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Heimatverein will Historie aufarbeiten / Eine Jugendgruppe ist angedacht

Die Spurensuche kann beginnen: Geschichts-AG in Buchholz gestartet

Buchholz (sig). Wie war das eigentlich, als die Nationalsozialisten in der heimischen Region die Macht an sich rissen? Als sie die demokratisch gewählten Bürgermeister absetzten und die Vereine und anderen Organisation nach und nach gleichschalteten oder auflösten? Wie erlebten die Einwohner die letzten Kriegstage und den Einmarsch der Alliierten? Warum wurde Bad Eilsen trotz der nach hier verlegten Focke-Wulf-Werke nicht bombardiert? Solchen und ähnlichen Fragen will ab jetzt die neu gegründete Geschichts-AG des Heimat- und Kulturvereins nachgehen.

veröffentlicht am 13.06.2007 um 00:00 Uhr

Da gibt es noch so manches Ereignis, das in Vergessenheit gerät, wenn man sich nicht bald darum kümmert. Die Generation, die das alles noch miterlebt hat, wird immer weniger. Die Verantwortlichen des Eilser Heimat- und Kulturvereins haben deshalb jetzt im Buchholzer Dorfgemeinschaftshaus eine Geschichts-AG ins Leben gerufen. Auf die Bezeichnung "Geschichtswerkstatt" wurde verzichtet, um nicht der Bückeburger Herderschule ins Gehege zu kommen. Vereinsvorsitzender Friedrich Winkelhake: "Es ist sicherlich auch interessant, etwas mehrüber den nach dem Krieg einsetzenden Demokratisierungsprozess zu erfahren. Nach welchen Kriterien wurden die Personen ausgesucht, die in den heimischen Orten Verantwortung übernehmen mussten? Wie lief die Entnazifizierung ab?" Bemerkenswert war auch sein Hinweis, dass Ahnsen selbst bis in die Endphase des Dritten Reiches hin kaum "braun" gewählt hat. Hier gab es traditionell viele Sozialdemokraten, die ihrer Einstellung treu geblieben sind. Bad Eilsen war leider ein Gegenbeispiel dafür. Hier fasste die NSDAP offensichtlich schnell Fuß. Winkelhake wusste zudem von einem Arbeits- und Erziehungslager am Birkenweg in Ahnsen zu berichten, das so gut wie keiner kannte. Markus Lehmann, Vize-Vorsitzender des Heimat- und Kulturvereins, machte den Vorschlag, zunächst einmal in Buchholz ältere Bürger zum Gespräch zu bitten oder sie aufzusuchen, wenn sie nicht mehr gehfähig sind. Dazu gehören sicherlich auch noch Heimatvertriebene oder Flüchtlinge, die aus den früheren deutschen Ostgebieten hierher gekommen sind. Ein Teilnehmer der Gesprächsrunde hatte in dem Todeszug gesessen, der damals zur Winterzeit in Bückeburg eingetroffen war. "Es wird bei diesen Gesprächen sicherlich noch manche Begebenheit ans Tageslicht kommen, die wir nicht kennen, aber weiter verfolgen sollten", meinte Günter Döring, der speziell in Heeßen bereits eine Fülle von Material gesammelt hat. Das auf diese Weise zusammengetragene Material kann für Vorträge, aber auch für Veröffentlichungen genutzt werden, die sich an bereits vorhandene Publikationen anschließen. Zum Beispiel an den Band "60 Jahre danach", den der Heimat- und Kulturverein herausgegeben hat und der Beiträge von Winkelhake, Lehmann und Döring enthält. Winkelhake regte sogar an, eine Jugendgruppe zu bilden, die sich um bestimmte Themen kümmern kann. Sollte das gelingen, muss deren Arbeit von auf diesem Feld kompetenten Erwachsenen begleitet werden. Die weitere Entwicklung dieses Vorhabens muss abgewartet werden. In jedem Fall trifft sich die neue Geschichts-AG am Dienstag, 3. Juli, wieder um 19 Uhr im Buchholzer Dorfgemeinschaftshaus. Voraussichtlich wird es dort noch eine weitere Zusammenkunft im August geben, bevor die anderen Eilser Gemeinden als Tagungsorte an der Reihe sind.



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