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Tötungsdelikt am Pferdemarkt: Gab es einen "dritten Mann"? / Polizei sucht noch Zeugen zum Ablauf

Die Tatwaffe bleibt weiterhin spurlos verschwunden

Rinteln (wm). Der 33-jährige Iraker, der am Dienstagabend am Pferdemarkt einen 21-jähriger Mann aus Montenegro niedergestochen hat, ist auf freiem Fuß. Der zuständige Haftrichter hatte am Mittwochabend entschieden, Notwehr könne in diesem Fall nicht ausgeschlossen werden.

veröffentlicht am 20.10.2006 um 00:00 Uhr

Das Messer ist nach wie vor nicht gefunden worden, die Polizei hatte nach der Durchsuchungsaktion im Blumenwall noch den Müll aus den Papierkörben rund um den Tatort überprüft - ohne Ergebnis. Der Rintelner Rechtsanwalt Dr. Dietmar Nolting, der den Iraker vertritt, schilderte gestern, sein Mandant bestreite, ein Messer besessen und zugestochen zu haben. Auch die Mutter des getöteten jungen Mannes aus Montenegro will einen dritten Mann gesehen haben. Dr. Nolting räumte ein: "Die Sache ist einigermaßen dubios." Manfred Kesselring, Leiter der Mordkommission, erläuterte in einem Telefongespräch, "in den Aussagen der Zeugen, die sich bisher gemeldet haben, gibt es keinerlei Hinweise auf einen dritten Beteiligten". Auch nach der Spurenlage gehe man weiter davon aus, dass der Iraker zugestochen habe. Unstrittig ist, dass der Iraker selbst die Polizei zu Hilfe gerufen hat. Nach den bisherigen Ermittlungen sei auch schlüssig, dass der Mann aus Montenegro den körperlich offenbar unterlegenen Iraker angegriffen habe - ob man mehrere Messerstiche allerdings noch als Notwehr auslegen könne, dazu wolle er sich nicht äußern. Der 33-jährige Iraker war nach seinen Angaben auf dem Weg zum Sportplatz, als er zufällig am Überweg auf den 21-Jährigen getroffen ist. Das hält auch Kesselring für glaubhaft, denn bei dem Iraker habe man eine Sporttasche gefunden. Nach der Spurenlage sei der junge Mann aus Montenegro vor dem Bekleidungsgeschäft Bruno Kleine von der Tatwaffe getroffen worden - "das hat sich alles etwa vor der Drehtür abgespielt" - dann über den Gehweg in Richtung des Geschäftes Cigarren-Schäfer gelaufen, dortin das Auto seiner Eltern eingestiegen, die ihn ins Krankenhaus gebracht hätten. Auch vor dem Haftrichter, erläuterte Dr. Nolting, habe sich nicht sicher klären lassen, warum die beiden Männer so verfeindet waren. Sein Mandant habe versichert, er habe versucht, dem Montenegriner aus dem Weg zu gehen, der Mann habe "einen Hass auf ihn gehabt". Er sei von dem Mann bereits im Asylbewerberheim mehrmals massiv bedroht worden. Nach wie vor sucht die Polizei Zeugen, Hinweise unter (05754) 9 54 50.

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