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Vor Gericht: Jugendstrafe - "selbstverständlich ohne Bewährung"

Diesel-Dieb erbeutet 270 Liter Sprit - 19 Monate Knast

Bückeburg (ly). Alle stöhnen über die hohen Spritpreise. Ein Bückeburger hat das Problem auf seine Art gelöst, indem er den teuren Kraftstoff in drei Fällen von anderen Autos abzapfte. Beute: insgesamt rund 270 Liter. Vor dem Jugendschöffengericht ist der 21-Jährige jetzt wegen Diebstahls sowie Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu 19 Monaten Jugendstrafe verurteilt worden. "Selbstverständlich ohne Bewährung", wie Richter Dr. Dirk von Behren bemerkte, denn irgendwann sei das Ende der Fahnenstange erreicht.

veröffentlicht am 06.05.2006 um 00:00 Uhr

Denn allein sieben einschlägige Vorstrafen gehen auf das Konto des Arbeitslosen. Nur wenige Monate vor dem ersten Benzinklau hatte ein anderes Gericht ihn wegen einer Serie von Autoaufbrüchen in Petershagen, begangen im Sommer 2003, zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. "Der Angeklagte ist krasser Bewährungsversager und hat ein ausgesprochen gestörtes Verhältnis zu fremdem Eigentum", stellte Staatsanwalt Dr. Malte Rabe von Kühlewein fest. Auch Jugendhaft habe in einem früheren Fall nichts gebracht. Offenbar, so Rabe von Kühlewein, sei es im Gefängnis "zu schön" gewesen. Im November 2005 war der Angeklagte nachts in eine Polizeikontrolle geraten. Und siehe da: Er besaß keine Fahrerlaubnis. Mindestens ebenso interessant dürften die Ordnungshüter gefunden haben, dass der junge Mann drei volle 30-Liter-Kanister Diesel im Auto hatte, kurz zuvor per Schlauch abgefüllt aus einem Lastwagen, der in Petershagen-Windheim mit offenbar unverschlossenem Tankdeckel am Straßenrand stand, wie sich herausstellte. Später sprudelte es dann aus dem Diesel-Dieb heraus. Frank und frei gestand er, sich außerdem in der Kiesgrube Neesen (Porta Westfalica) an zwei Fahrzeugen bedient zu haben. "Diese beiden Taten hätten sonst wohl nicht nachgewiesen werden können", meinte Richter von Behren, der dem Angeklagten eine "erhebliche kriminelle Energie" attestierte und den Spritklau "hart an der Grenze zum gewerbsmäßigen Diebstahl" sah. Der 21-Jährige hatte nämlich zu Protokoll gegeben, er habe den Kraftstoff verkaufen wollen. Dazu kam es jedoch nicht, weshalb er mit dem Diesel, insgesamt rund 270 Liter, jeweils sein eigenes Auto betankte. Eingestellt worden war ein weiteres Verfahren, weil eine zusätzliche Verurteilung kaum noch ins Gewicht gefallen wäre. Vor einem Portaner Imbiss, so hatte die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vorgeworfen, soll dieser ein Auto durchsucht haben, während ein Komplize Schmiere stand. Das Urteil ist rechtskräftig.

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