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Gebrauchte Spielsachen für ärmere Familien – und Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen

Die Spielzeug-Firma mit doppeltem Auftrag

Hameln (sto). Im Frühsommer wurde in der Wehrberger Straße 57 die „Toys Company“ eröffnet, vorwiegend Stofftiere füllten damals die Regale. Mittlerweile sind Spielsachen aller Art zu finden. Ein zweiter Lagerraum wurde eingerichtet, um Platz zu schaffen für weitere Spielzeug-Spenden aus der Bevölkerung. Und auch ein Kundenkreis hat sich bereits eingestellt. „Der könnte zwar größer sein, aber alles in allem ist die Company gut angelaufen“, bilanziert Wolfgang Zastrozny, Leiter der Dekra-Akademie.

veröffentlicht am 06.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 14.10.2009 um 14:59 Uhr

Sinnvolle Beschäftigung ersetzt öde Tage: Bei der Spielzeug-Firm

Die Toys Company, die „Spielzeug-Firma“, ist ein gemeinschaftliches soziales Projekt des Bildungsunternehmens der Dekra-Akademie und des Job-Centers Hameln-Pyrmont. Die Mitarbeiter sind Langzeit-Arbeitssuchende und Ein-Euro-Kräfte, denen mit ihrer Teilnahme an dem Projekt der Wiedereinstieg in die „normale“ Arbeitswelt erleichtert werden soll. Durch die lange Arbeitslosigkeit seien die meisten mutlos geworden. „Nach und nach aber werden sie aufgeschlossener und bringen sich voller Ideen in die Arbeit ein“, hat Trainer Werner Tünge beobachtet. Die Arbeit bei der Toys Company biete den Langzeitarbeitslosen Gelegenheit, verborgene Fähigkeiten zu entdecken oder wieder aufleben zu lassen, kreativ zu sein, miteinander zu kommunizieren und den Alltag zu strukturieren.

In der nicht gemeinnützigen Modellfirma sind derzeit 36 Mitarbeiter beschäftigt. Gebrauchte und beschädigte Spielsachen werden von ihnen repariert, durch handwerkliches Geschick wieder in einen guten Zustand versetzt und gereinigt. Die Spielsachen werden gegen Nachweis an bedürftige Familien kostenlos abgegeben.

Qualifizierung anstatt bloßer Beschäftigung

Wie in einer „richtigen“ Firma, gibt es auch in der Toys Company nicht nur die Werkstatt. Auch Anmeldung, Personalabteilung, Verwaltung, Marketing, Lager, Kontrolle und Vertrieb sind eingerichtet. „Jeder Mitarbeiter kann sich die für ihn infrage kommende Abteilung selbst aussuchen“, betont Zastrozny.

Bundesweit gibt es 60 Toys Companys. Seit einiger Zeit sind diese Modellfirmen durch Medienberichte in die Kritik geraten. Unter anderem wird ihnen und anderen privaten Bildungsträgern vorgeworfen, sich auf Kosten der Hartz-IV-Empfänger zu bereichern und eine „Armutsindustrie“ zu betreiben. Die dort beschäftigten Arbeitslosen müssten völlig sinnlose Arbeiten ausführen, eine Art Beschäftigungstherapie über sich ergehen lassen und ihre „Zeit absitzen“, damit andere sich bereichern können, heißt es. Stricken und puzzeln sei gang und gäbe.

Hans-Peter König weiß von den Vorwürfen. „Falsch dargestellte Medienberichte haben die Toys Companys in die Kritik geraten lassen. Das bedauern wir sehr, und wir behalten uns vor, dagegen anzugehen“, betont der Dekra-Gebietssprecher für Niedersachsen und Bremen. Die Toys Companys seien absolut keine Einrichtungen für Beschäftigungstherapie, sondern bieten den Arbeitslosen praktische Einblicke in die Arbeitswelt. Sogar Qualifizierungen, beispielsweise im EDV-Bereich, seien möglich. „Unser Anliegen ist die Integration in die Arbeitswelt. Jeder Einzelne zählt“, betont König. Etwa 20 bis 30 Prozent der Toys-Mitarbeiter können auf dem Arbeitsmarkt vermittelt werden. Dass in den Toys Companys gestrickt und gepuzzelt werde, bestreite er nicht. Hinter diesen Arbeiten stecke aber ein Sinn. „Das Stricken dient der Herstellung von Puppenbekleidung und mit dem Puzzeln wird ein Spiel auf seine Vollständigkeit überprüft“, erklärt der Gebietssprecher.

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