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Die vernetzte Welt beherrscht die Menschen

Mit einem digitalen Stift skizziert ein Zeichner irgendwo in den USA auf einem digitalen Zeichenbrett seine Vorstellungen über das Design eines neuen Produkts. Die gesamte Kreativabteilung des Unternehmens schaut ihm dabei zu. Soweit, so gut. Aber: Der Firmenchef sitzt vor einem Monitor in einem Hochhaus in Indonesien, der Marketingdirektor in München und die Designerin in Neuseeland. Das Internet macht es möglich. Wenn Menschen auf diese Art und Weise miteinander kommunizieren und arbeiten, dann sind sie miteinander vernetzt.

veröffentlicht am 04.03.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 05.03.2010 um 11:09 Uhr

Das Aerzener Relog-Team auf der CeBIT-Messe in Hannover (v.li.):

Autor:

Matthias Rohde

Dass sich die CeBIT in diesem Jahr schwerpunktmäßig mit diesem Thema befasst, dass merkt man spätestens zur Mittagszeit in der Halle der Mobiltelefonaussteller. Kein Durchkommen. Zumeist jüngere Menschen drücken, schieben, ziehen sich an den Ständen vorbei. Vor allem der Trend zu immer ausgefeilteren Smartphones mit immer umfangreicheren Applikationen lässt die Kasse der Aussteller klingeln und erinnert an den Glanz der CeBIT vor wenigen Jahren.

Kein Medium hat diese Generation so geprägt wie das Internet, und die sich aus den Möglichkeiten dieses Mediums ergebenden Veränderungen dienen beileibe nicht nur der Befriedigung der Spaßgesellschaft. Norbert Zimmermann bringt es auf den Punkt: „Durch die Vernetzung von Unternehmen, von Daten, von Know-how und Ideen verschaffe ich mir einen Informationsvorsprung.“ Zimmermann ist mit seiner Hamelner Firma „Scanbull“ einer der wenigen heimischen Vertreter auf der Computermesse 2010. Schon im letzten Jahr prognostizierte Zimmermann: „Dreidimensionale Darstellungen sind ein Zukunftsmarkt.“ Der Kinofilm „Avatar“ habe gezeigt, wie hoch der Bedarf in diesem Marktsegment sei. Noch in diesem Jahr sollen die ersten 3-D-Systeme für das eigene Wohnzimmer auf den Markt kommen. Sogar 3-D-fähige Notebooks stünden in kurzer Zeit für den Endkunden zur Verfügung, heißt es in Fachkreisen. Das CeBIT-Hauptthema „Vernetzte Welten“ sei für ihn ein „alter Hut“, so Zimmermann, dessen Firma 3-D-Scanner herstellt – denn ohne eine intensive Vernetzung ginge gar nichts.

Mit dem Rechenzentrum für Lohn und Gehalt (Relog) mit Sitz in Reinerbeck bei Aerzen ist ein zweiter heimischer Aussteller auf der CeBIT vertreten. Während man bei Scanbull aber dem Galopp des Internets folgt, setzen Unternehmensgesellschafter Dieter Czudnochowski und sein Team ihre Schwerpunkte beim Thema Sicherheit und Tradition. „Rund 50 Prozent unserer Kunden übermitteln uns die relevanten monatlich wechselnden Daten noch per Fax oder der Briefsendung“, sagt Czudnochowski. Das sei auch eine Generationenfrage und verändere sich seit einigen Jahren, denn: „Wenn Unternehmen an jüngere Mitarbeiter übergeben werden, dann kann es schon mal vorkommen, dass wir die Daten dann per E-Mail erhalten.“

Aber so ganz ohne „vernetzte Welten“ kommt dann auch das Lohnbuchhaltungsunternehmen nicht aus. Czudnochowski: „Unsere ganze Datenerfassung wird einmal wöchentlich von einem externen Spezialisten überprüft.“ Dieser Spezialist kontrolliert über das Internet die Protokolle der Computer und wartet das ganze System – er benutzt die Datenautobahnen im internationalen Netz und muss keinen Schritt aus dem Haus machen. Darüber hinaus nutzt Czudnochowski selbst das in seinem Auto installierte Navigationssystem und nimmt an Telefonkonferenzen teil. Nur zwei von unzähligen Beispielen, wie virtuelle Netzwerke von der bloßen Spielerei zur ganz realen Notwendigkeit geworden sind.

„Netzwerke bündeln Informationen bedarfsgerecht“, sagt Zimmermann. Vom kleinen heimischen privaten Netzwerk über Firmen-, Branchen- und Kundennetzwerke bis hin zu den sozialen Netzwerken sei es möglich, Informationen im Sekundentakt auszutauschen. Für viele Lebensbereiche liege der Nutzen der Netzwerke auf der Hand. Und während auf der CeBIT das digitale Klassenzimmer eine viel bestaunte Vision ist, erklärt Zimmermann anhand eines Beispiels, welchen Nutzen „vernetzte Welten“ in der Praxis haben können. „Autovermieter mit Filialen in ganz Europa müssen jeden Monat eine hohe Summe für Reparaturen von Schäden aufwenden, die bei der Rückgabe eines Fahrzeuges nicht auf den ersten Blick entdeckt wurden“, sagt Zimmermann. Das Scanbull-

Team stelle jetzt eine Innovation zur Verfügung, die es den Autovermietern möglich macht, ein Fahrzeug in nur wenigen Sekunden einzuscannen. „Der Mitarbeiter der Firma kann dann die dreidimensionale Darstellung des Fahrzeuges mit dem Scan vor der Ausleihe abgleichen, unabhängig davon, in welcher europäischen Filiale das Fahrzeug ausgeliehen und wieder abgegeben wurde“, sagt Zimmermann. Der Datenaustausch findet über das Internet statt, und das Unternehmen reduziere seine Reparaturkosten.

Netzwerke beinhalten naturgemäß ein Sicherheitsrisiko. Während einer ausgewählten Nutzergruppe eine Information zur Verfügung gestellt wird, soll gleichzeitig der öffentliche Zugriff auf eben diese Information verhindert werden. Die „Datenklau“-Fälle der jüngeren Vergangenheit haben dieses Thema wieder in die Schlagzeilen gebracht. Und erst vor wenigen Tagen hat das Bundesverfassungsgericht die sogenannte Vorratsdatenspeicherung in der aktuellen Form für gesetzwidrig erklärt. „Unsere Kundendaten sind besonders geschützt. Da kommt nicht einmal der Servicetechniker heran“, sagt Relog-Chef Czudnochowski. Für Zimmermann ist das Problem aber weitaus größer. Wenn Daten, die mit Produkten aus dem Scanbull-Programm erzeugt wurden, gestohlen werden, hört für den 3-D-Spezialisten der Spaß auf. „Unsere Software liefert für jeden Scan einen einmaligen unverwechselbaren Code“, sagt er, der seinen Angaben zufolge nicht modifizierbar und jederzeit im Internet aufzuspüren sei.

Einer Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Infratest zufolge halten Lehrer Kenntnisse rund um Computer und Internet für wichtiger (86 Prozent) als eine gute Ausbildung in klassischer Literatur (66,4 Prozent). Eine vom Branchenverband Bitcom in Auftrag gegebene Umfrage ergab, dass rund 71 Prozent aller Deutschen mittlerweile online gingen und sich zirka 58 Prozent davon ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen können.

Vernetzte Welten – so lautet das große Thema der CeBIT-Messe 2010 in Hannover. Alles wird immer schneller, immer erreichbarer, immer größer, immer verrückter. Damit steigen auch die Gefahren. Wir haben heimische Aussteller dazu befragt.



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