fördervereins der Stiftskirche und anderen Interessenten deutlich zu machen, wie wichtig die Erhaltung des Epitaphs ist und wie schrittweise im kommenden Jahr die weitere Restaurierung verlaufen soll. De Groot befasste sich in seinen von Lichtbildern begleiteten Ausführungen zum einen mit dem geschichtlichen Hintergrund und zum anderen mit der richtigen Einordnung dieses Projektes, das die finanziellen Möglichkeiten der evangelischen Kirchengemeinde, aber auch des Fördervereins deutlich übersteigt. Der Restaurator Paul-Uwe Dietzsch aus dem Raum Worpswede sprach von rund 43 000 Euro. Dr. Hermann Müntiga, der Vorsitzende des Fördervereins, entgegnete darauf: "Ohne Sponsoren können wir dieses Kunstdenkmal nicht erhalten!" Pastor Herbert Schwiegk berichtete, dass er bereits etliche Anstrengungen unternommen habe, um Stellen anzusprechen und anzuschreiben, die bei diesem Vorhaben helfen könnten. Dazu gehören die "Schaumburger Landschaft" und die Institutionen der Denkmalspflege. Nach den weiteren Ausführungen von de Groot und des Restaurators waren sich alle Zuhörer im Klaren, dass es sich hier um ein über das Schaumburger Land hinaus bedeutendes Kleinod handelt. Allen war deutlich geworden, dass es nach der bereits vorgenommenen Sicherung der vom Absturz bedrohten Teile sowie der gründlichen Beseitigung von der zum Teil zentimeterdicken Staubschicht bald weitergehen muss. Das Sterbeepitaph des Bildhauers und Bürgermeisters Georg Tribbe wurde von ihm selbst in seiner eigenen Obernkirchener Werkstatt angefertigt und 1665 vollendet. Als Werkstoffe verwendet wurden neben Eichenholz schwarzer Marmor, Sandstein und Alabaster. De Groot sprach in seinen Erläuterungen von einer unglaublichen Fülle von ausdrucksstarken Engelsköpfen und Engelsgestalten. Sie sollen neben ihrer dekorativen Funktion vor allem für die Verkündung der Heilsbotschaft stehen. Einähnliches Meisterwerk hat Tribbe mit dem 1656 geweihten Hauptaltar des Mindener Doms geschaffen, der leider bei einem Bombenangriff 1944 unwiederbringlich verloren ging. Jetzt sei, so de Groot, das Obernkirchener Epitaph der letzte bildhauerische Qualitätsbeweis des norddeutschen Manierismus und zugleich ein einmaliges Zeugnis der Leistungsfähigkeit der Obernkirchener Steinhauerzunft. Genau aus diesem Gründen kann auch die Verantwortung für den Erhalt dieses Kunstdenkmals nicht die alleinige Aufgabe der Obernkirchener evangelischen Kirchengemeinde sein. Jetzt geht es darum, jenes Werk vor dem Zerfall zu retten, das in der Stiftskirche an ihn erinnert. Der Restaurator schilderte die geplante Vorgehensweise, bei der mit aller Vorsicht gearbeitet werden muss, damit kein Teilstück mehr hinunterfällt und alles auch die nächsten Jahrzehnte übersteht. Vor allem müssen die stark verrosteten Verankerungen aus schmiedeeisernen Dübeln ersetzt werden, die bereits einige Teile zum Bersten gebracht haben.



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