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Vor Gericht: Sechs Monate Bewährung

Diebstahl ohne Ende und noch nie Gefängnis

Bückeburg/Eilsen (ly). Seit seiner Jugend begeht ein Eilser (48) Diebstähle und wird immer wieder verurteilt, ohne allerdings jemals ins Gefängnis zu müssen - was ist das? "Es ist geradezu ein Wunder", sagt Staatsanwalt Dr. Markus Schreiber mit kaum verhohlener Kritik an der Justiz, die bei diesem Straftäter wohl etwas zu lasch war. Und das Wunder geht weiter: Nachdem der Angeklagte (17 Vorstrafen allein wegen Diebstahls) diesmal ineinem Bückeburger Baumarkt Farbe für 40 Euro gestohlen hat, muss er wiederum nicht ins Gefängnis.

veröffentlicht am 25.11.2008 um 00:00 Uhr

Das Amtsgericht hat ihn zu sechs Monaten Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt. Hinzu kommen 1000 Euro Geldbuße. Genau genommen ist dies kein Wunder, denn als Quittung für einfachem Diebstahl gibt es in der Regel erst Geldstrafen, bei Wiederholungstätern Bewährung und irgendwann Haft. Der 48-Jährige hatte zuletzt mehrere Geldstrafen bekommen. Beim nächsten Mal müsste er wohl einsitzen, wie Richter Böhm erklärte, der zuvor noch nie mit dem Angeklagten zu tun hatte. Allzu nachsichtig hatten sich in der Vergangenheit andere Gerichte gezeigt. "Der Angeklagte ist immer mit einem blauen Auge davongekommen", erinnerte Böhm. "Aber er ist kein ganz hoffnungsloser Fall. Ich habe noch ein Fünkchen Hoffnung", fügte der Vorsitzende auch in Anspielung darauf hinzu, dass der Mann einen Job hat und mit einer Frau verheiratet ist, die ebenfalls verdient. Genau deshalb gibt dieser Angeklagte Rätsel auf. "Er klaut, obwohl er sich die Sachen leisten kann", so Staatsanwalt Dr. Markus Schreiber. "Und dafür nimmt er das Risiko in Kauf, eingesperrt zu werden." Meistens handelte es sich bei dem Diebesgut um sogenannte "geringwertige Sachen". Die Grenze zieht der Bundesgerichtshof bei 25 Euro. Diesmal lag der Langfinger etwas darüber. Dass die Grenze angesichts der Geldentwertung noch Sinn macht, bezweifelt Verteidiger Ralf Jordan: "Irgendwann muss auch ein Gericht in diesem Bezirk damit beginnen, sie anzuheben." Aber zurück zu dem Fall. Für seinen jüngsten Diebstahl im Baumarkt, passiert Mitte August, hatte der Angeklagte, dessen Vorstrafenregister insgesamt 22 Eintragungen umfasst, eine eher maue Erklärung: "Ich wollte etwas kaufen und habe gemerkt, dass ich kein Portemonnaie dabei hatte. Ich war in Zeitnot."Sonst fiel ihm nicht viel ein. Höchstens noch dies: "Es tut mir Leid." Wie auch immer: "Jetzt", so Richter Böhm, "werden die Daumenschrauben angezogen".



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