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Siegfried Jähn als kreativer Sponsor des Schützenvereins Lauenstein / Königsscheiben in Eigenarbeit

Die Vereine haben ihm viel zu verdanken

Lauenstein. „Mit wenigen Mitteln einen großen Effekt erwirken“ war eines der Ziele von Siegfried Jähn. 1970 hatte Jähn als Mitglied des Schützenvereins Lauenstein die Idee, mit selbst hergestellten Königsscheiben die Kosten zu reduzieren.

veröffentlicht am 08.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 16:41 Uhr

Entwurf der Kreiskönigsscheibe von Siegfried Jähn.

Autor:

Christian Göke

Als kreativer Handwerker hatte er schnell die ersten Ideen im Kopf. Zuerst fertigte er Scheiben mit einem Adlerbild. Schnell jedoch nahm er Abstand von Tiermotiven, da er diese mit dem Schützensport nicht verbinden mochte. Er fand traditionelle Motive aus der Geschichte des Vereins, wie Schützenhaus, Maibaum und viele andere.

In diesem Jahr nun fertigte Jähn das erste Mal seit knapp 40 Jahren die Scheiben nicht selber. Entsprechend seines Grundgedankens aber ließ der jetzige Vereinsvorsitzende Horst Ulbrich ein farbiges Ortsbild von Lauenstein auf die Scheiben drucken. Im Handel werden bedruckte Scheiben derzeit für etwa 30 Euro angeboten.

Bei durchschnittlich fünf Scheiben pro Jahr hat der Verein in den vergangenen Jahren so rund 6000 Euro alleine durch die Scheiben gespart. Gerne erinnert er sich auch an die Sonderscheiben zurück. So stellte er Scheiben zu Freundschaftsschießen oder auch Maischießen her.

Der Maibaum steht im Mittelpunkt der Maikönig-Scheibe.
  • Der Maibaum steht im Mittelpunkt der Maikönig-Scheibe.

Das Holz stammt aus Okal-Abfällen

Der ehemalige Vorsitzende des Kreisschützenbundes Fred Lohmann drängte Jähn immer, irgendwann sein Nachfolger zu werden. Doch Jähn hatte für weitere Aktivitäten bei den Schützen schlicht keine Zeit, bot aber immer seine Hilfe an.

So kam er dazu, 1987 auch die Königsscheiben für das Kreisschießen zu fertigen. Besonders stolz war er auch, die Scheiben für ein Jubiläumsfest 1984 beim Schützenverein Coppenbrügge herstellen zu dürfen.

Noch nicht mal für das Holz der Scheiben musste er Geld ausgeben. Stammte es doch aus den Abfällen von Okal, wo Jähn lange Jahre als Architekt tätig war. Doch nicht nur dadurch hat er dem Verein zahlreiches Geld gespart.

So half er als Architekt und gelernter Zimmermann entscheidend beim Ausbau des Schützenhauses in Lauenstein. 26 Jahre lang war er Vorsitzender des Vereins, ehe er das Amt an Horst Ulbrich übergab. Durch seinen Beruf bei Okal verfügte er über das notwendige Know-how, um seine Vorhaben auch in die Tat umzusetzen.

Das kreative Wirken von ihm kannte kaum Grenzen. So erstellt er auch das Wappen des Schützenvereins und zahlreiche Plakate von Bällen, Theatervorstellungen und ähnlichem. In den 50er Jahren entwickelte er ein Plakat für einen Architektenball in Berlin unter dem Motto „Der springende Punkt“. Das Abbild davon kann man heute noch im Eingangsbereich des Hamelner Theaters bewundern.

Sponsor für die Vereinsjugend

Schon länger arbeitet er an der Chronik des Schützenvereins. Hierfür sucht er aber noch zwei Mitstreiter, die mit ihm unter anderem die vielen Bilder aus dem langen Vereinsleben sichten. Aber auch in umliegenden Schützenvereinen hat man Jähn viel zu verdanken.

…So unterstützte er zahlreiche Vereine bei den Bauten ihrer Vereinsheime. Er erstellte Skizzen, Bauzeichnungen, führte Gespräche, stellte Bauanträge und unterstützte während des Baus. Nur dank all dieser kostenlosen Leistungen konnte erst so mancher Schützenverein überhaupt sein Zuhause erstellen. So stammen unter anderem die Schützenheime in Bisperode und Bessingen aus seinen Entwürfen.

80 Jahre ist Jähn mittlerweile alt. Zeit seines Lebens hat er sich immer Ziele gesetzt. So hat er mit 70 Jahren den Vorsitz des Schützenvereins abgegeben, mit 75 Jahren gab er sein Amt als Hegeringleiter ab und erst jetzt mit 80 Jahren auch seinen eigentlichen Beruf als Architekt und Mitglied im Prüfungsausschuss der Jägerschaft. Er wollte nie, dass die Leute sagen: „Jetzt wird er aber senil“. So hat er immer rechtzeitig den Absprung geschafft und ist sich treu geblieben.

In seinem jetzigen Alter kann er auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Es gab immer wieder besondere Momente in seinem Leben. Er trug früh Verantwortung, als er zum Beispiel in jungen Jahren Deutschlands jüngster Betriebsratsvorsitzender von einem Betrieb mit mehr als 500 Lehrlingen war.

Damals war er noch in der Berufsfachschule für Baugewerbe in Berlin-Spandaus berühmter Zitadelle. Mittlerweile ist er nur noch in der Alt-Herren-Kegelgruppe und im Wellness-Bereich seines Hauses aktiv. Das hält ihn aber nicht davon ab, gerade die Jugendlichen in seinen Vereinen weiter zu sponsern.

Schon mit zwölf Jahren Vollwaise

Ein besonderes Faible hat er noch für den Spielmannszug der Feuerwehr Lauenstein und den Kulturförderkreis, die er beide großzügig unterstützt. Besonders stolz ist er in seinem bewegten Leben aber auf seine Familie.

So ist er fast 50 Jahre glücklich mit seiner Frau Inge verheiratet und stolzer Vater von drei Söhnen. Gerade als Kind, das früh Vater und Mutter verloren hat und mit zwölf Jahren schon Vollwaise war, weiß er dieses Glück doch besonders zu schätzen.



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