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Autorenlesung am Ernestinum: Jochen Till und Doris Meißner-Johannknecht

"Die waren wirklich cool drauf!"

Rinteln (kb). "Ihr habt so viele Fragen gestellt, dass das jetzt schon das letzte Buch ist. Mehr schaffen wir nicht", stellte Jugendbuchautor Jochen Till zum Ende seiner Lesung im Gymnasium Ernestinum fest. Mit großem Interesse hatten zuvor die Schüler der Klassen 8 bis 10 die Lesung verfolgt, die der junge Autor gemeinsam mit einem Freund auf die kleine Schulbühne gebracht hatte: "Die waren wirklich cool drauf!"

veröffentlicht am 14.07.2006 um 00:00 Uhr

In zwei Schulstunden präsentierte Jochen Till jeweils zwei Klassen Ausschnitte aus seinen Büchern. Dabei übernahm ein Freund von ihm, Theatermanager Linus König, die Rolle des eigentlichen Vorlesers. Jochen Till selbst erläuterte vorher Inhalt und Entstehung des Buches und berichtete von Auseinandersetzungen mit seinem Verlag über angeblich nicht jugendfreie Szenen, die ein Lektor einfach rausschneidet: "Die Leute vom Verlag glauben, dass 14-jährige Mädchen noch nie einen nackten Mann gesehen haben." Auchüber Buchtitel und Covergestaltung streitet Jochen Till immer wieder mit seinem Verlag. Für sein Buch "Nichts wie weg" hatte der Verlag Jochen Till den Titelvorschlag "Jonny in Australien" gemacht. "Dabei heißt der Held im Buch doch Lukas." Außerdem zeigte Jochen Till eine alte Ausgabe seines Buchs "Bauchlandung" mit einem Froschkönig vorne drauf. "Sieht irgendwie aus wie ein Märchenbuch aus - hat sich erstaunlicherweise auch ganz schlecht verkauft", erzählte Till grinsend, bevor er die neue Ausgabe präsentierte: auf dem Cover ein nackter Frauenbauch. In diesem Buch geht es um Paul, der aufgrund seiner sexy WG-Mitbewohnerin Stress mit seiner Freundin bekommt. In der vorgelesenen Szene begleiteten die Schüler den Ich-Erzähler zu einem ganz normalen Arbeitstag in der Videothek. Paul erzählt dabei auf humorvolle und zum Teil auch zynische Art von seinem dümmlichen Stammkunden und einer Gruppe Japaner... Linus König trug den Stammkunden in wunderbarem Frankfurter Dialekt vor, auch mit "japanischem Englisch" hatte er überhaupt keine Probleme und sorgte so füreinige extra Lacher. Autor Jochen Till, 1966 in Frankfurt geboren, veröffentlichte 1997 sein erstes Jugendbuch. Inzwischen sind es über zehn, die sich vor allem an "lesefaule Jungs" richten. Sie handeln vom ganz normalen Alltag Jugendlicher und zeichnen sich durch ihre humorvolle und authentische Sprache aus. Einige Bücher haben autobiografische Züge. So arbeitete Till selbst in einer Videothek und begegnete dabei merkwürdig skurrilen Menschen: "Der Stammkunde und die Japaner waren wirklich da, außerdem gab es jemanden, der jeden Tag denselben Porno ausgeliehen hat." Außer Jugendbüchern hat Till ein Hörbuch, Gedichtbände und den Roman "Der letzte Romantiker" veröffentlicht, der gerade mit Til Schweiger verfilmt wird. Organisiert worden war diese Lesung für die Mittelstufe von den Deutsch-Lehrerinnen Pilar Martos und Angelika Fischer. Schon in der vergangenen Woche hatte Jugendbuchautorin Doris Meißner-Johannknecht drei Tage lang vor den Schülern der Unterstufe gelesen. Das Ziel beider Lesungen formuliert Pilar Martos so: "Wir wollten den Schülern eine Anregung geben, was sie vielleicht in den Sommerferien lesen können."

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