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Die Zeitung kommt auch bei hohem Schnee

Wer Helmut Warnecke bei der Zustellung der Dewezet begleiten will, muss schon sehr früh aufstehen. Sich täglich um 2.15 Uhr aus den federn zu schwingen, ist für ihn normal. Um 3 Uhr steigt er in seinen anthrazitfarbenen Opel Corsa und begibt sich auf den Weg nach Thal. Dort hat er eine frühe Verabredung mit dem von der Druckerei kommenden Auslieferungsfahrzeug. Nach dem Umladen der Zeitungen und der häufig mitgelieferten Prospekte, fährt Warnecke zurück nach Lichtenhagen, um seiner Ehefrau ihren Anteil an den Zeitungen zu bringen.

veröffentlicht am 07.02.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.02.2010 um 11:01 Uhr

Autor:

Reinhard Borchers

Wer Helmut Warnecke bei der Zustellung der Dewezet begleiten will, muss schon sehr früh aufstehen. Sich täglich um 2.15 Uhr aus den federn zu schwingen, ist für ihn normal. Um 3 Uhr steigt er in seinen anthrazitfarbenen Opel Corsa und begibt sich auf den Weg nach Thal. Dort hat er eine frühe Verabredung mit dem von der Druckerei kommenden Auslieferungsfahrzeug. Nach dem Umladen der Zeitungen und der häufig mitgelieferten Prospekte, fährt Warnecke zurück nach Lichtenhagen, um seiner Ehefrau ihren Anteil an den Zeitungen zu bringen. Kerstin Warnecke stellt die Dewezet für rund 50 Haushalte in Lichtenhagen zu. Wenn es gleichzeitig auch Prospekte gibt, muss sie sogar fast 90 Haushalte besuchen. Nachdem Helmut Warnecke mit seiner Ehefrau die Zeitungen sortiert hat, macht er sich auf nach Ottenstein. Im Winter ist das kein Zuckerschlecken: Die Zufahrtsstraßen dorthin sind derzeit mit gelb-schwarzen Schneestangen gespickt – eine Orientierung für die Schneeräumfahrzeuge, weil die Leitpfosten teilweise schon von den Schneemassen bedeckt sind. Teilweise über zwei Meter hohe Schneehaufen lassen erkennen, dass hier oben viel mehr Schnee als im Wesertal gefallen ist. Für den Zusteller eine zusätzliche Schwierigkeit, denn er kann jetzt auch einige Abkürzungen nicht mehr benutzen.

Erschwerend kommt noch hinzu: Der Ort ansich ist unbeleuchtet. Um 4 Uhr sind die Straßenlaternen noch ausgeschaltet. „Aber viele Leute haben heutzutage Bewegungsmelder an ihren Außenleuchten, und wo keine sind, versuche ich den Weg mit meinen Autoscheinwerfern etwas auszuleuchten. Das ist jetzt aber durch die großen Schneehaufen nicht mehr möglich“, sagt der Zeitungszusteller bei Minusgraden. Und ist bereits auf dem Weg zum nächsten Briefkasten.

„Natürlich kann man die Ottensteiner Tour auch zu Fuß gehen, aber das sind insgesamt 14 Kilometer“, erklärt der 57-Jährige und steigt wieder in seinen Corsa. „Da läuft im Winter wenigstens die Heizung“, ergänzt er dann noch. Wer sich in seinem Wagen umschaut, stößt augenblicklich auch dort auf eine kleine logistische Herausforderung. Neben der überwiegend verlangten Zeitung mit dem Bodenwerder-Lokalteil gibt es auch einige Ottensteiner, die die Hamelner Ausgabe der Dewezet bevorzugen. Wiederum andere lesen lieber die Pyrmonter Nachrichten oder zusätzlich am Freitag noch die Kirchenzeitung. Und nebenbei müssen auch noch die Briefe der Citipost „an den Mann“ gebracht werden. Heute bekommen hier oben in dem verwehten, kalten Ottenstein 168 Haushalte eine Zeitung. Wenn Prospekte mit zu verteilen sind, dann kommen noch etwa 300 hinzu.

Wann wer welche Zeitung bekommt, hat der Zusteller im Kopf – selten muss er noch einmal in seinen Papieren nachschauen. Und das, obwohl er erst vor einem Monat diesen Bezirk von seinen Vorgängern, Hannelore und Werner Schaper, übernommen hat. Die Schapers waren nahezu drei Jahrzehnte für das Austragen der Dewezet in Ottenstein zuständig. Draußen sind es jetzt -1,5 Grad Celsius – gefühlt sind es -5 Grad. Das alles ist keine echte Kälte für den Dewezet-Zusteller – er musste schon schlimmere Temperaturen ertragen. „So vor etwa vier Wochen, an einem Montag, da hatten wir morgens hier oben -24 Grad Celsius. An dem Tag war sogar meine Autoheizung eingefroren“, erinnert sich Warnecke. Aber zugestellt hat er trotzdem alle Zeitungen.

Für die Leser, die sehr, sehr früh zur Arbeit müssen, macht Warnecke sogar einen kleinen Umweg, um auch sie in den Genuss der morgendlichen Zeitungslektüre zu bringen. „Generell aber gilt, dass die Zeitung bis 6 Uhr beim Kunden sein sollte. Das klappt bei diesen Witterungsverhältnissen leider nicht immer. Aber zugestellt wird auf jeden Fall – wenn auch manchmal mit etwas Verspätung“, garantiert Warnecke für seinen Bereich.

Neben einer Wind- und Regenjacke mit reflektierenden Streifen, um besser wahrgenommen zu werden, hat das Zusteller-Ehepaar Warnecke bei diesen Witterungsverhältnissen auch Spikes dabei. Diese werden mit Gummibändern unter den Schuhen befestigt und verhindern das Ausrutschen auf eisigen Flächen, denn um 4 Uhr morgens haben die wenigsten Hauseigentümer um ihr Grundstück herum den Schnee geräumt oder etwas gegen das Glatteis getan.

Wie für Warneckes Schuhe die Spikes, sind für sein Auto gute Winterreifen ein absolutes Muss. Schneeketten sieht man auf der Ottensteiner Hochebene selten – „zu umständlich“, meint der Zeitungsbote. Gestürzt sei er bei diesem Wetter noch nie, aber seine Frau habe es vor einigen Tagen erwischt, sie hat sich dabei die Schulter geprellt. Thorsten Seak, Logistikleiter der Firma Weserbergland-Logistik betont: „Wir versuchen unser Möglichstes, um unsere Mitarbeiter bei diesen Wetterkapriolen zu schützen. Wir stellen Spikes, Taschenlampen und Kopfleuchten zur Verfügung. Trotzdem gab es in den letzten Wochen aufgrund der Glätte etwa 20 Unfälle. Es handelte sich glücklicherweise überwiegend um Prellungen und Abschürfungen und Gott sei Dank nicht um schwere Knochenbrüche.“

Nicht nur in dem Ort Ottenstein selbst, sondern auch auf umliegenden Gehöften wird die Dewezet gelesen und muss deshalb auch dort rechtzeitig hingebracht werden. Dies ist wegen der manchmal durch Schneewehen fast unpassierbaren Zufahrten richtig schwere Arbeit und kostet viel Zeit. Deshalb freut sich Helmut Warnecke, dass es zu tauen angefangen hat und die meisten Wege wieder besser befahrbar sind. Nur die Glätte an manchen Stellen macht den Zustelldienst immer noch gefährlich.

„Ja, am vorigen Dienstag und Mittwoch waren die Schneewehen so hoch, dass man bis zu den Waden im Schnee versunken ist. Da musste ich das Auto auch einige Male stehen lassen und zu Fuß den Weg zu den Häusern suchen. Das war schon ziemlich unangenehm“, erzählt Warnecke. Heute gehe es ja schon einigermaßen, obwohl er manche Straßen nur rückwärts wieder rausfahren könne. Sein alter Opel sei für dieses Wetter optimal – Motor vorn, leichte Karosserie und kein Problem, wenn der verharschte Schnee mal am Autolack kratzt.

An diesem Morgen kann der Lichtenhagener seine Tour in Ottenstein erst 20 Minuten später beginnen – der Lieferwagen der Druckerei hatte sich witterungsbedingt verspätet. Und weil nicht der Schnee, sondern die Eisglätte das Problem ist, dauert die Tour auch bis 7 Uhr. Dann ist für Warnecke Frühstück angesagt. In einem Auto ohne Standheizung auch nicht gerade ein Vergnügen. Auf die Frage, ob er denn dem diesjährigen Winter auch noch schöne Seiten abgewinnen kann, ist die prompte Antwort „Nein“. Viele Leser werden seine Einstellung sicherlich gut verstehen …

Meterhohe Schneeberge auf Gehwegen, verwehte Zufahrten, eisglatter Boden – und dennoch ist die Zeitung von der Kernstadt Hameln bis zur Ottensteiner Hochebene morgens im Briefkasten. Wie die Dewezet-Zusteller dem Winter trotzen, ist eine große Leistung. Wir haben einen von ihnen begleitet.



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