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Die Wiege der Dewezet

Die Wiege der Deister- und Weserzeitung steht mitten in Hameln: In der Osterstraße 19 wurde die Zeitung für das Weserbergland gegründet – und die Familie Niemeyer hat diesen Ursprungsort ihres Traditionswerkes bis heute bewahrt.

veröffentlicht am 22.10.2009 um 12:47 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:02 Uhr

Die Wiege der Dewezet: Das Haus Osterstraße 15
Thomas Thimm

Autor

Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Meilensteine in

der Geschichte der Dewezet: 1806, 1823, 1843,

1848 und 1884

Die Anfänge der Geschichte des Verlages reichen bis in das Jahr 1798 zurück. Damals ist Carl Wilhelm Hahn der Prinzipal – heute würde man sagen der Geschäftsführer – einer Buchdruckerei in Königslutter. Dort haben die napoleonischen Kriegswirren einen beträchtlichen Auftragsrückgang zur Folge, sodass Hahn sich entscheidet, umzusiedeln. Er verlegt die Druckerei im Jahre 1806 nach Hameln, wo es noch keine Druckerei gab. Alle Drucksachen waren bis dahin in der Landeshauptstadt Hannover oder in Rinteln angefertigt worden, das als Universitätsstadt seit langem über eine Presse verfügte.

Das Jahr 1806 markiert das Gründungsjahr der Hamelner Druckerei, Hahn kommt voller Tatendrang in die Rattenfängerstadt und bringt zwei Druckpressen mit. Doch überschatten auch hier die politischen Verhältnisse das Geschäftsgebaren: Die Franzosen belagern Hameln, und nach der Schlacht bei Jena kapituliert die Stadt vor den zahlenmäßig unterlegenen Franzosen des Generals Savary. 1808 folgt die von Napoleon befohlene Schleifung der Festung. Die Enkelin des Firmengründers, Theodore Niemeyer, schreibt in einer Familienchronik: „Einen wie schweren Stand meine Großeltern hier hatten, wie viel sie durchmachen mussten, läßt sich nachfühlen, wenn man bedenkt, daß in demselben Jahr die Belagerung der hiesigen Festung und die Übergabe an die Franzosen stattfand. (…) Meine Großeltern sind gerade in einer sehr schlimmen Zeit nach hier gekommen, sie hatten die Aussicht, die ganzen Schrecken, die eine belagerte Festung zu bestehen hat, durchmachen müssen.“

Doch obwohl Handel und Wandel durch die andauernden kriegerischen Ereignisse stark beeinträchtigt sind, gelingt es Hahn, mit seiner Familie und seiner Firma in Hameln Fuß zu fassen. Er kauft Haus und Bürgerstelle Osterstraße 19 und zieht mit seiner Familie in das Haus, das auch als Arbeitsstätte dient. Zwölf Jahre später, im Jahre 1818, stirbt Carl Wilhelm Hahn und hinterlässt Ehefrau und fünf Kinder. Die mit 17 Jahren noch sehr junge Tochter Louise Hahn führt die väterlichen Geschäfte „mit gleicher Akkuratesse fort“. Zwei Jahre später heiratet sie den Buchdrucker Georg Friedrich Buttenbaum. Unter der Ägide der Buttenbaums belebt sich die Auftragslage zusehends. Neben der „Kurzen Geschichte der Stadt Hameln“ (1823) von Pastor Schläger und der „Geschichte der Stadt Hameln“ (1826) von Pastor Sprenger ist es vor allem Senior D. Schläger, „der als produktiver Schriftsteller die Pressen und später die Druckmaschinen unserer Firma wie kein zweiter Autor beschäftigte“, wie Verleger Günther Niemeyer sen. 1956 schreibt. Senior Schläger gründet im Jahre 1823 das erste periodisch erscheinende Lokalblatt, die „Hameln’schen Anzeigen“, 1825 kommen die „Gemeinnützigen Blätter“, der „Hannoversche Schulfreund“ und „Der Bußfertige“ hinzu. Und schließlich werden damals auch die von Sertürner herausgegebenen „Annalen für das Universal-System der Elemente“ gedruckt.

1834 stirbt Georg Friedrich Buttenbaum, und wieder nehmen die Frauen das Schicksal der Firma in die Hand: Die Witwe Louise Buttenbaum und ihre älteste Tochter Theodore setzen den Betrieb „mit der ihr eigenen seltenen Geschäftskenntnis und Umsicht fort“, wie es in der Familienchronik heißt. Theodore hatte schon mit acht, neun Jahren am Setzkasten das Schriftsetzen gelernt und mit zehn Jahren Korrektur gelesen. Neben den Schlägerschen Werken werden in den folgenden Jahren Drucksachen wie Frachtbriefe, Ausfuhrzertifikate, Zahlungsbefehle, Infanterie-Instruktionen, Theater-Programme, Etiketten, Urlaubspässe, Konfirmandenzettel, Haushaltspläne für den Magistrat, ein Produkten-Etat der Messinghütte Reher, Bandgedichte und vieles mehr gedruckt.

Im Jahre 1843 dann der familiäre Umbruch: Theodore Buttenbaum heiratet Carl Wilhelm Niemeyer, der von einem Hof in Hülptingsen bei Burgdorf stammt. C. W. Niemeyer zieht nach Hameln und leitet mit Theodore die Druckerei weiter, die fortan seinen Namen trägt. Fünf Jahre später folgt dann auch der geschäftliche Umbruch: Mit der Gründung der Deister- und Weserzeitung durch Carl Wilhelm Niemeyer im Jahre 1848 beginnt eine neue Ära. Niemeyer hatte schon in den Jahren zuvor Anträge an die hannoversche Regierung gestellt, eine Zeitung gründen zu dürfen. Doch erst im Revolutionsjahr 1848 kommt es zur Genehmigung. Das Erscheinen der Deister- und Weserzeitung gleicht einer Revolution für die Menschen in Hameln: Am 4. Juli 1848 erscheint die erste Ausgabe. Und seit dem 1. Januar 1884 gibt es die Deister- und Weserzeitung täglich – seit nunmehr 125 Jahren.

Die Deister- und Weserzeitung wurde 1848 gegründet. Seit 1884 erscheint sie täglich. Die Geschichte des Hauses C. W. Niemeyer beginnt schon viel früher. Die Wiege der Dewezet steht in der Osterstraße Nummer 19.

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